Zugespitzt

Vier-Tage-Woche: Schön brav bleiben!

1945 1960 1980 2000 2020

Warum die Vier-Tage-Woche nichts taugt, erklärt Manuela Tomic in ihrer Glosse.

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Warum die Vier-Tage-Woche nichts taugt, erklärt Manuela Tomic in ihrer Glosse.

Vier Tage arbeiten, drei Tage frei: So lautet der jüngste Vorschlag der SPÖ. Fast der gleiche Lohn für weniger Arbeitsstunden. Na gut, wagen wir ein Gedankenexperiment: Ist die Vier­Tage­Woche erst einmal eingeführt, werden die Arbeitnehmer nämlich schön schauen. In der ersten Woche werden sie jede Stunde genießen, die sie nicht im Büro verbringen. Doch spätestens in der dritten Woche werden sie bemerken, wie leer ihr Leben ist, dass es an Inhalten fehlt, dass es doch viel lustiger war, sich am Freitag mit den Kollegen über die Chefs zu ärgern. Dass man die Familie einen Tag länger zu Hause aushalten muss, dass man freie Wahl und freie Zeiteinteilung hat, dass man –Gott behüte! – ein Buch lesen könnte, ins Theater gehen, sich kulturell und politisch engagieren, ohne ständig die Arbeit als billige Ausrede dafür zu benützen, abends einen Schrott anzuschauen. Die Freizeit wird gepolstert sein von schlechtem Gewissen, Trägheit. Viele werden realisieren, dass sie einfach zu faul und zu feige waren, ihre großen Träume zu verwirklichen. Ja, die Menschen werden die Fünf­Tage­Woche noch vermissen. Die Arbeit ist schließlich die Verwahrungsanstalt für die Erwachsenen. Also schön brav bleiben!