Brasiliens "radikaler Neuanfang" mit dem "Trump der Tropen"

Unter dem Boykott der Opposition wurde Dienstag dieser Woche der ultrarechte Ex-Militär Jair Bolsonaro als Präsident Brasiliens vereidigt. Zuvor war der 63-Jährige gemeinsam mit seiner Ehefrau Michelle in einem offenen Rolls-Royce durch die Hauptstadt Brasilia gefahren. Seine Anhänger skandierten dabei Bolsonaros Wahlkampfslogan: "Brasilien über alles, Gott über allen". Bei seiner Vereidigungsrede im Parlament rief Bolsonaro, der als "Trump der Tropen" gilt, zum Kampf gegen Korruption, Kriminalität und "linke Ideologie" auf und kündigte eine radikale Abkehr von der bisherigen Politik an. Er wolle Brasilien aus der "schwersten ethischen und moralischen Krise seiner Geschichte" herausführen, meinte er. Die linke Arbeiterpartei von Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva boykottierte die Vereidigungszeremonie. Dem langjährigen Abgeordneten Bolsonaro war es gelungen, sich im Wahlkampf als sauberer Außenseiter im korruptionsverseuchten Politikbetrieb zu inszenieren. Kritiker sehen in ihm freilich eine Gefahr für die noch junge Demokratie Brasiliens. Der Hauptmann der Reserve hatte sich immer wieder abfällig über Schwarze, Indigene und Homosexuelle geäußert und die Militärdiktatur Brasiliens der Jahre 1964 bis 1985 gelobt. Er hat angekündigt, wie die US-Regierung das Pariser Klimaabkommen aufkündigen zu wollen und den Zugang zu Waffen zu erleichtern. Kritiker befürchten, dass Letzteres die Gewalt nicht eindämmen, sondern verschärfen dürfte. Allein im Vorjahr wurden über 63.000 Menschen in Brasilien ermordet. (APA/dh)

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