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Jean-Luc Godard: Der radikale Regelbrecher des Films

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Jean-Luc Godard ist 91-jährig aus dem Leben geschieden.

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Jean-Luc Godard ist 91-jährig aus dem Leben geschieden.

Von all den Gesichtern der Nouvelle Vague war Jean-Luc Godard das einprägsamste. Nicht sein Aussehen ist gemeint, sondern das, was er als künstlerisches Substrat in die Welt gebracht hat: Die Filme von JLG, wie ihn seine Fans nannten, sind außergewöhnlich, stilprägend und künstlerisch furios. Sie haben die Filmgeschichte mitgeschrieben: von Godards Debüt „Außer Atem“ (1959), das die Nouvelle Vague als Dammbruch bisheriger Erzählkonventionen implementierte, über „Die Verachtung“ (1963), einen Film über das Filmemachen und eine scheiternde Beziehung zwischen Michel Piccoli und Brigitte Bardot, bis hin zu seinen ersten experimenteller werdenden Filmen wie „Weekend“ (1967) oder „Die fröhliche Wissenschaft“ (1968). Das Werk von Godard ist in jeder Hinsicht einzigartig.

Selbst seine jüngsten Arbeiten – „Le Livre d’image“ (2018) oder „Adieu au langage“ (2014) – sind philosophische Klangteppiche und Bilderreigen von exquisiter Machart, wenngleich sich Godard schon lange von jeder Erzählkonvention losgesagt hatte.

Godard, 1930 in Paris geboren und in der Schweiz aufgewachsen, wo er bis zuletzt lebte, begann zusammen mit Kollegen wie Chabrol, Truffaut, Rohmer und Rivette in den 1950er Jahren bei den Cahiers du cinéma, von wo aus die jungen Kritiker die Filmwelt revolutionierten. Für Godard war das Filmemachen nur der Wechsel des Mediums: „Ich bin immer der Kritiker geblieben, der ich schon damals war, als wir die Cahiers du cinéma herausgegeben haben. Der einzige Unterschied ist, dass ich heute Kritiken nicht mehr schreibe, sondern sie filme.“ Nun ist Godard 91-jährig durch assistierten Suizid aus dem Leben geschieden.

Der Autor ist Filmjournalist.

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