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Die vielsagende Zurückhaltung der Männer

Die besonders ernüchternde Bilanz zum Frauentag macht deutlich: Es müssten neue Wege angedacht werden, etwa ein intensiverer Dialog mit Männern, wie die Frauenministerin erkennt.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek wollte es genau wissen und sie ließ nicht locker: Wie haltet es ihr Männer mit der unbezahlten Arbeit – sprich mit Bügeln, Kochen, Putzen und mit der Kinderbetreuung? Herrscht Halbe-Halbe oder sind diese Tätigkeiten immer noch fest in Frauenhand wie eh und je?

Mutig stellten sich am vergangenen Montag, dem Frauentag, einige Mitarbeiter des Energiekonzerns OMV einem Gespräch mit der SP-Frauenministerin genau zu diesen Fragen. Man muss den Männern, teils Führungskräfte der OMV, zugestehen, dass sie sich freiwillig der Diskussion unter medialer Beobachtung gestellt haben, und man kann annehmen, dass auch in anderen Unternehmen und Männergruppen das Ergebnis der Diskussion ähnlich ausgefallen wäre – denn das Ergebnis war für die Ministerin ernüchternd: Die Männer wollten lieber über die Sorgen ihrer Kolleginnen über Karenz und Karriere sprechen als über ihre Beteiligung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Da musste Heinisch-Hosek schon auf Kompetenzen ihres Stammberufs einer Lehrerin zurückgreifen und hartnäckig mit konkreten Fragen nachhaken: „Wer bügelt denn von Ihnen?“ Nur ein Mann hob mutig die Hand: Er habe Maßhemden, die lasse er seine Frau nicht bügeln, sagte er stolz. Ein anderer Mann wurde ein wenig offener und berichtete von seiner familiären Situation: Seine Frau sei zu Hause bei den vier Kindern, das jüngste ist sechs Monate alt. „Sie hat einen 24-Stunden-Job und meine volle Anerkennung“, sagte er und erzählte: Er macht freitags den Großeinkauf, richtet in der Früh die Jause für die Kinder und bringt sie dann in die Schule, den Rest macht seine Frau – die Familienmanagerin, die diese enorme „logistische Herausforderung“ bestens meistert. „Sie weiß, dass ich einen verantwortungsvollen Job habe und auch dort meinen Mann stehen muss.“ Die Arbeit, die Frauen zu Hause leisten würden, sei kaum zu ersetzen und sollte vom Staat mehr honoriert werden.

Heinisch-Hosek widersprach resolut: Sie wolle sich zwar nicht in Lebensentwürfe einmischen, aber sie sehe nicht ein, warum das Daheimbleiben der Frauen honoriert werden soll. „Ihre Frau verzichtet vielleicht wegen Ihnen auf ihren Job.“ Und sie fügte freundlich hinzu: „Gratulation zu Ihren vier Kindern, alle Achtung, das ist wirklich eine logistische Herausforderung.“

Freiwilliger Verzicht?

Doch trotz Nachfragens kamen kaum Wortspenden, und so meinte die Ministerin allmählich etwas bedrückt: Sie müsse annehmen, dass die Männer zu Hause kaum etwas mithelfen. Dennoch resümierte sie konstruktiv: „Ich habe gelernt, dass mein Dialog mit Männer intensiviert gehört.“

Nicht nur das Gespräch mit den eher wortkargen Männern in der OMV-Zentrale in Wien legte der Ministerin diesen Schluss nahe. Auch der aktuelle Frauenbericht ist die in Statistiken gegossene Zurückhaltung der Männer: Immer noch werden zwei Drittel der unbezahlten Arbeit im Haushalt und mit den Kindern von Frauen erledigt, innerhalb von 17 Jahren haben Männer nur drei Prozentpunkte aufgeholt (von 31 auf 34 Prozent). Das sind erste niederschmetternde Ergebnisse des Frauenberichts 2010, der im Sommer in Gesamtfassung publiziert werden soll. Den letzten derartigen Bericht gab es 1995.

Und das, obwohl noch nie so viele Frauen berufstätig und noch dazu gut ausgebildet waren als 2010: Lag 1991 die Frauenerwerbsquote bei 62,7 Prozent, so kletterte sie bis zum Jahr 2008 auf 68,6. Hatten 2008 13,8 Prozent der Frauen eine universitäre Ausbildung, so waren es 17 Jahre davor nur sechs Prozent. Die Männer lagen 2008 bei 12,8 Prozent. Dennoch ging die Einkommensschere im Vergleich zu 1998 weiter auf. Kurz: Die Frauen haben eine enorme Doppelbelastung, und sie bekommen zu wenig Unterstützung von den Männern.

Der Ministerin blieb bei diesen Ergebnissen nichts anderes übrig, als noch vehementer die Einkommenstransparenz in Betrieben, die Einführung von Quoten in Führungsgremien und den weiteren Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen zu fordern. Mit Freiwilligkeit und Fördermaßnahmen gehe es nicht mehr. Für Quoten sind die Grünen seit jeher, mittlerweile auch die ÖVP. Doch wie bekommt „frau“ die Männer dazu, dass sie sich endlich mehr in Haushalt und bei der Kinderbetreuung einbinden? Hier herrscht bei allen Beteiligten eine gewisse Ratlosigkeit. Die Regierung setzt auf die Wirkung des einkommensabhängigen Kindergeldes. Der Dammbruch wird es nicht sein.

Einen grundlegenden Lösungsansatz legte Frauenministerin Heinisch-Hosek bei der Diskussion mit den Männern dar: Es müsse eine Diskussion über Rollenbilder und Lebensentwürfe der Männer in Gang kommen. „Gemeinsam mit solidarischen Männern können wir etwas verändern,“ so die Ministerin.

Und hoffentlich erkennen immer mehr Männer den Sinn, warum sie darüber nachdenken sollten, und quittieren das Drängen der Frauen auf Antworten nicht mit einer irritierenden Zurückhaltung.

* Eine Analyse von Regine Bogensberger

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