Nachruf

Ennio Morricone gestorben: Mehr als „das Lied vom Tod“

1945 1960 1980 2000 2020

Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone starb in Rom im Alter von 91 Jahren. Seine Soundtracks werden noch viele Generationen nach ihm begeistern.

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Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone starb in Rom im Alter von 91 Jahren. Seine Soundtracks werden noch viele Generationen nach ihm begeistern.

Ein Friedhof irgendwo im Wilden Westen. Drei Männer stehen einander gegenüber, die Hände am Griff ihrer Colts. Dazu nervöse Klaviertöne, eine verstimmte Gitarre. Minutenlang beäugen sich die Kontrahenten, auf den richtigen Moment für den tödlichen Schuss lauernd. Eine Mariachi-Trompete beginnt lautstark zu klagen, ein Chor stimmt bombastischen Gesang an. Spannung und Pathos pur. Dass das finale Duell in dem Italowestern „Zwei glorreiche Halunken“ zu einer der ganz großen Szenen der Filmgeschichte wurde, ist zu einem guten Teil der Musik zu verdanken. Der Mann, der sie komponiert hat, ist nun im Alter von 91 Jahren gestorben: Ennio Morricone, der zweifelsohne größte Filmkomponist unserer Zeit. Mit den Soundtracks zu Filmen seines einstigen Schulkollegen Sergio Leone wie „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) sowie „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) mit seiner unvergesslichen Mundharmonikamelodie wurde Morricone unsterblich.

Das kompositorische Werk des 1928 in Rom geborenen und klassisch ausgebildeten Sohnes eines Trompeters war freilich wesentlich umfangreicher. Er schrieb Hits für populäre Entertainer wie Paul Anka oder Milva, arrangierte Pop-Songs im Schallplattenstudio, war Mitglied eines Avantgarde-Ensembles, komponierte Kammermusik, Kantaten sowie Messen und schuf nicht zuletzt die Musik zu mehr als 400 Filmen. Morricone arbeitete dabei mit so unterschiedlichen Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini und Dario Argento zusammen, und er lieferte die Musik zu so unterschiedlichen Filmen wie „Ein Käfig voller Narren“ (1978) und „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982).

Vor zwei Jahren noch gab der Hochbetagte im Rahmen einer Abschiedstournee in der Wiener Stadthalle ein bejubeltes Konzert. Er hatte sich oft beklagt, auf seinen Beitrag zum Italowestern reduziert zu werden. Erst 2007 erhielt er seinen ersten Oscar, für das Lebenswerk. 2016 schließlich bekam er einen richtigen Oscar, für den Soundtrack zu Quentin Tarantinos Kammerspiel-Epos „The Hateful Eight“ – das im Grunde eine Hommage an den Italowestern und damit auch an Ennio Morricone ist.