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Politik

Ein Bildungsbürger und streitbarer Konservativer

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Sein Kürzel war eine trademark des Qualitätsjournalismus: t. c., das war zu seiner Zeit so etwas wie der Inbegriff bürgerlich-konservativer Gesinnung in der österreichischen Medienlandschaft. Und es stand natürlich für jene Zeitung, für die er mehr als sechzig Jahre lang schrieb und die er von 1976 bis 1995 als Chefredakteur leitete und prägte: die Presse.

Wenn die Rede vom "streitbaren Konservativen" auf jemanden passt, dann auf Thomas Chorherr. Denn er hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, formulierte pointiert und treffsicher, machte ein Blatt mit Ecken und Kanten. Und noch einen Begriff verkörperte er ex mplarisch: den des Bildungsbürgers, welchen er - anders als der Zeitgeist es haben will - als Ehrentitel empfand. Umfassend humanistisch gebildet und belesen war er ohne Zweifel - und ein Bürger(licher) vom Scheitel bis zur Sohle. Fremd war ihm indes das oft gerade Konservativen anhaftende Griesgrämige, Mieselsüchtige. In jeder Würdigung stand es zu lesen, alle, die ihn persönlich kannten, wussten davon zu berichten: von seinem Humor, seiner nachgerade barocken Lebensfreude, seinem legendären schallenden Lachen.

Diese nicht zuletzt aus seinem Glauben gespeisten Eigenschaften hat er sich auch nach seinem schweren Schlaganfall bewahrt, der ihn mit knapp 61 ereilte und sein Leben von heute auf morgen völlig verändern sollte. Ohne diese Haltungen - und ohne die Unterstützung seiner Frau - hätte er wohl kaum noch ein Vierteljahrhundert am öffentlichen Leben mit Neugier und Interesse teilnehmen und publizistisch (für die Presse wie als Buchautor) tätig sein können. Auch die FURCHE wusste Chorherr unter ihren Lesern - und von Zeit zu Zeit rief er bei uns in der Redaktion an, um Lob oder auch Kritik vorzubringen, immer aber verbunden mit dem Ausdruck von Wertschätzung für unsere Zeitung. Zu seinen Weggefährten gehörte auch unser ehemaliger Chefredakteur (1978-1984) und "ewiger" Kolumnist Hubert Feichtlbauer ( 2017), wie Chorherr Jahrgang 1932. Die beiden waren gewiss in so manchem unterschiedlicher Meinung, aber einander in Respekt und persönlicher Freundschaft verbunden. Oft sah man sie beim FURCHE-Heurigen, zu dessen Stammgästen Chorherr zählte (Feichtlbauer sowieso), an einem Tisch, bei G'spritztem und Liptauerbrot in bester Laune.

Am Requiem für Hubert Feichtlbauer im Oktober letzten Jahres nahm Chorherr, selbst schon gezeichnet, noch teil. Nun sitzen sie hoffentlich wieder nebeneinander am Heurigenbankerl und stoßen an.

Sein Kürzel war eine trademark des Qualitätsjournalismus: t. c., das war zu seiner Zeit so etwas wie der Inbegriff bürgerlich-konservativer Gesinnung in der österreichischen Medienlandschaft. Und es stand natürlich für jene Zeitung, für die er mehr als sechzig Jahre lang schrieb und die er von 1976 bis 1995 als Chefredakteur leitete und prägte: die Presse.

Wenn die Rede vom "streitbaren Konservativen" auf jemanden passt, dann auf Thomas Chorherr. Denn er hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, formulierte pointiert und treffsicher, machte ein Blatt mit Ecken und Kanten. Und noch einen Begriff verkörperte er ex mplarisch: den des Bildungsbürgers, welchen er - anders als der Zeitgeist es haben will - als Ehrentitel empfand. Umfassend humanistisch gebildet und belesen war er ohne Zweifel - und ein Bürger(licher) vom Scheitel bis zur Sohle. Fremd war ihm indes das oft gerade Konservativen anhaftende Griesgrämige, Mieselsüchtige. In jeder Würdigung stand es zu lesen, alle, die ihn persönlich kannten, wussten davon zu berichten: von seinem Humor, seiner nachgerade barocken Lebensfreude, seinem legendären schallenden Lachen.

Diese nicht zuletzt aus seinem Glauben gespeisten Eigenschaften hat er sich auch nach seinem schweren Schlaganfall bewahrt, der ihn mit knapp 61 ereilte und sein Leben von heute auf morgen völlig verändern sollte. Ohne diese Haltungen - und ohne die Unterstützung seiner Frau - hätte er wohl kaum noch ein Vierteljahrhundert am öffentlichen Leben mit Neugier und Interesse teilnehmen und publizistisch (für die Presse wie als Buchautor) tätig sein können. Auch die FURCHE wusste Chorherr unter ihren Lesern - und von Zeit zu Zeit rief er bei uns in der Redaktion an, um Lob oder auch Kritik vorzubringen, immer aber verbunden mit dem Ausdruck von Wertschätzung für unsere Zeitung. Zu seinen Weggefährten gehörte auch unser ehemaliger Chefredakteur (1978-1984) und "ewiger" Kolumnist Hubert Feichtlbauer ( 2017), wie Chorherr Jahrgang 1932. Die beiden waren gewiss in so manchem unterschiedlicher Meinung, aber einander in Respekt und persönlicher Freundschaft verbunden. Oft sah man sie beim FURCHE-Heurigen, zu dessen Stammgästen Chorherr zählte (Feichtlbauer sowieso), an einem Tisch, bei G'spritztem und Liptauerbrot in bester Laune.

Am Requiem für Hubert Feichtlbauer im Oktober letzten Jahres nahm Chorherr, selbst schon gezeichnet, noch teil. Nun sitzen sie hoffentlich wieder nebeneinander am Heurigenbankerl und stoßen an.