Als "Krieger“ Politik machten - © Bildnachweis

Als "Krieger“ Politik machten

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Zur Steigerung der Gewaltbereitschaft in der Ersten Republik haben die Medien wesentlich beigetragen. Leitartikel und Analysen waren von einem martialischen Ton geprägt. Stimmen der Besonnenheit, die es auf beiden Seiten gab, hatten zuletzt keine Chance mehr.

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Zur Steigerung der Gewaltbereitschaft in der Ersten Republik haben die Medien wesentlich beigetragen. Leitartikel und Analysen waren von einem martialischen Ton geprägt. Stimmen der Besonnenheit, die es auf beiden Seiten gab, hatten zuletzt keine Chance mehr.

Noch am Tag, als der Bürgerkrieg in Österreich begonnen hatte, berichtete die amtliche Wiener Zeitung in einer Sonderausgabe: "Regierung Herrin der Lage“. Und auf Seite 1 wurde auch das Standrecht kundgemacht.

Am Morgen dieses 12. Februar vor 80 Jahren umzingelte um sieben Uhr früh die Polizei das Arbeiterheim im Linzer Hotel Schiff und drang dort, auf der Suche nach Waffen, gewaltsam ein. Richard Bernaschek, der Parteisekretär der oberösterreichischen Sozialdemokraten, gab den Schießbefehl. Bernaschek war auch Landeskommandant des verbotenen Republikanischen Schutzbundes.

Es gab die ersten Toten, und am Tatort Linz beschoss das Bundesheer u. a. die Diesterwegschule mit Artillerie, weil sich dort Schutzbündler verschanzt hatten.

In der Wiener Zeitung hieß es tags darauf in einem Aufruf der Regierung "An das Volk von Österreich“, dass eine "jeder Verantwortung bare Führung der sozialdemokratischen Partei“ den Versuch unternommen habe, sich mit Waffengewalt gegen die Behörden aufzulehnen und einen Generalstreik anzuzetteln.

Verbalradikaler Schwulst

Doch dieser dreitägige Bürgerkrieg mit lange nachwirkenden traumatischen Folgen war, zumindest zu diesem Zeitpunkt, gegen den Willen der Mehrheit des Parteivorstandes in Wien ausgebrochen. In Wahrheit handelte es sich um einen Aufstand des Schutzbundes, der auch ein Aufbegehren gegen Exponenten der Parteiführung war, die zwar die revolutionäre Rhetorik bravourös beherrschten, die aber vor der revolutionären Tat letztlich zurückschreckten.

In einem Leitartikel schrieb das Blatt: "Entsetzliches, Unfassbares, Grauenvolles ist geschehen. Die Hetzpolitik der österreichischen Sozialdemokraten ist nun blutigrot in Österreich aufgegangen.“ Nun müsse den "roten Staatsfeinden das Handwerk gründlich gelegt werden“.

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