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Das Alter neu denken: Die 10 Thesen Leopold Stiegers

1945 1960 1980 2000 2020
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Er hat umfangreiche Erfahrung im Personalwesen gesammelt: Leopold Stieger berät jetzt Seniorinnen und Senioren für den "Unruhestand“.

In einem Land wie Österreich ist es schwierig, gegen den Ruhestand und für einen "Unruhestand“ zu argumentieren. Leopold Stieger wagt es dennoch, trotz der widrigen Umstände. Denn in Österreich liege das effektive Pensionsantrittsalter um vier bis sieben Jahre unter dem gesetzlichen; es bestehe eine hohe Anzahl an Frühpensionen; die "Hacklerpension“ und der Slogan "45 Jahre sind genug“ seien gesellschaftlicher Zündstoff und ideologischer Zankapfel; und schließlich gelte der Umstand, "endlich in Pension zu gehen“ mehrheitlich als Ausgleich für jahrzehntelang erduldete Arbeitslast. In diesem Umfeld also "ist es schwer, mit Argumenten pro Unruhestand zu punkten“. Leopold Stieger tut es trotzdem. Er hat im Jahr 1972 die Gesellschaft für Personalentwicklung in Wien gegründet und gilt als Pionier der Personalentwicklung in Österreich. Als Initiator und Sprachrohr der Plattform seniors4success ( www.seniors4success.at, Seminare & Coaching…) formuliert er - wie er es nennt - zehn Thesen zur Botschaft "Altern hat Zukunft“.

Grenzen aufbrechen

These 1: "Unser Bild vom Alter(n) ist falsch!“ Trotz rasch zunehmender Lebenserwartung und eines steigenden Fitnessniveaus der älteren Generationen herrsche noch immer das Klischeebild vom "Großvater“ vor. Besser wäre es, dieser wachsenden Gesellschaftsgruppe die Chance zu geben, gefordert zu bleiben. In den drei Lebensphasen Jugend, Arbeitsphase und "wohlverdienter Ruhestand“ wird diese bisherige dritte Phase immer länger. Stieger: "Unsere Lebenserwartung wächst alle 24 Stunden um sechs Stunden!“ Unser Lebensalter schiebt sich also stetig hinaus und ist eine "tickende Bombe“. Hinsichtlich der Finanzierung der Pensionen und bezüglich des "aktiven Alterns“ sei also ein breit angelegter "Change of mind“ gefordert.

These 2: "Arbeit ist nicht gleich Leid!“ Das "Arbeitsleid“ wurde unter Bundeskanzler Bruno Kreiskys in das Parteiprogramm der SPÖ festgeschrieben - und die Arbeitswelt werde in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer so gesehen.

These 3: "Die Pension ist nicht automatisch der Himmel!“ Wenn man bei Pensionisten tiefer nach der Befindlichkeit frage, ergäben sich oft bedenklich stimmende Antworten, wie etwa: "Eigentlich weiß ich nicht, was ich jetzt tun soll“, "Ich fühle mich nicht gebraucht“ und ähnliches. Der Pensionsschock wird unterschätzt, die betroffenen Personen stellen sich die Frage nach dem Sinn.

These 4: "Alter(n) ist eine Hirnsache!“ Ob man sich alt fühlt beziehungsweise alt ist, entscheide sich "oben im Kopf“. Auch das Alter sei wesentlich mehr als angenommen eine mentale Angelegenheit.

These 5: Diese richtet sich vor allem an die Arbeitgeber und an die Wirtschaft: "Der Mensch hat auch Fähigkeiten, die im Alter wachsen“, Skills also, die sogar mehr werden. An der Spitze der Wachstumswerte der alten Generationen stehe dabei die Fähigkeit, "aus dem Sinn des Lebens handeln können“. Also Erfahrungsschatz statt Karrieredenken.

These 6: "Die Zeit nach der gravierendsten Zäsur im Leben ist eine große Chance, zu planen - und sich darauf vorzubereiten.“ Berufstätige haben zwar oft jahrzehntelang für die Aktivphase geplant, aber nicht für die Zeit danach.

