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9/11 - Ein Tag verändert die Welt

FOKUS
Drohne in Aktion - 20 Jahre nach den 9/11-Anschlägen findet die Terrorbekämpfung vor allem mithilfe von Drohnen statt. - © Foto: APA / AFP / Aamir Qureshi

9/11-Folge: Drohnen-Knüppel aus dem Sack!

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20 Jahre nach den 9/11-Anschlägen findet die Terrorbekämpfung vor allem mithilfe von Drohnen statt. Mit Folgen für Österreichs Neutralität?

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20 Jahre nach den 9/11-Anschlägen findet die Terrorbekämpfung vor allem mithilfe von Drohnen statt. Mit Folgen für Österreichs Neutralität?

Der amerikanische Präsident hat seinen Hintergrund gewechselt. Stellte sich Joe Biden bislang gern vor das Bild seines Vorgängers Franklin D. Roosevelt, der mit dem wirtschaftspolitischen „New Deal“ die Vereinigten Staaten aus der Weltwirtschaftskrise 1929 zog, verkündete er Amerikas neue Afghanistan-Politik vor dem Gemälde des auf einem Pferd reitenden US-Präsidenten Theodore Roosevelt. Nach diesem Roosevelt ist der Teddybär benannt, in seiner Außenpolitik ersetzte er aber Amerikas „Soft Power“ durch den „Big Stick“ und folgte dem Motto: „Sprich sanft und trage einen großen Knüppel, dann wirst du es weit bringen.“

20 Jahre nach 9/11 ist der US-Knüppel zur Terrorbekämpfung nicht sehr groß in seinen Ausmaßen, jedoch umso größer in seiner Wirkung. So wie der 9/11-Terror aus der Luft kam, so kommt Amerikas Vergeltung mittlerweile ebenfalls aus der Luft. „Wir werden nicht vergessen. Wir werden nicht vergeben“, sagte Biden nach dem IS-Selbstmordanschlag am Flughafen von Kabul während des US-Abzugs im August – drei Tage später starben Terroristen des afghanischen IS-Ablegers bei einem Drohnenangriff.

Bessere Option als Invasion

„Aus Sicht der USA wäre das bereits nach 9/11 die bessere Option gewesen“, antwortet Politikwissenschafter Heinz Gärtner auf die FURCHE-Frage, ob dieser Drohnenangriff ein Beispiel für die Ausrichtung der Terrorbekämpfung weg von Militärinvasionen hin zu zielgenauen Einsätzen ist. Der amerikanische Einmarsch in Afghanistan im Gefolge von 9/11 „war von vornherein eine falsche Strategie“, sagt Gärtner: „Die Taliban haben die Al Kaida zwar beherbergt und es hat Sympathien gegeben, aber es waren zwei völlig unterschiedliche Organisationen. Mit der Invasion konnte man die internationalen Aktivitäten von Al Kaida nicht bekämpfen. Die USA und andere Staaten ziehen daraus ihre Lehren für den Kampf gegen den IS.“

Seit Ende der 2000er Jahre und gerade unter der Präsidentschaft von Friedensnobelpreisträger Barack Obama setzten die USA auf Drohneneinsätze zur Tötung ausgewählter Personen. Seither haben sich auch die Anti-Terroreinsätze in Richtung Spezialoperationen mit Drohnen aus der Luft und mit Sondereinheiten am Boden entwickelt. „Typisch dafür war die Tötung von Osama bin Laden in Pakistan mithilfe einer Kommandoaktion“, betont Gärtner. Völkerrechtlich bewegen sich diese Einsätze in einer Grauzone, sagt der am International Institute for Peace (IIP) in Wien unter anderem zur US-Außen- und Sicherheitspolitik forschende Experte: Deswegen habe die Bush Administration auch den Begriff der „illegalen Kämpfer“ geprägt – „um zu rechtfertigen, sie mit allen Mitteln bekämpfen zu können“, meint Gärtner und erinnert an eine der 9/11-Vergeltungsaktionen. „Theoretisch müssten auch Terroristen einen Prozess bekommen – real werden sie jetzt einfach getötet, Kollateralschäden in der Zivilbevölkerung inklusive.“

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