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Die Energiewende ist überfällig

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Die Mühsal der Delegierten wird erheblich sein, der Langmut der Weltöffentlichkeit wird einer erheblichen Belastungsprobe ausgesetzt werden: Erraten, in wenigen Tagen - am 28. November - beginnt die nächste UNO-Klimakonferenz. Das Projekt, die Erderwärmung einzuschränken und eine Energiewende einzuleiten, ist dennoch alternativlos, wie es heute gelegentlich heißt. Und zwar auch dann, wenn das am 9. Dezember vorliegende Ergebnis der nach ihrem südafrikanischen Austragungsort Durban benannten 17. UNO-Klimakonferenz unter den Erwartungen der Realisten bleiben sollte. Einige von ihnen haben jetzt schon Recht.

Die Verschwendung ist sichtbar

Entgegen mancher Abwiegler ist die Erwärmung der Atmosphäre ein Faktum. Ebenso der Umstand, dass zu viel an Energie verbraucht wird. Übrigens auch dafür, sie zu transportieren. Die Verschwendung ist augenscheinlich, selbst für Stadtbewohner mit freiem Auge am Beispiel des Verkehrs zu erkennen: Mit tonnenschweren und übermäßig motorisierten Fahrzeugen in europäische Innenstädte zu pendeln, ist wegen des niedrigen Wirkungsgrades von Verbrennungsmotoren unökonomisch und wegen der Abgase, des Lärms und des Platzverbrauches unökologisch - also unethisch. Punktum.

Ähnliches ließe sich an den Beispielen Beheizung von Häusern und Beleuchtung von Städten finden, aber sei es drum: Umweltminister Niki Berlakovich und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sind nahezu unermüdlich darin, sparsamen und wirksamen Einsatz von Energie teils zu argumentieren, teils aus öffentlichen Mitteln zu fördern. Dies und der politisch forcierte Einsatz erneuerbarer Energie reichen - unangenehm genug - nicht aus, um Österreich die vereinbarten Klimaziele erreichen zu lassen. In der Gesamtbilanz - an der ausländische Tanktouristen beteiligt sind - des errechneten Ausstosses an Kohlendioxid liegt Österreich über seiner Verpflichtung. Als in dieser Hinsicht beispielgebende Nation reisen unsere Vertreter nicht nach Südafrika, trotz einiger beachtlicher Innovationen und Erfolge hinsichtlich Energieeffizienz und alternativer Energien. Die große Welt hält ihre Probe ohnedies andernorts.

Worin diese besteht, schildert etwa der Publizist Hans Kronberger. Er argumentiert schlüssig für den vollständigen Ersatz fossiler und atomarer Energienutzung. Wie die Klimaschützer ist auch er dafür, das Karbonzeitalter - als jenes des Verbrauches von Kohle, nicht jenes ihrer Entstehung - abzuschließen. Sämtliche Lebensbereiche sind, schreibt Kronberger, mit Energieversorgung durchdrungen. Das stimmt. Das hat nicht nur mit Digitalisierung, Computern und Internet zu tun, wofür zusätzliche Kraftwerke erforderlich sind, sondern auch mit der grundsätzlichen Frage nach Gerechtigkeit in den Lebenschancen für alle Menschen: Ohne Energie gibt es kein Licht in Afrikas Hütten, damit Frauen und Kinder abends lesen und lernen können, ohne Energie gibt es kein sauberes Wasser und keine Hygiene, die Voraussetzungen jeglichen Überlebens.

Eine Frage globaler Gerechtigkeit

Die Klimafrage ist eine Energiefrage - und diese wiederum eine der globalen Ordnung. Genau diese befindet sich in Schieflage - insbesondere seit den Zeiten des Kolonialismus und der weiteren Ausbeutung der davon betroffenen Länder. Weiterhin werden dort Rohstoffe abgebaut, woraus ihre natürlicher Besitzer lediglich den geringsten Vorteil ziehen. Und längst hat in diesen Ländern, vornehmlich Afrikas, der Aufkauf großer Flächen, etwa durch China, begonnen. Genau darin liegt des Pudels Kern, oder, um Kronberger zu zitieren: "Der Gedanke, die alten Kolonialländer weiter als Vorratskammer für den Wohlstand der Industrienationen auszunutzen, muss überwunden werden.“ Die Abkehr vom Verbrennen von Kohle und Öl sowie die Energiewende zu neuen Formen, etwa Solarenergie, ist die Basis dafür.