These 7: Diese formuliert Stieger als Mahnung an Politik und Unternehmen: "Frühpensionierung ist Anleitung zum Selbstmord“, warnt er die Entscheider und die Gesellschaft vor der Leere und dem Mangel an Gebrauchtwerden in zu frühem Alter.

These 8: "Den Unternehmen werden bald die Fachkräfte fehlen.“ In manchen Branchen ist das heute schon der Fall. Das bedeutet Wettbewerbsnachteile und teures Rekrutieren von Jungen. Dabei sind die erfahrenen Kräfte ja da. "Wir müssen die alten Bilder wegbringen, die Hard disk löschen.“

These 9: Die wertvollen Humanressourcen nicht zu nützen sei "eine unheimliche Verschwendung von Know-how“. Pensionisten jeglichen Alters verlassen Unternehmen mit einem unwiederbringlichen "Rucksack voller Wissen“. Dieses angesammelte Know-how fehlt den Unternehmen oftmals in der weiteren Betreuung von Kunden, Projekten und Produktionen.

These 10: Die Politik müsse "an einigen Rädern drehen“: Hacklerregelung abschaffen, die Grenze für Zuverdienste im Alter beseitigen, das Pensionsantrittsalter für Frauen anheben. Die Biennalsprünge würden Arbeitnehmer "immer teurer machen und sollten daher entsorgt werden“. Die Verdienstkurven der Kollektivverträge seien abzuflachen: "In den jüngeren Jahren mehr verdienen, und ab einem bestimmten Alter ein Knick statt einer linearen Fortschreibung.“ Die Praxis der Altersteilzeit - zweieinhalb Jahre geblockt arbeiten und anschliessend inaktiv aber gehaltsbeziehend bleiben - sei kontraproduktiv und teuer für die Steuerzahler sowie Unternehmen.

Hinsichtlich der Realisierung seiner Vorschläge gibt sich Stieger skeptisch. Die Pensionsreformpläne der Regierung seien "lahm“, der Mut zu neuen Schritten in Politik und Wirtschaft lasse zu wünschen übrig. Warum? Weil der Druck für Reformen noch nicht hoch genug sei.

Er hat umfangreiche Erfahrung im Personalwesen gesammelt: Leopold Stieger berät jetzt Seniorinnen und Senioren für den "Unruhestand“.

In einem Land wie Österreich ist es schwierig, gegen den Ruhestand und für einen "Unruhestand“ zu argumentieren. Leopold Stieger wagt es dennoch, trotz der widrigen Umstände. Denn in Österreich liege das effektive Pensionsantrittsalter um vier bis sieben Jahre unter dem gesetzlichen; es bestehe eine hohe Anzahl an Frühpensionen; die "Hacklerpension“ und der Slogan "45 Jahre sind genug“ seien gesellschaftlicher Zündstoff und ideologischer Zankapfel; und schließlich gelte der Umstand, "endlich in Pension zu gehen“ mehrheitlich als Ausgleich für jahrzehntelang erduldete Arbeitslast. In diesem Umfeld also "ist es schwer, mit Argumenten pro Unruhestand zu punkten“. Leopold Stieger tut es trotzdem. Er hat im Jahr 1972 die Gesellschaft für Personalentwicklung in Wien gegründet und gilt als Pionier der Personalentwicklung in Österreich. Als Initiator und Sprachrohr der Plattform seniors4success ( www.seniors4success.at, Seminare & Coaching…) formuliert er - wie er es nennt - zehn Thesen zur Botschaft "Altern hat Zukunft“.

Grenzen aufbrechen

These 1: "Unser Bild vom Alter(n) ist falsch!“ Trotz rasch zunehmender Lebenserwartung und eines steigenden Fitnessniveaus der älteren Generationen herrsche noch immer das Klischeebild vom "Großvater“ vor. Besser wäre es, dieser wachsenden Gesellschaftsgruppe die Chance zu geben, gefordert zu bleiben. In den drei Lebensphasen Jugend, Arbeitsphase und "wohlverdienter Ruhestand“ wird diese bisherige dritte Phase immer länger. Stieger: "Unsere Lebenserwartung wächst alle 24 Stunden um sechs Stunden!“ Unser Lebensalter schiebt sich also stetig hinaus und ist eine "tickende Bombe“. Hinsichtlich der Finanzierung der Pensionen und bezüglich des "aktiven Alterns“ sei also ein breit angelegter "Change of mind“ gefordert.

