Die schwarzen Mander

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Am 7. März 1999 wird ein neuer Tiroler Landtag gewählt. Eine Stabilisierung der VP-Macht zeichnet sich ab, die Liberalen könnten das Zünglein an der Waage sein.

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Am 7. März 1999 wird ein neuer Tiroler Landtag gewählt. Eine Stabilisierung der VP-Macht zeichnet sich ab, die Liberalen könnten das Zünglein an der Waage sein.

In einem sind sich die beiden - in allen anderen Belangen meilenweit voneinander entfernten - Tiroler Landespolitiker Herbert Prock (SP) und Franz Linser (FP) einig: Bei jeder Gelegenheit kündigen der rote Landeshauptmann-Stellvertreter und der blaue Europaparlaments-Abgeordnete an, daß nach der Landtagswahl am 7. März nächsten Jahres "kein Stein auf dem anderen" bleiben werde. Beide Parteiführer glauben felsenfest daran, den amtierenden Landeshauptmann Wendelin Weingartner (VP) durch überwältigenden Wahlerfolg der eigenen Partei vom Thron stürzen zu können. Weil jedoch die journalistische Erfahrung lehrt, daß angesagte Revolutionen nicht stattfinden, kann man schon heute mit einiger Sicherheit behaupten, daß die ÖVP auch den nächsten Landeshauptmann stellen und dieser Weingartner heißen wird.

Diese Prognose wird auch durch die unlängst erfolgte Verfassungsänderung nicht in Frage gestellt. Die neue Tiroler Landesregierung wird nämlich aus einer Koalition bestehen, weil der Landtag das bisherige Konzentrationsmodell (Proporzsystem: alle im Landtag vertretenen Parteien sind ab einer bestimmten Mindestgröße in der Landesregierung vertreten, Anm.) ins Ausgedinge geschickt hat. Und auch die Mitglieder dieser Koalition kann man mit ziemlich großer Sicherheit schon heute voraussagen: sie werden ÖVP und SPÖ heißen. Diese beiden Parteien haben nämlich gemeinsam die Änderungen in der Verfassung vorbereitet und sie auch gemeinsam beschlossen. Und daß sich ÖVP oder SPÖ für die Freiheitlichen als Regierungspartner erwärmen können, ist nicht erst seit der Machtübernahme durch den optisch zwar attraktiven, politisch jedoch eher hilflosen FP-Obmann Franz Linser höchst unwahrscheinlich; SP-Chef Prock hat die Freiheitlichen als Regierungspartner bereits dezidiert ausgeschlossen. So kann Wendelin Weingartner mit seinem medienerprobten Geschäftsführer Helmut Krieghofer beruhigt dem bevorstehenden Wahlkampf entgegenblicken. Denn je näher der Wahltermin rückt, desto weniger werden seine ernstzunehmenden Gegner.

Die grüne Parteiobfrau Eva Lichtenberger hat ihren Wechsel in die Bundespolitik bereits bekanntgegeben. Sie wird als Spitzenkandidatin der Landesliste bei den Nationalratswahlen um das Wiedererringen des Direktmandates in Tirol kämpfen. An ihre Stelle als Fähnleinführer bei den Landtagswahlen ist Klubobmann Georg Willi getreten, der wohl noch eine Weile brauchen wird, um Lichtenbergers Popularitätswerte zu erreichen.

Von Innsbruck nach Wien und umgekehrt Einen Hang zur Bundespolitik kann auch SP-Chef Herbert Prock nicht völlig abstreiten, der nicht müde wird zu betonen, wie gut Freund er mit Parteigrößen wie Viktor Klima, Caspar Einem und Andreas Rudas sei. Diese persönliche Nähe zu den führenden Köpfen seiner Partei hat dem ehemaligen Schauspieler und Radio-Moderator nicht nur einmal recht unangenehme Spekulationen über die mögliche Übernahme eines Ministeramtes (Kulturressort) eingebracht. Alle Dementis konnten bis dato die diesbezüglich kursierenden Gerüchte nicht aus der Welt schaffen. Dieses Meinungsklima beschert dem wahlkämpfenden Flinserlträger ein nicht unwesentliches Problem. Denn wer wählt schon gerne einen Kandidaten, der nach der Wahl ohnehin "nach Wien" geht? Da können dem Chef des Sozialressorts auch Umfragen parteinaher Institute nicht helfen, die den Sozialdemokraten in Tirol am 7. März 1999 einen Wähleranteil von sagenhaften 28 Prozent prophezeien.

Daß FP-Chef Franz Linser ein ernstzunehmender Herausforderer Wendelin Weingartners sein wird, glaubt offensichtlich nicht einmal dessen "Erfinder", Jörg Haider. Sonst hätte er ihm nicht für den Wahlkampf die geschäftsführende Parteiobfrau Susanne Riess-Passer als Listenzweite zur Seite gestellt. Politische Beobachter werten diesen Schachzug Haiders als Hinweis darauf, daß selbst der Bärentaler schon gemerkt hat, daß in Tirol mit dem ehemaligen Masseur der Skinationalmannschaft keine Blumentöpfe zu gewinnen sind. Umfrageergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Denen zufolge grundeln die Freiheitlichen in Tirol irgendwo bei einem Wähleranteil von zwölf Prozent herum. Und niemand kann behaupten, daß das die Folge von Herrn Rosenstingls Malversationen in Niederösterreich ist.

Bleibt als einziger Unsicherheits-Faktor das Abschneiden des Liberalen Forums. Um ihre Partei in eine erfolgreiche Wahlauseinandersetzung führen zu können, hat Landesobfrau Maria Schaffenrath die Spitzenkandidatur übernommen, obwohl sie dadurch das Risiko trägt, nach der Wahl am 7. März weder über ein Landtags- noch über ein Nationalratsmandat zu verfügen. Aus heutiger Sicht werden die Liberalen am Wahlsonntag das Zünglein an der Waage sein. Denn wenn sie ins Landesparlament einziehen, ist es mit der absoluten Mandatsmehrheit der ÖVP wohl für alle Zeiten vorbei. Sollte das nicht gelingen, werden die "schwarzen Mander" wahrscheinlich auch nach den Iden des März so gut wie uneingeschränkt das Sagen haben.

Der Autor ist Tirol-Korrespondent der "Presse".

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