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Zukunftsaspekte der Währungspolitik

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Im Jahr 1979 sind die Erdölpreise neuerlich sprunghaft angestiegen. Dies hat zu einer schwerwiegenden Veränderung auf den internationalen Geldmärkten geführt. Mit diesem Fragenkomplex setzte sich der Präsident der österreichischen Nationalbank Univ.-Prof. Stefan Koren vergangene Woche in seinem Vortrag,. Währungspolitische Aspekte der internationalen Zusammenarbeit” im Rahmen einer Veranstaltung des Dr.-Karl-Renner-Institutes in Wien fachkritisch auseinander.

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Im Jahr 1979 sind die Erdölpreise neuerlich sprunghaft angestiegen. Dies hat zu einer schwerwiegenden Veränderung auf den internationalen Geldmärkten geführt. Mit diesem Fragenkomplex setzte sich der Präsident der österreichischen Nationalbank Univ.-Prof. Stefan Koren vergangene Woche in seinem Vortrag,. Währungspolitische Aspekte der internationalen Zusammenarbeit” im Rahmen einer Veranstaltung des Dr.-Karl-Renner-Institutes in Wien fachkritisch auseinander.

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Der Verlauf der siebziger Jahre hat schwerwiegende Veränderungen im Bereich der Wirtschaftspolitik gebracht. Glaubte man noch zu Beginn dieser Dekade an die „Machbarkeit”, an die Möglichkeit einer „Grob- und Feinsteuerung” der Wirtschaft durch die Politik, so hatte die tatsächlich eingetretene Entwicklung eine Ernüchterung zur Folge.

Am Beginn der siebziger Jahre verschärften sich die internationalen Spannungen und Störungen im Wirtschaftsablauf. Der Zusammenbruch des Systems fixer Wechselkurse, welches einen Konsens über Mittel und Ziele der Wirtschafts- und Währungspolitik vorausgesetzt hat, wurde damals als Fortschritt gefeiert.

Man glaubte im Floaten endlich einen Mechanismus gefunden zu haben, welcher differente Wirtschaftspolitiken zwischen Ländern ausgleicht - und zwar ohne Nachteile für die beteiligten

Länder. Heute wissen wir, daß das auf einer groben Fehleinschätzung der tatsächlichen Lage beruhte.

Die bereits bestehenden Ungleichgewichte wurden durch den ölschock von 1973 und die Rezession von 1974/75 noch verschärft. Daß sich die Fehlentwicklungen der Rezession nicht innerhalb eines Konjunkturzyklus wieder korrigieren ließen, sondern über ein halbes Dezennium andauern sollten, war ebenfalls eine neue, schmerzliche Erfahrung.

Wir gehen nun in eine neue Dekade und nehmen dabei die Erfahrung aus der Entwicklung der siebziger Jahre mit, daß wirtschaftliche Prozesse weniger denn je in ihrem Ablauf kontrollierbar geworden sind. Das bedeutet aber andererseits auch, daß selbst die unmittelbare Zukunft nicht vorhersehbar ist und deshalb ein - wenn auch nur kurzfristiges - wirtschaftspolitisches Konzept immer wieder korrigiert werden muß, noch ehe die erwünschten Wirkungen eingetreten sind. Der Zeitbedarf zur Bewältigung von Anpassungsprozessen im realwirtschaftlichen Bereich ist immer länger geworden.

Gegenläufig zu dieser Entwicklung im güterwirtschaftlichen Bereich ist der monetäre Bereich durch die Internatio-nalisierung der Geld- und Kreditmärkte und durch die Liberalisierung der Geld-und Kreditmärkte und durch die Liberalisierung der Kapitalbewegungen immer mobiler geworden.

Die Anpassung an geänderte Bedingungen erfolgt im monetären Bereich viel rascher als im realen Bereich. In diesem Zusammenhang sei nur auf die Wechselkursunruhen und auf die internationalen Zinshausse in den ersten Monaten dieses Jahres verwiesen.

Die Euromärkte haben wesentlich dazu beigetragen, daß die Störungen nach dem ersten Erdölschock 1973 nicht noch gravierendere Folgen gehabt haben. Durch Rückschleusung der Beträge aus dem OPEC-Raum konnten die entstandenen Zahlungsbilanzdefizite vorerst finanziert werden. Im monetären Bereich konnte die ölpreisver-teuerung durch Verschuldung vorerst bewältigt werden.

Im realen Bereich muß die Anpassung an gestiegene Energiekosten aber durch Produktivitätssteigerung erfolgen. Wie schwierig dieser Prozeß ist, muß an dieser Stelle nicht veranschaulicht werden. In der Nichtbewältigung dieses Anpassungsprozesses liegt die ganze Problematik des neuerlichen öl-schocks von 1979.

