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Politik

ABC der Sprachenvielfalt oder #Sag#s Multi#

1945 1960 1980 2000 2020
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Beim mehrsprachigen Redewettbewerb #Sag#s Multi# rückt der Migrationshintergrund in den Vordergrund. Die Wirtschaft hat das Potenzial der Zuwanderer längst erkannt.

#Vielleicht hat mein Vater geholfen, die Schule zu bauen und meine Mutter, sie zu putzen. Die Schule, in der ich nun sitze.# Normalerweise sitzt Mert Ok im #International Business College Hetzendorf#, seiner Schule im 12. Wiener Bezirk. Diesmal aber steht er am Rednerpult und drückt mit einem Satz seine ganz persönliche Lebenssituation aus: Die Mutter arbeitet als Putzfrau, der Vater am Bau. Beide kommen aus der Türkei. Mert Ok ist hier, in Österreich, geboren und aufgewachsen. Der #Österreicher mit türkischen Wurzeln#, wie er sich selbst bezeichnet, hat beim Redewettbewerb #Sag#s Multi# im vergangenen Schuljahr gewonnen. So wie 14 andere der insgesamt 115 Redner und Rednerinnen.

In seiner Rede wechselt der 16-Jährige mühelos zwischen Türkisch und perfekt gesprochenem Deutsch. Ein Potenzial, das die Wirtschaft bereits für sich zu nutzen erkannt hat und dementsprechend fördert: Initiiert wurde der Bewerb vom Verein #Wirtschaft für Integration#, der vor über einem Jahr von Georg Kraft-Kinz, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, und seinem Freund Ali Rahimi, einem in Teheran geborenen Wiener Unternehmer, gegründet wurde. Beide wissen aus ihrer täglichen Arbeit, wie wichtig es ist, sich in verschiedenen Sprach- und Kulturwelten bewegen zu können.

Der Bewerb richtet sich an Wiener Schüler und Schülerinnen ab der siebten Schulstufe, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Vergangenes Schuljahr waren so insgesamt 35 Sprachen zu hören: darunter Albanisch, Bengalisch, Chinesisch ebenso wie Türkisch und Serbisch, jeweils abgewechselt mit Deutsch. Am Anfang des Deutschlernens steht das ABC. Am Anfang des Deutschlernens für Kinder mit Migrationshintergrund steht die Muttersprache: Was in Sprach- und Integrationsforschung bereits durch Studien erwiesen ist, scheint in der Politik noch nicht ganz angekommen zu sein.

Einsilbige Integrationspolitik

Gerade in der Politik wird Integration allzu oft als #Problem# thematisiert und #erfolgreiche# Integration auf den Erwerb von Deutschkenntnissen reduziert: Noch im Herbst will Innenministerin Maria Fekter eine #Deutschpflicht vor Zuwanderung# beschließen. Zuwanderer sollen also künftig noch vor ihrer Einreise zumindest Basiskenntnisse in Deutsch nachweisen. Um am gesellschaftlichen Leben in Österreich teilhaben zu können, spielt die Beherrschung der Landessprache eine wichtige Voraussetzung # ist oft zu hören. Laut einem aktuellen Buch zur #Integration in Österreich# (herausgegeben von Herbert Langthaler) verhält es sich gerade umgekehrt: #Der Erwerb der Landessprache stellt nicht die Voraussetzung, sondern vielmehr das Ergebnis der erfolgreichen Teilhabe an Bildungsprozessen und am Arbeitsmarkt dar. Diese Annahme begründet sich u. a. in der sprachdidaktischen Binsenweisheit, dass man Sprachen nur durch Sprechen lernt#, so die Sprachwissenschafterin Verena Plutzar. In ihrem Beitrag hinterfragt sie die Rolle der Sprache als #Schlüssel# zur Integration und dreht den Schlüssel in die entgegengesetzte Richtung.

Am Anfang steht also die Muttersprache. Mert Ok spricht mit seinen Eltern zu Hause Türkisch, aber auch Deutsch # das vor allem mit seinem kleinen Bruder. Moustafa Ibrahim hingegen redet bewusst viel Arabisch mit seinem kleinen Bruder, weil diesem #die Muttersprache fehlt#: #Wir sagen, er spricht ein kaputtes Arabisch#, erklärt der 13-Jährige, der wie Mert Ok bei #Sag#s Multi# gewonnen hat. #Um eine andere Sprache zu lernen, muss die Muttersprache sitzen#, ist Moustafa überzeugt. Mert Ok nickt.

Insgesamt haben in Österreich rund 200.000 Schüler und Schülerinnen eine andere Umgangssprache als Deutsch. Von diesen werden nur knapp 15 Prozent muttersprachlich unterrichtet. An Wiens Schulen sprechen sogar 40 Prozent eine andere Muttersprache. Oder in den Worten der Germanistin Verena Plutzar: #Es geht darum, die #Normalität# von Viel- und Mehrsprachigkeit zu begreifen und das einsprachige Selbstverständnis des Staates und seiner Institutionen, allen voran der Schule, aufzugeben.#

Redewettbewerb #Sag#s Multi#

Teilnahme: Wiener Schulen, Anmeldefrist: 15.11.2010, Nähere Infos unter: www.vwfi.at

Beim mehrsprachigen Redewettbewerb #Sag#s Multi# rückt der Migrationshintergrund in den Vordergrund. Die Wirtschaft hat das Potenzial der Zuwanderer längst erkannt.

