Österreich Republik

Die 70 Jahre der II. Republik

1945 1960 1980 2000 2020

Unser lethargisches Land eignet sich trefflich als Adressat des Feuilletons, denn es schlägt nicht zurück, lässt sich geduldig alles hineinsagen. Das ist seit 1945 seine Stärke, für die so mancher Österreich-Fan eine Schwäche hat.

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Unser lethargisches Land eignet sich trefflich als Adressat des Feuilletons, denn es schlägt nicht zurück, lässt sich geduldig alles hineinsagen. Das ist seit 1945 seine Stärke, für die so mancher Österreich-Fan eine Schwäche hat.

Gewitzte Geister fühlen sich seit jeher berufen, den Österreichern gute Ratschläge zu geben, so in der Art: Sie sollten doch bitteschön stolzer auf ihr Land sein, oder sich gefälligst dafür schämen, sollten mehr Selbstbewusstsein entwickeln, oder nicht so tun, als ob sie alleine auf der Welt wären, oder Gott, ist das fad!

Frei nach Karl Kraus seien zunächst einmal zwei österreichische Archetypen, der Optimist und der Nörgler, auf die Bühne gebeten, zufällig beide 1938 geboren, und bei Gründung der Zweiten Republik im soliden Kindesalter, knapp vor der Trotzphase. Beide Herren sind demnach im Jahr 2014 in ihrem 77. Lebensjahr und zählen seit vielen Dezennien zur intellektuellen Elite des Landes.

Der eine, einst wichtiger Politiker und noch heute ein einflussreicher Mann, hielt unlängst bei einer Geburtstagsfeier eine resümierende Rede über die letzten Jahrzehnte, deren hintergründige Botschaft zu sein schien, dass in Sonderheit er und seine Leute diese Republik so wunderbar gemacht haben, wie sie heute ist. Als ich ihm danach sagte, dass mir das ein bisschen zu eindimensional und weichgezeichnet daherkommt, verstand er nicht, was ich damit meinte. Ich entwickelte Gewissensbisse: Ist doch alles nicht so arg, wie man gemeinhin sagt?

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