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Eine tapfere Reise als Zeichen

Papst Benedikt XVI. reiste in den Libanon - trotz Bürgerkrieg, Terror und den Protesten in der islamischen Welt. Der Papst setzt damit ein - christliches - Friedenszeichen.

Mit seiner tapferen Reise in den Libanon hat Papst Benedikt XVI. in einem Nahen Osten inmitten von Bürgerkrieg, ungebrochenem Terror und einer Welle der Empörung über den jüngsten Schmähfilm gegen den Islam-Propheten Mohammed ein Zeichen des christlichen und einzigen Auswegs aus all diesen Nöten gesetzt. Seine Botschaft der Liebe und Hoffnung, Versöhnung und Gerechtigkeit war an alle gerichtet, die orientalischen Christen und die Orthodoxen, Sunniten, Schiiten, Drusen und die Alawiten im Umkreis des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Dieser Besuch des Heiligen Vaters hat im christlichen Orient und seiner islamischen Umwelt Bestand als Leitbild gegen Hass und Zerstörung, Gewalt und Vernichtung, Fanatismus und Unduldsamkeit.

Seit der Pastoralvisite Johannes Pauls II. im einzigen stark katholischen Land am östlichen Mittelmeer hat sich in diesem Raum viel verändert, und das gar nicht zum Guten. Zwar ist Libanon inzwischen von der damaligen syrischen Besatzung befreit, doch tobt jetzt in Syrien selbst schon übers Jahr ein blutiger Machtkampf. Im Irak wurde die Diktatur Saddam Husseins gestürzt, doch sind die Christen im folgenden Chaos und unter einem nun am Iran orientierten Regime in Bagdad zum Freiwild geworden. In Ägypten hat die Muslim-Bruderschaft den Machthaber Mubarak abgelöst und baut einen islamischen Staat auf. Dabei halten Angriffe der noch radikaleren Salafisten auf die ägyptischen Kopten an. Nie war die persönliche Präsenz eines Papstes, der Religionsfreiheit und gleiche Bürgerrechte für die Christen unter Muslimherrschaft fordert und zugleich dem Islam Achtung und Verständnis bekundet angezeigter als in diesem September 2012.

Freiheit für Christen, Achtung vor dem Islam

So ließ sich der Heilige Vater von seiner Libanonreise weder durch die kritische Gesamtlage noch durch die unmittelbar vor seinem Eintreffen in Beirut ausgebrochenen Unruhen wegen der neuen Mohammed-Lästerung abschrecken - und ebensowenig einschüchtern, als während seines Besuchs im nordlibanesischen Tripolis gegen Benedikt XVI. demonstriert wurde, aufgebrachte Muslime Papstbilder mit Füßen traten und verbrannten. Noch dazu waren nicht einmal besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Diese Beherztheit des 85-Jährigen hat ihm in allen Lagern Respekt verschafft. Libanons militante Schiiten von der Hisbollah-Miliz begannen ihre Proteste gegen den Film "Die Unschuld des Islam“ erst nach der Abreise des Papstes. Wie ihr Anführer Scheich Hassan Nasrallah erklärte, sei das einzig aus aufrichtiger Verehrung für die Person des Heiligen Vaters erfolgt.

Natürlich fehlte es nicht ganz an feindseligen Stimmen. Aus Katar meldete sich der schon einschlägig bekannte radikale Scheich Jussuf al-Karadawi mit heftigen Vorwürfen gegen Benedikt XVI. zu Wort. Es handelt sich um jenen Rechtsgelehrten, der sich in einem Gutachten (Fatwa) gegen die Existenz von Kirchen in den arabischen Golfstaaten gewandt hatte. Jetzt beschuldigte er den Papst, einen Aufruhr der orientalischen Christen gegen ihre islamischen Obrigkeiten zu schüren. Besonders das Abschlussdokument zur Nahostsynode von 2010 enthalte gefährliche Botschaften und Vorstellungen. Der Heilige Vater warne vor einer Islamisierung der Gesellschaft und verbreite unter den Christen Angst vor dem politischen Islam.

Für eine umarmende Friedenskultur

Tatsächlich wendet sich Benedikt XVI. im Nachsynodalen Schreiben, das er in den Libanon überbrachte, grundsätzlich gegen Gewaltanwendung und religiösen Fundamentalismus, von wem immer er auch kommen möge. Aber er erinnert die Muslime daran, dass es auch nach ihrem heiligen Buch, dem Koran, in religiösen Dingen keinen Zwang und keine Gewaltanwendung geben dürfe. Davon wollen jedoch die extremistischen Strömungen im Islam nichts wissen. In seiner Ansprache an die libanesische Jugend am Sitz des katholischen Maroniten-Patriarchen in Bkerke hoch über Beirut erinnerte der Papst daran, dass Gott selbst die Freiheit des Menschen begründete und achte. Ihr gebührt daher Achtung in allen Religionen und Kulturen. Nur darauf - und nicht auf Zwang und Gewalt - könne sich eine neue Brüderlichkeit, eine alle Religionen umarmende Friedenskultur gründen.

Das werde aber nur gelingen, wenn die Christen - und gerade die christliche Jugend - ihre seit Aposteltagen angestammte Heimat im Orient nicht verzweifelt verlasse, sondern im Vertrauen auf den Schutz "Unserer Lieben Frau von Libanon“ ausharre. Ihre Statue erhebt sich auf einer der höchsten Erhebungen der Küstenberge bei Harissa, wo Benedikt XVI. auch übernachtet hat. Libanon, ein von Christen, Muslimen, Drusen und anderen gemeinsam getragener Staat soll zum Modell für eine neue, freie und gerechte Ordnung im Nahen Osten werden!

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