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Politik

Entschädigung für Sklaverei

1945 1960 1980 2000 2020
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Was ist das finanzielle Äquivalent für ein in Sklaverei verbrachtes Leben? Eine Organisation mit Sitz in Ghana hat es ausgerechnet: 777.000 Milliarden (!) US-Dollar (!!!) schulden die ehemaligen Kolonialmächte dem afrikanischen Kontinent als Entschädigung für die Sklaverei und den Kolonialismus der vergangenen 400 Jahre.

Diese Rechnung der privaten Vereinigung "African World Reparations and Repatriation Truth Commission" wurde nicht nur von afrikanischen Politikern, sondern in vielen Teilen der Welt für legitim erachtet. Das Thema sollte daher erstmals bei der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im südafrikanischen Durban auf den Tisch kommen. Dort wollen ab 31. August rund 200 Staaten und 3.000 NGOs gemeinsame Strategien gegen das weltweite Ansteigen von rassistischen Tendenzen beraten.

Doch vielen ist es jetzt wichtiger, von der Vergangenheit und nicht nur über die Gegenwart zu reden. Zum Beispiel über die Verschleppung von geschätzten 15 Millionen Afrikanern nach Nord- und Südamerika, von der Behandlung der "Schwarzen" als Ware, von Mord, Menschenjagden und der Zerstörung ganzer Landstriche. "Die Weißen sollen zahlen!" formulierte es Libyens Muammar Gaddafi.

Entschieden wehren sich die ehemaligen Kolonialmächte Portugal, Spanien, Holland, Belgien, Großbritannien und Frankreich gegen dieses Ansinnen. Das ist verständlich. Eine Kollektivschuld über viele Generationen hinweg ist problematisch. Die wirklich Betroffenen sind längst tot. An wen soll gezahlt werden? Wie und wieviel? Und warum "die Weißen" an "die Afrikaner"? Das ist ebenso Rassismus - nur mit umgekehrten Vorzeichen. Um ein Platzen der Konferenz schon im Vorfeld zu verhindern, ist daher jetzt nicht von Entschädigung die Rede, sondern nur von einer "deutlichen Erhöhung der Entwicklungshilfe".

Unverständlich bleibt allerdings, wieso die meisten Länder auch der Forderung Afrikas nach einer Entschuldigung nicht nachkommen wollen. Diese Geste in Form eines überzeugenden, symbolischen, politischen Aktes ist längst fällig. Erst das offene Eingestehen der Sünden und des Rassismus der Vergangenheit macht ein gemeinsames Aufgreifen gegenwärtiger Probleme möglich.

E-Mail: thiemer@styria.com

Was ist das finanzielle Äquivalent für ein in Sklaverei verbrachtes Leben? Eine Organisation mit Sitz in Ghana hat es ausgerechnet: 777.000 Milliarden (!) US-Dollar (!!!) schulden die ehemaligen Kolonialmächte dem afrikanischen Kontinent als Entschädigung für die Sklaverei und den Kolonialismus der vergangenen 400 Jahre.

Diese Rechnung der privaten Vereinigung "African World Reparations and Repatriation Truth Commission" wurde nicht nur von afrikanischen Politikern, sondern in vielen Teilen der Welt für legitim erachtet. Das Thema sollte daher erstmals bei der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im südafrikanischen Durban auf den Tisch kommen. Dort wollen ab 31. August rund 200 Staaten und 3.000 NGOs gemeinsame Strategien gegen das weltweite Ansteigen von rassistischen Tendenzen beraten.

Doch vielen ist es jetzt wichtiger, von der Vergangenheit und nicht nur über die Gegenwart zu reden. Zum Beispiel über die Verschleppung von geschätzten 15 Millionen Afrikanern nach Nord- und Südamerika, von der Behandlung der "Schwarzen" als Ware, von Mord, Menschenjagden und der Zerstörung ganzer Landstriche. "Die Weißen sollen zahlen!" formulierte es Libyens Muammar Gaddafi.

Entschieden wehren sich die ehemaligen Kolonialmächte Portugal, Spanien, Holland, Belgien, Großbritannien und Frankreich gegen dieses Ansinnen. Das ist verständlich. Eine Kollektivschuld über viele Generationen hinweg ist problematisch. Die wirklich Betroffenen sind längst tot. An wen soll gezahlt werden? Wie und wieviel? Und warum "die Weißen" an "die Afrikaner"? Das ist ebenso Rassismus - nur mit umgekehrten Vorzeichen. Um ein Platzen der Konferenz schon im Vorfeld zu verhindern, ist daher jetzt nicht von Entschädigung die Rede, sondern nur von einer "deutlichen Erhöhung der Entwicklungshilfe".

Unverständlich bleibt allerdings, wieso die meisten Länder auch der Forderung Afrikas nach einer Entschuldigung nicht nachkommen wollen. Diese Geste in Form eines überzeugenden, symbolischen, politischen Aktes ist längst fällig. Erst das offene Eingestehen der Sünden und des Rassismus der Vergangenheit macht ein gemeinsames Aufgreifen gegenwärtiger Probleme möglich.

E-Mail: thiemer@styria.com