Haidlmayr - © Die Grünen

Theresia Haidlmayr: Megaphon für Barrierefreiheit

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Humor, Stimme und "Schluss mit lustig", wenn es um Rechte geht: Theresia Haidlmayr, langjährige grüne Behindertensprecherin, ist 67-jährig verstorben.

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Humor, Stimme und "Schluss mit lustig", wenn es um Rechte geht: Theresia Haidlmayr, langjährige grüne Behindertensprecherin, ist 67-jährig verstorben.

Die Werbung für den besten Rundfunksender des Landes gilt auch für die langjährige Behindertensprecherin der Grünen: Theresia Haidlmayr gehörte gehört! Im E-Rollstuhl sitzend, aufgrund einer Glasknochenkrankheit seit Geburt ins Mezzanin des gesellschaftlichen Lebens geschoben, nutzte sie ihre Megaphon-Stimme als individuelle Rampe und Hebebühne, um auf Augenhöhe zu kommen. Egal, ob bei ihrer politischen Arbeit im Parlament, bei gesellschaftlichen Anlässen wie dem FURCHE-Heurigen, oder im Alltag in einer noch viel mehr als heute behinderten-ungerechten Umgebung, zum Beispiel auf einem Bahnsteig des Wiener Westbahnhofs: Lange bevor man sie sehen konnte, hat man sie schon gehört. Zur Freude der einen: „Unsere Stimme gegen Diskriminierung!“ Zum Ärger der anderen: „Die Nervensäge!“ Aber allen war klar: „Die“ Haidlmayr ist da – und die lässt sich nicht verrollen.

Im Staatsvertragsjahr 1955 in Steyr geboren, hat sie das „Österreich ist frei!“ auf sich und alle Menschen mit Behinderungen bezogen. 1994 wurde sie in den Nationalrat gewählt, bis 2008 war sie Grüne Abgeordnete in den Ausschüssen für Arbeit und Soziales, Gesundheit, Menschenrechte, Bürgerinitiativen und vieles mehr – inklusives Leben war für sie die Querschnittmaterie. Wo Haidlmayr war, ging es um Gleichstellung, am liebsten wäre sie überall gewesen. „Vehement“ lautet die Zuschreibung, die sich wie ein roter Faden durch Pressemeldungen und Zeitungsartikel mit Aussagen und Forderungen von ihr zieht.

„Ich bin 47 Jahre alt. Und 47 Jahre lang wird auf mich ‚sensibilisiert‘. Irgendwann habe ich genug“, schimpfte sie in einer FURCHE-Debatte im „Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung 2003“ zum Start einer weiteren Sensibilisierungskampagne: „Was ich will, sind Gesetze: Manchmal geht Sensibilisierung halt nur über die Brieftasche.“

Richtig in Saft ging sie, wenn behinderte Menschen als Almosenempfänger dargestellt wurden. „Für behinderte Menschen muss ich keine Spendenaktion wie bei einem Hochwasser machen. Wir sind keine unkalkulierbare Katastrophe, die vom Himmel fällt. Wir sind da.“ Seit Anfang der Woche ist Theresia Haidlmayr nicht mehr da. Ihre Stimme bleibt.

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