Zhang Zhan - © Foto: P ei rreCrom/Getty mI ages

Wichtige Zeugnisse aus Wuhan: Corona-Journalistin Zhang Zhan wieder frei

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Die Anwältin und Journalistin Zhang Zhan verbrachte vier Jahre im Gefängnis, weil sie kritisch über den Ausbruch des Corona-Virus in Wuhan berichtete. Nun wurde sie entlassen, frei ist sie dennoch nicht.

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Die Anwältin und Journalistin Zhang Zhan verbrachte vier Jahre im Gefängnis, weil sie kritisch über den Ausbruch des Corona-Virus in Wuhan berichtete. Nun wurde sie entlassen, frei ist sie dennoch nicht.

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„Der Herbst kommt und auch der Winter, aber bitte seid nicht traurig, denn der Frühling ist schon bei Schnee und Regen eingezogen. Die Samen sind bereit, aus dem Boden zu sprießen, damit sie sich entfalten können, wenn der Tag kommt.“ Mit diesen Worten tröstete die ehemals inhaftierte chinesische Journalistin Zhang Zhan ihre Mutter in einem Brief aus dem Gefängnis. Eigentlich ist Zhan, die Frau mit dem runden Gesicht und den braunen Haaren, Anwältin. Im September 2019 protestierte sie in Shanghai für Hongkong und ein Ende der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas. Daraufhin wurde sie für 65 Tage inhaftiert. In dieser Zeit trat sie in einen Hungerstreik.

Nur wenige Wochen nach ihrer Freilassung häuften sich die Fälle einer unbekannten Lungenkrankheit in der chinesischen Stadt Wuhan. Zhan wurde neugierig – und misstrauisch. Anfang 2020 reiste sie als Journalistin von Shanghai nach Wuhan, um selbst über das Corona-Virus zu berichten. Als eine der ersten dokumentierte sie die Situation in den überfüllten Krankenhäusern, sprach mit den Familien der Corona-Toten und besuchte Krematorien. Sie berichtete auch über den Alltag in der Stadt, die als erste weltweit von einem Lockdown betroffen war. Zahns Videoreportagen und Essays gingen um die Welt und die ganze Welt blickte in dieser Zeit nach Wuhan. Lässt sich das Virus noch aufhalten? Wie tödlich ist es? Wie konnte es überhaupt ausbrechen?

Wirr und chaotisch

Während die chinesische Regierung in Staatsmedien bekräftigte, das Virus unter Kontrolle zu haben, berichtete Zhan von zahlreichen Toten, die Tag und Nacht in die Krematorien gebracht werden. Ihre Berichterstattung erfolgte über YouTube und Twitter (heute X), die in China gesperrt, aber über ausländische VPNs, also private Netzwerkverbindungen, zugänglich sind. Ihre Videos waren häufig verwackelt, wirr und chaotisch. Vieles hat sie im Dunkeln aufgenommen. Dennoch hat Zhan, wie so viele zu Beginn der Pandemie, wichtige Zeugnisse hitnerlassen, die Historiker und Historikerinnen in den nächsten Jahren beschäftigen werden.

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