Corona-Politik: Nicht nur die Alten gilt es zu schützen!

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Coronabedingt sind deutlich mehr Gruppen verwundbar, als es in der Krisenkommunikation artikuliert wird. Allen voran die Kinder. Aber auch Menschen mit Migrationshintergrund. Über pandemische Parteipolitik, die verantwortungsvolles Handeln blockiert.

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Coronabedingt sind deutlich mehr Gruppen verwundbar, als es in der Krisenkommunikation artikuliert wird. Allen voran die Kinder. Aber auch Menschen mit Migrationshintergrund. Über pandemische Parteipolitik, die verantwortungsvolles Handeln blockiert.

Ein neues Wort hat es auf die Liste der Corona-Metaphern geschafft: Brücke. Der deutsche CDU-Vorsitzende Armin Laschet versucht gerade mit diesem Bild sein Image aufzupolieren. Zweifellos steckt hinter der Idee ein gewieftes PR-Team. Das gegenwärtige Dilemma (zu hohe Infektionszahlen, zu wenig Impfstoff) als zeitliche Lücke, die es zu überbrücken gilt, zu definieren, ist raffiniert: Mit Brücken lassen sich tiefe Täler überwinden - oder die Hindernisse auf dem Weg von A nach B.

Brücken stehen für Zusammenhalt, technisch wie metaphorisch. Schade nur, dass Laschet das Wort Brücke nicht weitergedacht hat. Er hat sie für seinen Bindestrich-Lockdown zweckentfremdet. Der Brücken-Lockdown soll die dritte Welle brechen. Zu mehr taugt die Brücke nicht. Eine Kurzsicht, wie es auch für die österreichische Krisenpolitik symptomatisch ist. Auch hierzulande bedient man sich einer Erzählung, die in der Soziologie als „hegemoniales Narrativ“ bezeichnet wird. Argumentiert wird, dass die Impfung zwar auf sich warten lässt – aufgrund der Basar- Methoden in Brüssel, Astra Zenecas- Rosstäuscherei, des unsolidarischen Verhaltens anderer – aber nur sie den Ausnahmezustand beenden kann. Bis es soweit ist, versucht man sich mit lokalen Teil-Shutdowns und faulen Kompromissen zum Tag X hinüberzuretten.

Dass die Bevölkerung krisenmüde ist, dient indes nur noch als Argument, die Maßnahmen nicht noch mehr zu verschärfen oder zu drehen. Von Kanzler Kurz über die Landesfürst(innen) bis hin zur Opposition wird Parteipolitik (inklusive Lobbyarbeit) betrieben, als gäbe es keine Pandemie. Angefangen von FPÖ-Abgeordneten, die sich weigern eine Maske zu tragen über Doskozils Rundumschläge bis hin zu Mikl-Leitners wirtschaftspolitischem Tunnelblick. Die Causen ÖBAG oder Pilnacek bringen das ÖVP-Patzer-Fass ohnehin zum Überlaufen. Und die Grünen? Sie gehen auf Tauchgang. Es ist das Damoklesschwert eines Koaltionsbruches, das über Wiens Regierungsviertel schwebt und David am Handeln lähmt. Die Menschen im Land haben die Rolle von Zaungästen eingenommen.

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