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Denkmalpflege - wer zahlt?

Zigtausende Baudenkmäler aller Art schmücken Österreichs Landschaft. Was vor Jahrhunderten mit Liebe zum Detail ambitioniert errichtet worden war, fristet heute oft ein trauriges Dasein. "Die Kulturgüter sind da, aber sie bringen keine Stimmen. Die Politik hat andere Wertigkeiten. Dementsprechend sind die Mittel, die sie zu ihrer Erhaltung zur Verfügung stellt. Andere Länder wären glücklich, das zu haben, was wir besitzen", meint Andreas Bardeau, Erbe von Schloss Kornberg bei Feldbach in der Steiermark. Seine Ausgangsposition ist schwierig: weder Grundbesitz noch Lage optimal, die Größe des Kunstbesitzes nicht bemerkenswert. Bardeau musste kreativ sein, um das Erbe seiner Ahnen so zu nutzen, dass es sich erhalten lässt. Das ehrwürdige Schloss aus dem 13. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz, daher schoss das Bundesdenkmalamt 10-15 Prozent der Kosten zur Sanierung von Fassaden oder Fresken zu und leistete Hilfestellung bei der Restaurierung. Dieser an Auflagen gebundene Betrag ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Alte Bauten haben reizvolle Mauern von enormer Breite, hohe Räume, kunstvolle Fußböden, undichte Fenster, Holzdachstühle und kaum Heizungen. "Wir haben seit zehn Jahren Zentralheizung, davor haben wir täglich zehn Körbe Holz getragen, um unsere Räume zu wärmen. Wenn aber schon der Urgroßvater hier lebte, ist man verpflichtet, das zu erhalten. Auch wenn das mit persönlichen Einschränkungen verbunden ist", erzählt Bardeau. Zwanzig Jahre lang richtete die Familie unentgeltlich stückweise ihr Erbe her. Adel verpflichtet. Unter diesem Titel wurde das Haus geöffnet, wo man nun einen mit Holographien, Objekten, Kinderführungen nach allen Regeln der Ausstellungskunst gestalteten Gang durch die Jahrhunderte und durchs Schloss antreten kann. Fresken, Kronleuchter, Kunstsammlungen, Mobiliar, Wappen, Standarten und andere Gebrauchsgüter der Ahnen erzählen durch acht Räume hindurch Familiengeschichte. Der historische Garten wird gerade renoviert.

Eine Dauerausstellung erhält noch kein Schloss. Über 20 Millionen wurden in 20 Jahren investiert. Etwa eineinhalb davon stammten vom Bundesdenkmalamt, ungefähr das Doppelte vom Revitalisierungsfonds der Steiermark, außerdem gab es EU-Förderungen. "Wir haben eine Plattform von 55 Gemeinden gebildet, wo sich kleinstrukturierte Landwirte austauschen können", erklärt Bardeau. Vermietungen und Verpachtungen sorgen für Einnahmen, die Aktivitäten der Landwirte dafür, dass das Schloss wieder zu einem Zentrum in der Region wurde. Tischler präsentierten hier ihr "Modern Möbel Design", eine Weihnachtsausstellung, Angebote wie "Ritteressen" oder "Hochzeitspackages" bringen Geld. "Ein Schloss ist ohne zusätzliche Einkünfte unmöglich zu erhalten. Es gibt viele Idealisten, die daran scheitern, weil sie niemanden anlocken können", resümmiert Bardeau, der sich bei der "Via Imperialis" und anderen Institutionen für Österreichs Kulturerbe einsetzt.

Ausnahmen sind rar Privatbesitzer, auch Klöster und Stifte, stellt das bauliche Erbe vor große Aufgaben. Die machtvolle feudale Struktur, die die Errichtung der Baudenkmäler ermöglichte, existiert nicht mehr, die Mittel des Bundesdenkmalamtes reichen zur flächendeckenden Sanierung bei weitem nicht. Um die meisten finanziellen Mittel muss sich der Eigentümer selbst kümmern. Ohne innovative Neunutzung, kluges Wirtschaften, das Ausschöpfen verschiedenster Fördertöpfe und ähnliches geht es nicht.

