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Bildung, Pensionen, Energie - Themen 2011

Im neuen Jahr, 2011, könnte es so weit sein: Reformen für Österreich, die als überfällig gelten und für die Konzepte bereits vorliegen, könnten umgesetzt werden. Denn die Koalitionsregierung hat wiederholt erklärt, unter dem Druck von Wahlen sei so etwas nicht machbar. Und jetzt stehen, sieht man von Hochschülerschafts- und Gemeindewahlen ab, wahlfreie Jahre bevor. Doch die Bürger werden sich, wie die Sparpakete signalisieren, darauf einzurichten haben, mit weniger staatlicher Zuwendung auskommen zu müssen.

Die Themen der Politik

Fokus

Erklärung und Volksbegehren

* Ein Jahr im Zeichen der Bildung

Das ist eine risikolose Prognose: Das Jahr 2011 steht in der Innenpolitik auch im Zeichen der Bildung. Unter dem Eindruck der schlechten Plätze österreichischer Schüler im internationalen Vergleichstest PISA erhöhten die Sozialdemokraten den Druck auf die Volkspartei, der Einführung der Gesamtschule der Sechs- bis Vierzehnjährigen zuzustimmen. Sogar Bundespräsident Heinz Fischer sprach sich dafür aus.

Dieses Themas werden sich auch Bundeskanzler Werner Faymann und Finanzminister Josef Pröll annehmen. Beide planen für den Jahresauftakt Erklärungen dazu. Getrieben wird die Regierung dabei von den Projekten des Industriellen Hannes Androsch. Bereits Mitte Jänner will Androsch einige Fachleute und Unterstützer sammeln, um ein Bildungs-Volksbegehren zu starten.

Im Frühjahr haben die Volksschüler einen internationalen Vergleichstest in Lesen und in Mathematik zu bewältigen, dessen Ergebnisse im Dezember 2012 vorliegen sollen.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl und Unterrichtsministerin Claudia Schmied arbeiten unterdessen weiter an der neuen Ausbildung für Lehrer.

www.bmukk.gv.at; www.bmwf.gv.at

Hochschüler und Universitäten

* Doch noch eine Wahl, an der ÖH

Die Innenpolitik fieberte den zwei wahlfreien Jahren 2011 und 2012 entgegen, doch eine Wahl gibt es: Die Studenten wählen im Mai oder im Juni 2011 ihre Vertretung, die Österreichische Hochschülerschaft. Diesmal allerdings ohne das zuletzt heftig umstrittene E-Voting. Die Lage an den Universitäten wird heikel: Im Herbst droht eine Studentenschwemme aus Deutschland, bereits im Frühjahr könnten Zugangsbeschränkungen für überlaufene Fächer durch die Regierung erlaubt werden. Zudem werden die Nachfolger langjähriger Rektoren bestellt, auch die Universitätenkonferenz erhält einen neuen Vorsitzenden.

www.oeh.ac.at

Debatte und Streitgespräch

Dialog

Gerechtigkeit

* Pensionen bleiben Thema

Die Anzahl und die Höhe der auszuzahlenden Pensionen steigen weiterhin an, doch es kommen aus Gründen der Krise und der Demografie weniger Jugendliche nach, die am Arbeitsmarkt integriert sind und daher in den Generationenvertrag einzahlen. Die Pensionen bleiben, nicht nur wegen des hoch aktiven Seniorenrates ein Thema - sie werden auch eines der Europäischen Union: Die Kommission kündigte für 2011 ein Weißbuch über "Sicherheit, Angemessenheit und Nachhaltigkeit der Pensionen" an.

www.seniorenrat.at

Nachhaltigkeit

* Energie sparen, Green Jobs schaffen

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner setzt 2011 einen Schwerpunkt auf Energie: Sie solle effizienter genutzt werden, die Produktion aus erneuerbarer Energie soll steigen, an der Sicherheit der Energieversorgung weiter gearbeitet werden. Nationale Aktionspläne wurden teils vorgelegt, teils für 2011 angekündigt. Diese und umweltfreundliche Techniken sollen rund 100.000 neue Green Jobs schaffen. Die EU präsentiert 2011 eine Energiestrategie und lädt bereis im Februar 2011 zum Energiegipfel nach Brüssel.

www.lebensministerium.at

Gesellschaft

* Was hält uns zusammen?