These 2: "Arbeit ist nicht gleich Leid!“ Das "Arbeitsleid“ wurde unter Bundeskanzler Bruno Kreiskys in das Parteiprogramm der SPÖ festgeschrieben - und die Arbeitswelt werde in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer so gesehen.

These 3: "Die Pension ist nicht automatisch der Himmel!“ Wenn man bei Pensionisten tiefer nach der Befindlichkeit frage, ergäben sich oft bedenklich stimmende Antworten, wie etwa: "Eigentlich weiß ich nicht, was ich jetzt tun soll“, "Ich fühle mich nicht gebraucht“ und ähnliches. Der Pensionsschock wird unterschätzt, die betroffenen Personen stellen sich die Frage nach dem Sinn.

These 4: "Alter(n) ist eine Hirnsache!“ Ob man sich alt fühlt beziehungsweise alt ist, entscheide sich "oben im Kopf“. Auch das Alter sei wesentlich mehr als angenommen eine mentale Angelegenheit.

These 5: Diese richtet sich vor allem an die Arbeitgeber und an die Wirtschaft: "Der Mensch hat auch Fähigkeiten, die im Alter wachsen“, Skills also, die sogar mehr werden. An der Spitze der Wachstumswerte der alten Generationen stehe dabei die Fähigkeit, "aus dem Sinn des Lebens handeln können“. Also Erfahrungsschatz statt Karrieredenken.

These 6: "Die Zeit nach der gravierendsten Zäsur im Leben ist eine große Chance, zu planen - und sich darauf vorzubereiten.“ Berufstätige haben zwar oft jahrzehntelang für die Aktivphase geplant, aber nicht für die Zeit danach.

These 7: Diese formuliert Stieger als Mahnung an Politik und Unternehmen: "Frühpensionierung ist Anleitung zum Selbstmord“, warnt er die Entscheider und die Gesellschaft vor der Leere und dem Mangel an Gebrauchtwerden in zu frühem Alter.

These 8: "Den Unternehmen werden bald die Fachkräfte fehlen.“ In manchen Branchen ist das heute schon der Fall. Das bedeutet Wettbewerbsnachteile und teures Rekrutieren von Jungen. Dabei sind die erfahrenen Kräfte ja da. "Wir müssen die alten Bilder wegbringen, die Hard disk löschen.“

These 9: Die wertvollen Humanressourcen nicht zu nützen sei "eine unheimliche Verschwendung von Know-how“. Pensionisten jeglichen Alters verlassen Unternehmen mit einem unwiederbringlichen "Rucksack voller Wissen“. Dieses angesammelte Know-how fehlt den Unternehmen oftmals in der weiteren Betreuung von Kunden, Projekten und Produktionen.

These 10: Die Politik müsse "an einigen Rädern drehen“: Hacklerregelung abschaffen, die Grenze für Zuverdienste im Alter beseitigen, das Pensionsantrittsalter für Frauen anheben. Die Biennalsprünge würden Arbeitnehmer "immer teurer machen und sollten daher entsorgt werden“. Die Verdienstkurven der Kollektivverträge seien abzuflachen: "In den jüngeren Jahren mehr verdienen, und ab einem bestimmten Alter ein Knick statt einer linearen Fortschreibung.“ Die Praxis der Altersteilzeit - zweieinhalb Jahre geblockt arbeiten und anschliessend inaktiv aber gehaltsbeziehend bleiben - sei kontraproduktiv und teuer für die Steuerzahler sowie Unternehmen.

Hinsichtlich der Realisierung seiner Vorschläge gibt sich Stieger skeptisch. Die Pensionsreformpläne der Regierung seien "lahm“, der Mut zu neuen Schritten in Politik und Wirtschaft lasse zu wünschen übrig. Warum? Weil der Druck für Reformen noch nicht hoch genug sei.