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Politik

Dschungel-Prinzessin im brasilianischen Märchen

1945 1960 1980 2000 2020
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Vor 40 Jahren wusch Marina Silva als Hausangestellte das Geschirr von feinen Herrschaften in der Dschungelstadt Rio Branco. Heute kandidiert sie für das höchste Amt im Staat und hat gute Chancen, Brasiliens nächste Präsidentin zu werden. Am 5. Oktober wählt der 200 Millionen-Staat ein Staatsoberhaupt, und aktuelle Umfragen sehen die Umweltschützerin aus dem Amazonas gleichauf mit Amtsinhaberin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei. Bei einer Stichwahl zwischen den beiden könnte Herausforderin Silva die derzeitige Präsidentin um bis zu 10 Prozentpunkte schlagen. Und das, obwohl Silva erst seit zwei Wochen für das Amt der Präsidentin kandidiert. Ihr märchenhafter Aufstieg begann jedoch schon viel früher: Als zweites von insgesamt elf Kindern wuchs sie im tiefen Regenwald in einer Familie auf, die davon lebte, Kautschuk zu zapfen. Als sie, um Geld zu verdienen mit 16 in die Stadt ging, konnte sie weder lesen noch schreiben. Ein Alphabetisierungskurs neben ihrer Arbeit als Zimmermädchen machte den Anfang, innerhalb weniger Jahre schloss sie ein Geschichte-Studium ab und wurde zu einer der prominentesten Vorkämpferin für den Schutz des Regenwaldes. Mit 36 Jahren war sie die jüngste Senatorin in der Geschichte Brasiliens und machte in eben jener Arbeiterpartei, die sie jetzt herausfordert, Karriere bis zur Umweltministerin. Der britische Guardian wählte sie deshalb zu einem der 50 Menschen, die den Planeten retten können. Weil sie als Ministerin unter Präsident Lulu ihre Umweltziele aber nicht ausreichend durchsetzen konnte, trat sie 2008 zurück. Sie schloss sich daraufhin der Grünen Partei an und kandidierte bei der letzten Wahl vor vier Jahren schon einmal für das Präsidentenamt. Damals galt das als aussichtslos, überraschend wurde sie aber Dritte. In der Hauptstadt Brasília erreichte sie sogar 42 Prozent der Stimmen. Letztes Jahr trat Silva bei den Grünen aus und gründete ihre eigene Partei, das Nachhaltigkeits-Netzwerk. Weil es aber zu klein ist, um bei der Präsidentenwahl teilzunehmen, schloss sie eine Allianz mit der sozialistischen Partei und kandidierte als Vize gemeinsam mit Eduardo Campo. Der verunglückte aber vor drei Wochen bei einem Flugzeugabsturz. Nun springt die Regenwald-Retterin ein, selbst nicht Mitglied der sozialistischen Partei, aber jetzt deren Spitzenkandidatin und vielleicht schon bald das Staatsoberhaupt Brasiliens. Das amerikanische Märchen könnte ab Oktober in der brasilianischen Übersetzung heißen: Von der Tellerwäscherin zur Präsidentin.

Vor 40 Jahren wusch Marina Silva als Hausangestellte das Geschirr von feinen Herrschaften in der Dschungelstadt Rio Branco. Heute kandidiert sie für das höchste Amt im Staat und hat gute Chancen, Brasiliens nächste Präsidentin zu werden. Am 5. Oktober wählt der 200 Millionen-Staat ein Staatsoberhaupt, und aktuelle Umfragen sehen die Umweltschützerin aus dem Amazonas gleichauf mit Amtsinhaberin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei. Bei einer Stichwahl zwischen den beiden könnte Herausforderin Silva die derzeitige Präsidentin um bis zu 10 Prozentpunkte schlagen. Und das, obwohl Silva erst seit zwei Wochen für das Amt der Präsidentin kandidiert. Ihr märchenhafter Aufstieg begann jedoch schon viel früher: Als zweites von insgesamt elf Kindern wuchs sie im tiefen Regenwald in einer Familie auf, die davon lebte, Kautschuk zu zapfen. Als sie, um Geld zu verdienen mit 16 in die Stadt ging, konnte sie weder lesen noch schreiben. Ein Alphabetisierungskurs neben ihrer Arbeit als Zimmermädchen machte den Anfang, innerhalb weniger Jahre schloss sie ein Geschichte-Studium ab und wurde zu einer der prominentesten Vorkämpferin für den Schutz des Regenwaldes. Mit 36 Jahren war sie die jüngste Senatorin in der Geschichte Brasiliens und machte in eben jener Arbeiterpartei, die sie jetzt herausfordert, Karriere bis zur Umweltministerin. Der britische Guardian wählte sie deshalb zu einem der 50 Menschen, die den Planeten retten können. Weil sie als Ministerin unter Präsident Lulu ihre Umweltziele aber nicht ausreichend durchsetzen konnte, trat sie 2008 zurück. Sie schloss sich daraufhin der Grünen Partei an und kandidierte bei der letzten Wahl vor vier Jahren schon einmal für das Präsidentenamt. Damals galt das als aussichtslos, überraschend wurde sie aber Dritte. In der Hauptstadt Brasília erreichte sie sogar 42 Prozent der Stimmen. Letztes Jahr trat Silva bei den Grünen aus und gründete ihre eigene Partei, das Nachhaltigkeits-Netzwerk. Weil es aber zu klein ist, um bei der Präsidentenwahl teilzunehmen, schloss sie eine Allianz mit der sozialistischen Partei und kandidierte als Vize gemeinsam mit Eduardo Campo. Der verunglückte aber vor drei Wochen bei einem Flugzeugabsturz. Nun springt die Regenwald-Retterin ein, selbst nicht Mitglied der sozialistischen Partei, aber jetzt deren Spitzenkandidatin und vielleicht schon bald das Staatsoberhaupt Brasiliens. Das amerikanische Märchen könnte ab Oktober in der brasilianischen Übersetzung heißen: Von der Tellerwäscherin zur Präsidentin.