Mehr Privatsponsoren wären nötig, sind aber rar. Der Stephansdom und Mariazell sind Ausnahmen. Ihre nationale Bedeutung lässt viele Spender zu ihrer Erhaltung beitragen. Mehrere Unternehmen und das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten haben mit ihrem Geld ermöglicht, dass in Mariazell das geistliche Haus für Patres, Pilger und Gäste instandgehalten werden konnte. Zu den Renovierungen im Hochaltarbereich trägt jeder einzelne Spender bei. "Was Pilger und die Freunde von Mariazell leisten, ist in Prozenten nicht auszudrücken", ist Doris Feldbacher über jeden Schilling froh. Der Aufruf "Mariazell braucht Ihre Hilfe" findet großes Echo, die Motive zum Spenden sind oft persönlicher Natur. So reiste ein Kriegsheimkehrer aus Russland um seine letzten fünf Schilling zur Magna Mater, um dort für drei Soldaten zu beten. Nach der Wallfahrt traf er in Wien einen alten Bekannten, der ihm Arbeit geben konnte. Er dankte der Muttergottes sein Leben lang mit Wallfahrten und Spenden.

Das Glück, nationales Heiligtum zu sein, haben die wenigsten Baudenkmäler. Sind sie groß genug, kann eine Landesausstellung die Sanierung ermöglichen. So wurde "Zeit : Mythos, Phantom, Realität" in Wels für das dortige Minoritenkloster zur Rettung. Der Zahn der Zeit hatte das um 1280 von den Pollheimern gestiftete Gebäude zum Sanierungsfall gemacht.

Seit der Kapellenweihe um 1171 hatte der Bettelorden Kriege, Brände mehrere Auf-und Umbauten überstanden, das Klosteraufhebungspatent bedeutete 1784 das "Aus" für die Minoriten. Die Feuerwehrzentrale zog ein, 1985 wieder aus.

Und 1990 wurden archäologische Grabungen durchgeführt, 1997 beschloss die Landesregierung die Ausstellung, und damit Revitalitisierung und Neugestaltung. " Das Anliegen, das Kloster zu erhalten war da, die Landesausstellung beschleunigte es. Sie ist an eine Nachnutzung gebunden, die wir gefunden haben. Ein Römermuseum wird eingerichtet, das Kirchenschiff restauriert. Ein Veranstaltungssaal kommt hinein, außerdem Wohnungen. Das brachte uns auch Wohnbauförderungsmittel", freut sich Dr. Reinhard Mattes, der Leiter des Instituts für Kulturförderung über die geglückte Rettung.

"Ora et labora" - nach diesem Leitspruch des Hl. Benedikt von Nursia haben 67 Äbte in Admont mit Mut und Geschick das älteste Stift der Steiermark über 925 Jahre in die Gegenwart geführt. Das Kloster betreut 27 Pfarren, führt ein Gymnasium mit 800 Schülern beiderlei Geschlechts und leitet ein Altenpflegeheim in Frauenberg. Über 1000 Mitarbeiter sind in Forstwirtschaft und holzverarbeitender Industrie, Landwirtschaft und Gärtnerei, Elektrizität und Kultur beschäftigt. "Wir betrachten die Wirtschaft als Mittel zum Leben - als "Lebensmittel" - um Leben in seiner religiösen, geistigen und materiellen Dimension zu fördern", sagt Abt Bruno Hubl. Auch Admont beherbergt momentan eine Millenniumsausstellung: "Zeit und Ewigkeit- Phänomene in Wort und Schrift". Zu sehen sind mittelalterliche Handschriften und Drucke in der Stiftsbibliothek. Ein Laufsteg und Stoffbahnen vor den Fenstern bilden ein begehbares Lesebuch und schlagen behutsam eine Brücke zwischen den historischen Räumen und der Moderne. Die Sanierung des Bibliothekstrakts, des Hochsicherheitsraumes für die wertvollen Handschriften und dem Arbeitsraum für Leser beendet den ersten Bauabschnitts eines großen Umbaus. Unter der Federführung des denkmalerfahrenen Architekten Prof. Manfred Wehdorn, der die Nationalbibliothek nach dem Brand sanierte und mit Manfred Ortner das Wiener Museumsquartier umbaut, wird die Klosteranlage zur Museumslandschaft. Dabei wird auch die ehemalige Pfeilerhalle, ein barocker Pferdestall, freigelegt.

