Niessl - © Foto: APA / Herbert Neubauer
Politik

Der älteste Sport der Welt

1945 1960 1980 2000 2020

Der neue Präsident der Bundes-Sportorganisation heißt Hans Niessl. Seine Wahl ist ein neues Zeichen für ein verpolitisiertes System, in dem der Proporz regiert und die Männer anschaffen.

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Der neue Präsident der Bundes-Sportorganisation heißt Hans Niessl. Seine Wahl ist ein neues Zeichen für ein verpolitisiertes System, in dem der Proporz regiert und die Männer anschaffen.

Österreichs oberster Sportverband „Sport Austria“ hat den ehemaligen Landeshauptmann des Burgenlandes, Hans Niessl (SP), zum Präsidenten „gewählt“. Das ist kein Fehler, es ist ärger: nämlich System. Hans Niessl (68) sitzt vorne auf dem Podium in einem fast leeren Saal der Österreichischen Lotterien und hält einen Vortrag. Ein halbes Jahr nach dem Ende seiner Regierungszeit als Burgenlands Landeshauptmann hat er nichts von seiner Überzeugungskraft eingebüßt. Wie er so als neuer Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO) die Sorgen und Nöte der Verbände und Vereine auf organisatorische und finanzielle Probleme reduziert, verströmt er in seinem fitten und unternehmungslustigen Habitus Optimismus. Er keilt Stimmen, weil Leute wie er immer Zustimmung keilen, dabei ist er doch gerade mit 95 Prozent der Stimmen gewählt worden. Er war der einzige Kandidat.

Politiker können komplexe Gemengelagen auf das von ihnen bewältigbare Ausmaß reduzieren. Niessl behauptet also, er müsse sich um die Steuerbefreiung von Spesenvergütungen für Ehrenamtliche kümmern. Die Sportförderung gehört valorisiert, klar, die tägliche Bewegungseinheit will er in Kindergarten und Schule einführen und sämtliche Sportstätten das ganze Jahr über für alle zugänglich machen. Außerdem das Nationalstadion. Das Land braucht eine Diskussion darüber, unter Niessls Anleitung, nona.
So bramarbasiert er den Katalog der zweitwichtigsten Anliegen herunter. Zur Naturverwüstung durch Liftgesellschaften im Pitztal und Ötztal fällt ihm nichts ein. Zu Doping und sexualisierter Gewalt kein Wort. Zur nichtexistenten Standesvertretung der Sportler und fehlender Absicherung von Profis bei Unfällen, wie der querschnittgelähmte und vom ÖSV im Stich gelassene Skispringer Lukas Müller leidvoll erfahren musste: nada. Computerspiele, E-„Sport“, Verstädterung, Bodenversiegelung, fallende Sportkompetenz der Kinder und fallende Tauglichkeitsraten der Präsenzdiener: nichts.

Der Vertreter und sein System

Niessl ist der perfekte Vertreter eines Systems, der den Reformer drauf hat wie eine zweite Haut. Als sein Parteikollege Rudolf Hundstorfer vor wenigen Wochen starb, musste rasch ein geeigneter Nachfolger gefunden werden. Das verfügbare ­Sample war begrenzt. Der Präsident der BSO, die im Neusprech „Sport Austria“ heißt, sollte Politiker sein, eine Verbindung zum Sport wäre nicht schlecht, und er muss Mann und Sozialdemokrat sein.