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DISKURS
Cactus - © Illu: Rainer Messerklinger

Die Kinder von Toma

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Ist das Eindeutschen von Nachnamen nur eine Randnotiz? Über die Suffixe vom Balkan und meinen Stachel auf dem „C“.

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Ist das Eindeutschen von Nachnamen nur eine Randnotiz? Über die Suffixe vom Balkan und meinen Stachel auf dem „C“.

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Vor Jahren habe ich meinen Akzent verloren. Unmerklich verwandelte sich das ć in Tomić in ein c. Vieles wurde dadurch einfacher. Als ich mit dem Journalismus begann, hatten die Redaktionssysteme keine Sonderzeichen. Mit der Zeit gewöhnte ich mich also an meine neue Identität. Das c fügte sich besser in den Sprachraum, in dem ich publizierte. Dieses Eindeutschen von Nachnamen, eine Randnotiz? Schon im Klassenzimmer lauschte ich dem slawischen Klang der Kärntner Familiennamen. Zu meiner Überraschung endeten sie auf dem Papier alle mit tsch, tz oder z. Niemand hatte mich dazu gedrängt, meinen Akzent – einen einfachen Akut – wegzulassen. Er verwirrte mich, dieser eigensinnige Stachel, der meinem Namen einen harten Klang verlieh.

In der Literatur jedoch sehnte ich mich nach diesem spitzen, zischenden Ton. Er gab mir Kontur. So wurde ich eine von den schreibenden „ićs“, diesen Suffixen vom Balkan. Als ich meinen ersten Prosatext veröffentlichte, kehrte der verirrte Akzent wieder zu mir zurück. Mein anderer Name begann sich zu verselbstständigen. In E-Mails wurde ich als Herr „Manuel Atomic“ angeschrieben.

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