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"Klimafreundlicher" Atomstrom?

DISKURS
Kommt ein Grün-Mascherl für Atomenergie in der EU? - Das von der EU-Kommission geplante Grün-Mascherl für Atom- und Gaskraftwerke ist nicht die einzige Widersprüchlichkeit in Europas Energiepolitik – auch Österreich setzt nicht nur auf die Grünstrom-Karte. - © Fotomontage: Rainer Messerklinger (unter Verwendung eines Bildes von iStock/RelaxFoto.de bzw iStock/iMelamory

Das Atom-Ei im Klimaschutz-Nest

1945 1960 1980 2000 2020

Das Grün-Mascherl der EU für Atom- und Gaskraftwerke ist nicht die einzige Widersprüchlichkeit in Europas Energiepolitik – auch Österreich setzt nicht nur auf die Grünstrom-Karte.

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Das Grün-Mascherl der EU für Atom- und Gaskraftwerke ist nicht die einzige Widersprüchlichkeit in Europas Energiepolitik – auch Österreich setzt nicht nur auf die Grünstrom-Karte.

Der EU-Kommission könnte gelingen, woran „Schrödingers Katze“ scheiterte. Im quantenmechanisch gerahmten Gedankenexperiment des österreichischen Physik- Nobelpreisträgers kann eine Katze nicht gleichzeitig lebendig und tot sein. Der am Silvesterabend gezündete und seither die Klimadebatte befeuernde Entwurf zur EU-Taxonomie schafft diesen „Überlagerungszustand“ sehr wohl: Atom- und Gaskraftwerke können gemäß Kommissionsphysik unter bestimmten Bedingungen und „übergangsweise“ schmutzig und sauber zugleich, nicht nachhaltig und trotzdem grün sein. Mithilfe dieser Quantenpolitik werden Gegensätze zwischen den Mitgliedsstaaten als Zwischenzustände taxiert und als „Brückentechnologien“ definiert.

Einig bei Atom, Streit bei Gas

Für die österreichischen EU-Abgeordneten ist dieser Winkelzug „ein Schuss ins Knie“. So groß die politischen Unterschiede ansonsten sind, der Brüsseler „Atomangriff“ (©Kronenzeitung) schmiedet eine Allparteien-Allianz im Europäischen Parlament. Abseits vom Anti-Atomkonsens hören die Gemeinsamkeiten jedoch schnell auf, wie eine Online- Pressekonferenz zeigte: ÖVP-Delegationsleiterin Angelika Winzig hält Brückentechnologien für unerlässlich und sieht im Gas „das kleinere Übel“. Das ist auch die „feste Überzeugung“ von SPÖ- Mandatar Günther Sidl, der Ausbau der erneuerbaren Energie hinkt für ihn den Erfordernissen hinterher. Für den freiheitlichen Abgeordneten Georg Mayer ist es unrealistisch, gegen Atom und Gas zu sein – er fordert mit einem Seitenhieb auf den Grün-Abgeordneten Thomas Waitz, der in der Pressekonferenz erwähnt, dass er in einem mit Biomasse geheizten Haus sitze, „mehr Ehrlichkeit in der Debatte“.

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