Auf 6.500 Quadratmetern entsteht das zweitgrößte Museum der Steiermark, das Kloster wird zum kulturellen Zentrum. "Seit jeher hat sich in Admont Tradition mit Innovation verbunden. Unser Museumsbau ist Symbol für die benediktinische Weltauffassung, in der sich Glaube, Kunst und Wissenschaft mit Gastfreundschaft verbinden", so Michael Braunsteiner, Kulturmanager des Stifts. Der wertvolle Besitz an 1400 Handschriften, barocken Ornaten und Messgewändern, Kunst aus Vergangenheit und Gegenwart wird im Museum zu sehen sein. 120 Millionen Schilling kostet der Umbau, 20 Mio. fördert das Land, 10,7 Mio. der Bund, die restlichen 87 Mio. muss das Stift erwirtschaften.

Die alte Regel des hl. Benedikt hat ihre Bewährungsprobe in der Gegenwart bisher bravourös gemeistert. Das Stift ist der wichtigste Arbeitgeber der Region, für Umbauten wurden vor allem ortsansässige Betriebe beauftragt. 55.000 Besucher pro Saison kommen derzeit, das neue "Erlebnis-Museum" soll 100.000 Menschen nach Admont locken. Rechnen wird es sich trotzdem nicht. "Wir werden zuschießen müssen, die Eintrittspreise schluckt schon das Personal. Das ist uns die Kultur wert. Wir wollen die Leute einladen, Benediktinisches zu erleben", sagt DI Helmuth Neuner, Wirtschaftsdirektor im Stift. 300 Millionen kostete die Erhaltung des Klosters in den letzten fünf Jahren. "Erst die Wirtschaft ermöglicht die Erfüllung der ursprünglichen Aufgaben. Sie hat eine dienende Funktion." In den 70er Jahren legte man den Grundstein zum Erfolg: man begriff, dass die traditionelle Land-und Forstwirtschaft Admont nicht erhalten konnte. Holz - und Türenindustrie wurden aufgebaut. "Es ging in erster Linie um die Schaffung von Arbeitsplätzen, nicht um Erträge", sagt Neuner. Die Betriebe arbeiten so gut, dass man demnächst 120 Millionen in den Ausbau der Schule investieren kann.

Anlagen wie Stifte oder Schlösser kosten viel, haben aber das Potential, Besucher anzulocken. Braucht selbst ihre Erhaltung viel Engagement und Innovation, ist es noch viel schwieriger, das Bewusstsein für den Wert der alltäglichen Schönheit von Stadeln oder den Reiz historischer Industrieanlagen zu wecken. Die meisten Wirtschaftsgebäude auf dem Land sind aus Holz und werden leicht Opfer des Verfalls. Findet sich weder Nachnutzung, noch Investor, ist ihr Todesurteil besiegelt. Alte Industrieanlagen sind robuster gebaut, in der ursprünglichen Funktion aber nicht mehr brauchbar. Fehlt der politische Wille, ist ein Stück Kulturgut auf immer verloren. In der Steiermark gibt es diesen politischen Willen: der steirische Revitalisierungsfonds unterstützt selbst die Erhaltung kleinster Bauten wie Almhütten, um sie zu retten. "Man muss originalgetreue Materialien verwenden", legt DI Hans Kolb auf sorgfältige Sanierung Wert. Hunderte Ansuchen werden jährlich erledigt, auf innovativen Wegen leistet der Fonds einen sagenhaften Beitrag zur Erhaltung einmaliger Kulturgüter. So konnten die spätgotische Grüne Anger Kirche in Neuberg an der Mürz, die Burgruine Krems in Voitsberg oder ein altes Schulgebäude in Karlsdorf gerettet werden. "Wir haben eine neuartige Nutzung für das Schulhaus gefunden, sie wird in eine Brauerei umgebaut", ist DI Kolb stolz, dass man Leben in das alten Gemäuer bringen kann. In der weitestgehend originalen Instandhaltung natürlich. Damit sie möglich wird, schießt der Fonds bis zu einem Viertel der Kosten zu. So etwas wäre anderen Bundesländern auch zu wünschen.

Zum Dossier Der Ausdruck "Land der Dome" in der Bundeshymne kennzeichnet Österreich als Land mit großer christlicher und kultureller Tradition. Die Zahl erhaltenswerter Baudenkmäler wird auf 60.000 geschätzt, nur ein Drittel davon steht unter Denkmalschutz. Um diese Kulturschätze wirklich zu retten, bedarf es oft größter Anstrengungen und kreativer Besitzer.

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