Dietmar Steiner - © Foto: APA / Herbert Neubauer

Dietmar Steiner: Ein Nachruf

1945 1960 1980 2000 2020

Dietmar Steiner, Gründungsdirektor des Architekturzentrums Wien, ist vergangene Woche im Alter von 68 Jahren gestorben.

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Dietmar Steiner, Gründungsdirektor des Architekturzentrums Wien, ist vergangene Woche im Alter von 68 Jahren gestorben.

Als Gründungsdirektor des Architekturzentrums Wien (Az W) prägte Dietmar Steiner 23 Jahre lang den Architekturdiskurs in Österreich – und darüber hinaus. Mit dem Konzept „präsentieren, diskutieren, publizieren, archivieren“ wurde das Az W zur international renommierten Institution. „Die Architektur und wir alle, die wir in ihr leben, haben einen großen Verbündeten verloren“, so Angelika Fitz, Direktorin des Az W.

Steiner war absoluter Überzeugungstäter, Architektur sein Lebenselixier. Er loderte, brannte und scheute keinen Konflikt. Am 15. Mai ist er nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Steiner war bestens vernetzt und reiste als geschätzter Juror, Autor, Vortragender, Präsident von ICAM (International Confederation of Architectural Museums) durch die Welt. Mit untrüglichem Instinkt und seismografischem Gespür setzte er große Themen und brachte faszinierende Persönlichkeiten nach Wien.

Die Ausstellung „Alexander Brodsky“ (2011) war eine sinnlich­poetische Sternstunde, „Just build it! Die Bauten des Rural Studio“ (2003) eine der ersten über sozial engagierte Architektur, die „Sowjetmoderne 1955–1999“ (2013) nahm einen Hype vorweg und zeigt auch Steiners Liebe zum einstigen Ostblock. So waren Jan Kotera (2003) und Bogdan Bogdanović (2009) im Az W ausgestellt, Letzterem schenkte man zum 80. Geburtstag ein Fest. Dietmar Steiner konnte feiern.

1951 in Wels geboren, studierte er an der Wiener Akademie der bildenden Künste und arbeitete an Friedrich Achleitners Archiv „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ mit. Achleitner blieb lebenslang Freund und Förderer des Az W: Sein Archiv ist die Basis des Az W­Archivs, das seither um viele Nachlässe angewachsen ist. Die Ausstellung „Das Gold des Az W“ (2013) würdigte diesen wertvollen Wissensspeicher. Steiner war auch ein großer Initiator: So gestalteten Lacaton & Vassal das Lokal „Corbaci“, Architekten von Welt entwarfen sieben „Buswartehüsle“ in Krumbach. Steiner: „Das war das schönste Projekt meines Lebens. Alle – die, die es finanziert haben, die, die es gebaut haben, die, die es gebrauchen – sind glücklich damit.“ Ein Auftrag für die Zukunft.

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