Der Eurofighter: Logenplätze für 36 Jet-Piloten

Auf einem "Logenplatz im europäischen Himmel" werden die österreichischen Eurofighter-Piloten, laut Luftfahrtsjournalist Georg Mader im dieswöchigen profil,bald schon sitzen. Damit ist auch klar gesagt, dass die Bundesregierung mit der Entscheidung für den Eurofighter Typhoon zur teuersten Variante unter den drei zur Ausschreibung zugelassenen Anbietern für die Draken-Nachfolge gegriffen hat. Denn "Loge" kostet nun einmal mehr als "Rang", von den Stehplätzen ganz zu schweigen.

Laut Ministerratsvortrag werden die geplanten 24 neuen Abfangjäger 1,791 Milliarden Euro kosten. Zum besseren Vergleich: Das sind um über 100 Millionen Euro mehr als 2001 für die gesamte Landesverteidigung ausgegeben wurde. Oder anders gesagt: Der Preis für den Typhoon ist dreimal so hoch wie das Kunst- und Kulturbudget der Republik und entspricht in etwa den Ausgaben, die Österreich pro Jahr im Ressort Land- und Forstwirtschaft tätigt.

Der Eurofighter ist ein von vier Staaten - Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien - getragenes Programm. Diese Länder und die am Programm beteiligten Rüstungskonzerne haben sich die Produktion genau nach den Anteilen an den bisher bestellten 620 Jets aufgeteilt. Die Briten haben 232 Stück bestellt. Sie zeichnen daher auch für das Cockpit, die Nase des Flugzeugs sowie das Seitenleitwerk verantwortlich. Die deutsche EADS (Deutschland: 180 Bestellungen) baut im wesentlichen den Rumpf. Die italienische Alenia (Italien: 121 Bestellungen) zeichnet für den linken Flügel verantwortlich. Den kleinsten Anteil hat die spanische EADS Casa (Spanien: 87 Bestellungen). Sie baut deshalb nur am rechten Flügel mit. Zusammengebaut werden die Jets in den jeweiligen Abnahmeländern. Die einzelnen Bestandteile werden dazu von den Erzeugern an die Partnerfirmen geliefert. Die für Österreich bestimmten Jets sollen in Deutschland montiert werden.

Wiederholt waren im Vorfeld der österreichischen Typenentscheidung Bedenken laut geworden, ob man nicht zu frühzeitig in das Programm einsteige und daher riskiere, ein Flugzeug mit "Kinderkrankheiten" einzukaufen. DennÖsterreich ist der erste Exportkunde des Typhoon.

Die ersten Eurofighter sollen bereits im kommenden Jahr in Österreich landen. Dabei würde es sich um gemietete Maschinen als "Einstiegspaket" handeln, die dem Bundesheer den Übergang erleichtern sollen. Die ersten eigenen Jets sollen spätestens Mitte 2005 ausgeliefert werden. Mitte 2007, heißt es, würden dann alle 24 Jets für die Luftraumüberwachung im Einsatz stehen. Bis dahin ist noch genug Zeit, um zu erklären, warum man ein paar Dutzend Jetpiloten die Loge gönnt, während viele im Land um einen Stehplatz raufen müssen. WM

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