Vor allem die Entwicklungsländer haben kaum die Chance, diese Preiserhöhungen durch Produktionssteigerungen zu kompensieren. Andererseits haben sie sich bereits bedenklich den Grenzen ihrer Verschuldungskapazität genähert und, im einen oder anderen Fall, sie wohl schon überschritten.

Nur ein paar Zahlen, um die Dimension dieses Problems zu veranschaulichen: Der Uberschuß des OPEC-Bereiches wird sich von rd. 7 Mrd $ im Jahre

I978 auf rd. 100 Mrd $ im laufenden Jahr erhöhen. Das Leistungsbilanzdefizit der Entwicklungsländer aliein gegenüber den OPEC-Ländern wird für 1980 auf rd. 60 Mrd $ geschätzt.

Im Jahre 1972 belief sich der Anteil der Privatbanken an der Verschuldung der Entwicklungsländer auf rd. 12 %, sechs Jahre später war dieser Prozentsatz bereits auf nicht weniger als 42 % angestiegen, was nicht nur die Probleme der Entwicklungsländer hinsichtlich marktkonformer Verzinsung erhöhte, sondern auch die Banken in zunehmendem Maße den Risikofaktor bei ihren Ausleihungen beachten ließ.

Die Probleme der Finanzierung der Folgen der jüngsten ölpreiserhöhungen

- aber auch andere Entwicklungen haben deshalb bedrohliche Dimensionen angenommen.

Bei den Ansichten über Probleme und Fakten herrscht weitgehend Einigkeit, bei den Lösungsvorschlägen allerdings nicht. Dies zeigt sich z. B. in den langwierigen Diskussionen um die Ausweitung der Kreditmöglichkeiten des Internationalen Währungsfonds(IWF).

Die zunehmenden Schwierigkeiten haben in den Entwicklungsländern -aber auch in einzelnen Industrieländern

- die Forderung nach einer stärkeren Einbindung des IWF bei der Kreditvergabe laut werden lassen. Damit wäre auch dem Einwand entsprochen, daß durch allzu leichten Zugang zu Krediten notwendige Anpassungsprozesse verzögert werden, da der IWF seine Kredithilfen von der Vorlage und Einhaltung von Sanierungsprogrammen abhängig macht.

In diesem Zusammenhang sind in jüngster Zeit Vorschläge gemacht worden, internationale Organisationen oder Regierungen könnten Garantien für Rückschleusungsaktionen über den privaten Bankenapparat übernehmen. Solche Gedanken sind zweifellos Uber-legungen wert, doch müßte dabei sehr genau darauf geachtet werden, ob nicht auf diese Weise die Risikofreudigkeit der Banken zu groß werden könnte.

Für die achtziger Jahre scheint eine Entlastung, wie sie nach dem ersten ölschock im Jahre 1973 durch einen Rückgang der Zahlungsbilanzüberschüsse der OPEC-Länder aufgetreten ist, nicht mehr zu erwarten sein.

Mittelfristig gesehen werden die Probleme der internationalen Geld- und Kreditmärkte im währungspolitischen Bereich nur dann gemildert werden können, wenn im realen Wirtschaftsbereich die Anpassung an die steigenden Energiekosten einigermaßen bewältigt wird.

Kurz notiert

Im Bankensektor nimmt die Zahl der Geschäftsstellen von Kreditunternehmen weiter zu. Kamen im Jahr 1970 noch 2300 Einwohneraufeine Bankfiliale, so betrug diese Zahl 1979 nur mehr 1600. Trotz dieser Zunahme weist Österreich damit im internationalen Vergleich keine übermäßig hohen Werte auf. In der Schweiz und der Bundesrepublik kommen auf eine Filiale nur 1300 bzw. 1400 Einwohner.

Die Ausgaben der Wirtschaft für

Forschung und Entwicklung sind in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre deutlich angestiegen. Mit 5,75 Milliarden Schilling liegt der Wert der Forschungsausgaben 1978 um 62 Prozent über den entsprechenden Aufwendungen des Jahres 1975.

Die österreichische Arbeitslosenrate liegt mit rund 2,1 Prozent im internationalen Vergleich weiterhin sehr niedrig. Relativ groß sind die Unterschiede der Arbeitslosenraten im Bundesländervergleich: mifi 0,3 Prozent weist Vorarlberg extrem'niedrige und mit 6,2 Prozent Kärnten recht ansehnliche Werte auf.

Die Collegialität Versicherung warnte vor den explodierenden Spitalskosten. So kostet ein Tag Aufenthalt im AKH bereits S 1.850.-. Das ist mehr, als die Vollpension in einem Wiener Luxushotel, stellte Dir. Dr. Detter fest. Im Schnitt mußte die Collegialität 1979 für einen Spitalsfall S 19.000.-leisten.

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