Die Schule - wie im Bild oben - gilt als letzter Ort, an welchem sich alle Vertreter der unterschiedlichen Schichten einer fragmentierten und segmentierten Gesellschaft treffen. Kulturwissenschafter debattieren die Frage, was denn eine in Interessen und in Individualität zerfallende Gesellschaft noch zusammenhält, insbesondere, wenn ein einigendes Band wie Glaube und Religion unter der Säkularisierung nicht mehr hält. Das Gespräch darüber ist zu führen.

Kunst, Kultur, Kirche

Feuilleton

Europäisches Forum Alpbach

* Nachdenken über Gerechtigkeit

Im Tiroler Bergdorf Alpbach bäckt man bekanntermaßen keine kleinen Brötchen: "Gerechtigkeit - Verantwortung für die Zukunft" lautet das gewohnt breit angelegte Generalthema 2011 (18. 8. bis 3. 9.), das dann wieder auf politische, Wirtschafts-, Reform-, Gesundheits-, Technologiegespräche etc. heruntergebrochen werden wird. Seit letztem Mal neu im Programm: die Finanzmarktgespräche, die sich, so Präsident Erhard Busek, "als attraktiv entpuppt" haben und "nächstes Jahr fortgesetzt" werden sollen.

www.alpbach.org

Bregenzer Festspiele

* Kreativität und Mut

Nach Verdis "Aida" zeigen die Bregenzer Festspiele 2011 (20. 7. bis 21. 8.) Umberto Giordanos Revolutionsoper "André Chénier" als Spiel auf dem See. Der unbeugsame Geist des mutigen Poeten wird unter dem Motto "Schöpfung und Kreativität" subsumiert, ebenso wie "Achterbahn", die Oper im Festspielhaus der schottischen Komponistin Judith Weir: ein modernes Märchen über das schwindelerregende Auf und Ab des Daseins, über Existenzsorgen, Geduld und Durchhaltevermögen.

www.bregenzerfestspiele.com

Personalentscheidungen

* Bischof Kapellari reichte ein

Aus Altersgründen hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Es ist offen, ob und wann es der Papst annimmt. Die Entscheidung über einen Weihbischof für die Diözese Linz ist nicht gefallen. In der evangelischen Kirche A.B. werden 2011 neue Gemeindevertreter gewählt. Dieser Prozess setzt sich fort bis auf synodale Ebene. Die Islamische Glaubensgemeinschaft schließt die Wahlen mit jenen in Wien und Graz im April 2011 ab, im Juni soll der neue Präsident der Muslime in Österreich feststehen.

Betrachtung und vertiefung

Dossier

Europa und sein Euro

* Noch ist die Gefahr nicht vorüber

Der Sprecher der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, blickt sorgenvoll in die weitere Zukunft der gemeinsamen Währung, des Euro. Die Folgen der Finanz- und der Wirtschaftskrise sind noch nicht bewältigt, selbst wenn ein großer Schutzschirm aufgespannt wurde, unter dem erste Länder wie Griechenland und Irland ins Trockene schlüpften. Den EU-Vorsitz haben 2011 zuerst Ungarn und dann Polen. Wichtigste Aufgabe der Präsidentschaft: den Euro stabil zu halten.

http://europa.eu/index_de.htm

Weichenstellungen

* Ereignisse, die die Welt veränderten

Im Jahr 2011 stehen die Jahrestage bedeutsamer Ereignisse auf dem Kalender, welche die Welt veränderten. Vor 25 Jahren kam es zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, welche den Gegnern der Kernkraft politischen Auftrieb verschaffte. Vor zehn Jahren, am 11. September, wurden die verheerenden Anschläge auf das World Trade Center in New York verübt; zugleich begann ein neuer, diesmal vom Westen geführter Krieg in Afghanistan. Das Zeitalter der Bipolarität war zu Ende, jene des Kampfes gegen den Terrorismus begann.

Wie wir leben wollen

* Entschleunigung als Prinzip

Die Frage, wie wir denn leben wollen, beantwortet eine zunehmende Anzahl von Zeitgenossen kurz und pragmatisch: anders. Weniger hektisch, mit weniger Verdichtung und Aufladung des Alltages, etwa durch Technik und Konsum. Initiativen widmen sich der Entschleunigung, Slow Food setzt sich durch. DIE FURCHE wird dem Innehalten und der Besinnung, wie sie auf Tagungen besprochen, gezeigt und gelebt werden, ihren Platz verschaffen: Reportagen sollen Freude darauf machen, Ankündigungen und Tipps die Anregung bieten.

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