Tobisch Nachruf - © APA / Georg Hochmuth

Abschied von einer Grande Dame

Das österreichische Society- und Kulturleben ist um eine prägende Persönlichkeit ärmer. Die frühere Opernball-Lady, Schauspielerin und Autorin Lotte Tobisch verstarb vergangenen Samstag 93-jährig. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte sie als „Institution“. „Ihr dynamisches und offenes Wesen, ihre klare aber verbindliche Art verschafften ihr Anerkennung und Respekt“, erklärte Van der Bellen in einer Aussendung.

Tobisch – im vollen Namen Lotte (von) Tobisch-Labotyn – entstammte einer alten österreichischen k. u. k. Patrizierfamilie und wurde 1926 in Wien geboren. Bereits in frühen Jahren, während ihrer Ausbildung am Konservatorium Horak, gab sie ihr Debüt am Wiener Burgtheater. Es folgten Verträge mit allen Bundestheatern und zahlreiche Stücke im heimischen Fernsehen. In der breiten Öffentlichkeit hinterließ sie vor allem als wortgewaltige Opernball-Organisatorin großen Eindruck. 16 Jahre lang prägte die Schauspielerin ab 1981 die wichtigste Veranstaltung der Wiener Ballsaison. „Man muss es ernsthaft machen, es muss klappen, es muss in Ordnung sein. Aber ernst nehmen dürfen’s das nicht“, meinte Tobisch im Rückblick.

Bekannt war die Schauspielerin auch für ihre Freundschaften mit bedeutenden Intellektuellen wie Theodor W. Adorno. Der Briefwechsel der beiden erschien 2003 in Buchform. In der FURCHE erinnerte sich Tobisch 2015 an die besondere Beziehung: „ Ich konnte Teddie stundenlang zuhören und durfte ihm essentielle Fragen stellen. Bei unseren Spaziergängen habe ich allerlei erfahren, was ich noch immer nicht ganz verstanden habe, aber doch große Teile, und das hat mir in meinem Leben einiges eröffnet.“

Tobisch galt als lebensfroh, zeigte sich aber auch nachdenklich: „Das einzig wirklich Interessante auf der Welt ist ja doch der Mensch. Zu was er imstande ist. Da erlebt man die erstaunlichsten Dinge, im Kleinen und im Großen.“ Gegenüber der FURCHE meinte die Opernball-Organisatorin, ihr langes Leben habe sie gelehrt, dass man „sowohl in der Liebe als auch in der Freundschaft dem anderen mit Vorsicht, Rücksicht und ein wenig Nachsicht begegnen sollte“.

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