#Vielleicht hat mein Vater geholfen, die Schule zu bauen und meine Mutter, sie zu putzen. Die Schule, in der ich nun sitze.# Normalerweise sitzt Mert Ok im #International Business College Hetzendorf#, seiner Schule im 12. Wiener Bezirk. Diesmal aber steht er am Rednerpult und drückt mit einem Satz seine ganz persönliche Lebenssituation aus: Die Mutter arbeitet als Putzfrau, der Vater am Bau. Beide kommen aus der Türkei. Mert Ok ist hier, in Österreich, geboren und aufgewachsen. Der #Österreicher mit türkischen Wurzeln#, wie er sich selbst bezeichnet, hat beim Redewettbewerb #Sag#s Multi# im vergangenen Schuljahr gewonnen. So wie 14 andere der insgesamt 115 Redner und Rednerinnen.

In seiner Rede wechselt der 16-Jährige mühelos zwischen Türkisch und perfekt gesprochenem Deutsch. Ein Potenzial, das die Wirtschaft bereits für sich zu nutzen erkannt hat und dementsprechend fördert: Initiiert wurde der Bewerb vom Verein #Wirtschaft für Integration#, der vor über einem Jahr von Georg Kraft-Kinz, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, und seinem Freund Ali Rahimi, einem in Teheran geborenen Wiener Unternehmer, gegründet wurde. Beide wissen aus ihrer täglichen Arbeit, wie wichtig es ist, sich in verschiedenen Sprach- und Kulturwelten bewegen zu können.

Der Bewerb richtet sich an Wiener Schüler und Schülerinnen ab der siebten Schulstufe, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Vergangenes Schuljahr waren so insgesamt 35 Sprachen zu hören: darunter Albanisch, Bengalisch, Chinesisch ebenso wie Türkisch und Serbisch, jeweils abgewechselt mit Deutsch. Am Anfang des Deutschlernens steht das ABC. Am Anfang des Deutschlernens für Kinder mit Migrationshintergrund steht die Muttersprache: Was in Sprach- und Integrationsforschung bereits durch Studien erwiesen ist, scheint in der Politik noch nicht ganz angekommen zu sein.

Einsilbige Integrationspolitik

Gerade in der Politik wird Integration allzu oft als #Problem# thematisiert und #erfolgreiche# Integration auf den Erwerb von Deutschkenntnissen reduziert: Noch im Herbst will Innenministerin Maria Fekter eine #Deutschpflicht vor Zuwanderung# beschließen. Zuwanderer sollen also künftig noch vor ihrer Einreise zumindest Basiskenntnisse in Deutsch nachweisen. Um am gesellschaftlichen Leben in Österreich teilhaben zu können, spielt die Beherrschung der Landessprache eine wichtige Voraussetzung # ist oft zu hören. Laut einem aktuellen Buch zur #Integration in Österreich# (herausgegeben von Herbert Langthaler) verhält es sich gerade umgekehrt: #Der Erwerb der Landessprache stellt nicht die Voraussetzung, sondern vielmehr das Ergebnis der erfolgreichen Teilhabe an Bildungsprozessen und am Arbeitsmarkt dar. Diese Annahme begründet sich u. a. in der sprachdidaktischen Binsenweisheit, dass man Sprachen nur durch Sprechen lernt#, so die Sprachwissenschafterin Verena Plutzar. In ihrem Beitrag hinterfragt sie die Rolle der Sprache als #Schlüssel# zur Integration und dreht den Schlüssel in die entgegengesetzte Richtung.

Am Anfang steht also die Muttersprache. Mert Ok spricht mit seinen Eltern zu Hause Türkisch, aber auch Deutsch # das vor allem mit seinem kleinen Bruder. Moustafa Ibrahim hingegen redet bewusst viel Arabisch mit seinem kleinen Bruder, weil diesem #die Muttersprache fehlt#: #Wir sagen, er spricht ein kaputtes Arabisch#, erklärt der 13-Jährige, der wie Mert Ok bei #Sag#s Multi# gewonnen hat. #Um eine andere Sprache zu lernen, muss die Muttersprache sitzen#, ist Moustafa überzeugt. Mert Ok nickt.

Insgesamt haben in Österreich rund 200.000 Schüler und Schülerinnen eine andere Umgangssprache als Deutsch. Von diesen werden nur knapp 15 Prozent muttersprachlich unterrichtet. An Wiens Schulen sprechen sogar 40 Prozent eine andere Muttersprache. Oder in den Worten der Germanistin Verena Plutzar: #Es geht darum, die #Normalität# von Viel- und Mehrsprachigkeit zu begreifen und das einsprachige Selbstverständnis des Staates und seiner Institutionen, allen voran der Schule, aufzugeben.#

Redewettbewerb #Sag#s Multi#

Teilnahme: Wiener Schulen, Anmeldefrist: 15.11.2010, Nähere Infos unter: www.vwfi.at