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Politik

Ein Falke für die Ideale der USA

1945 1960 1980 2000 2020
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In Phoenix, Arizona, haben sie John McCain ein kleines Denkmal gesetzt, kurz nach seinem Tod. An der Mauer der Aufbahrungshalle der Stadt finden sich Blumen, Fähnchen und Briefe zum Abschied. Einer seiner Anhänger hat einen vom Verstorbenen oft zitierten Satz auf ein kleines Plakat gemalt. Er stammt von Marc Aurel: "Man soll seine Zeit nicht damit verschwenden, darüber zu streiten, was ein guter Mensch ist. Man sollte versuchen, einer sein." Wenn man John McCain eines nicht absprechen kann, dann den Versuch, das Gewissen und die eigenen Werte mit den Taten in Einklang zu bringen. Eine zugegeben übermenschliche und monströse Aufgabe für einen, der 60 Jahre in der Politik verbracht hat, 30 Jahre davon in Washington. Aber allein schon dieser Versuch war derart ungewöhnlich, dass nun der Abschied von ihm ein mediales und politisches Großereignis ist, wie sonst nur der Tod von höchsten Würdenträgern. Eine Woche dauern die Trauerbekundungen. Eine Woche wehen die Fahnen auf Halbmast. John McCain war der Sohn eines einflussreichen Generals der US-Streitkräfte. Im Vietnamkrieg wurde er zum Kriegshelden, nicht durch seine Taten auf dem Schlachtfeld, sondern durch seine Leiden in der Kriegsgefangenschaft. McCain kehrte für sein Leben gezeichnet und versehrt nach Hause zurück, aber ungebrochen in seinen Überzeugungen: Ehre, Patriotismus, Pflicht-und Selbstbewusstsein. Ein Liberaler war JohnMcCain nie. Auch wenn er in seinen letzten Monaten als Gegenspieler von Donald Trump aufgetreten ist. Er war in vielen Dingen ein strikterer Hardliner als der Präsident. McCain forderte mehr Truppen für den Irakkrieg, militärische Unterstützung der Ukraine, die Bombardierung von Syrien. Russland und China waren für ihn Intimfeinde. Er kritisierte wie Trump die Korruption in der Politik und des Establishments. Aber er wollte Reform, nicht Zerstörung. Er forderte Gespräch und Verhandlungen, nicht Herabwürdigung und Beleidigung. Kurz vor seinem Tod diktierte er noch einen Abschiedsbrief an seine Landsleute. Die Amerikaner sollten sich nicht verstecken hinter Mauern, sondern ihre Verantwortung in der Welt wahrnehmen und nach amerikanischen Idealen leben, nicht nach der Vorstellung von Blut und Boden. Am Sonntag wird John McCain, Bürger, Politiker und Soldat Amerikas, beigesetzt. Alle bis auf einen lebenden US-Präsidenten dürfen anwesend sein, um ihm die letzte Ehre zu geben.

In Phoenix, Arizona, haben sie John McCain ein kleines Denkmal gesetzt, kurz nach seinem Tod. An der Mauer der Aufbahrungshalle der Stadt finden sich Blumen, Fähnchen und Briefe zum Abschied. Einer seiner Anhänger hat einen vom Verstorbenen oft zitierten Satz auf ein kleines Plakat gemalt. Er stammt von Marc Aurel: "Man soll seine Zeit nicht damit verschwenden, darüber zu streiten, was ein guter Mensch ist. Man sollte versuchen, einer sein." Wenn man John McCain eines nicht absprechen kann, dann den Versuch, das Gewissen und die eigenen Werte mit den Taten in Einklang zu bringen. Eine zugegeben übermenschliche und monströse Aufgabe für einen, der 60 Jahre in der Politik verbracht hat, 30 Jahre davon in Washington. Aber allein schon dieser Versuch war derart ungewöhnlich, dass nun der Abschied von ihm ein mediales und politisches Großereignis ist, wie sonst nur der Tod von höchsten Würdenträgern. Eine Woche dauern die Trauerbekundungen. Eine Woche wehen die Fahnen auf Halbmast. John McCain war der Sohn eines einflussreichen Generals der US-Streitkräfte. Im Vietnamkrieg wurde er zum Kriegshelden, nicht durch seine Taten auf dem Schlachtfeld, sondern durch seine Leiden in der Kriegsgefangenschaft. McCain kehrte für sein Leben gezeichnet und versehrt nach Hause zurück, aber ungebrochen in seinen Überzeugungen: Ehre, Patriotismus, Pflicht-und Selbstbewusstsein. Ein Liberaler war JohnMcCain nie. Auch wenn er in seinen letzten Monaten als Gegenspieler von Donald Trump aufgetreten ist. Er war in vielen Dingen ein strikterer Hardliner als der Präsident. McCain forderte mehr Truppen für den Irakkrieg, militärische Unterstützung der Ukraine, die Bombardierung von Syrien. Russland und China waren für ihn Intimfeinde. Er kritisierte wie Trump die Korruption in der Politik und des Establishments. Aber er wollte Reform, nicht Zerstörung. Er forderte Gespräch und Verhandlungen, nicht Herabwürdigung und Beleidigung. Kurz vor seinem Tod diktierte er noch einen Abschiedsbrief an seine Landsleute. Die Amerikaner sollten sich nicht verstecken hinter Mauern, sondern ihre Verantwortung in der Welt wahrnehmen und nach amerikanischen Idealen leben, nicht nach der Vorstellung von Blut und Boden. Am Sonntag wird John McCain, Bürger, Politiker und Soldat Amerikas, beigesetzt. Alle bis auf einen lebenden US-Präsidenten dürfen anwesend sein, um ihm die letzte Ehre zu geben.