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Europa ist eine Chance

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Seine EU-Sympathie verhehlt Paul Iby, Bischof von Eisenstadt, ebensowenig wie seine Skepsis bezüglich eines Österreichischen Katholikentages.

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Seine EU-Sympathie verhehlt Paul Iby, Bischof von Eisenstadt, ebensowenig wie seine Skepsis bezüglich eines Österreichischen Katholikentages.

DIKFURCHE: Herr Bischof, wo sehen Sie Stärken und wo Schwächen der kirchlichen Arbeit im Burgenland? BisciiOK PAUL IBY: Die Stärken sehe ich, auf mein Amt bezogen, in der Bereitschaft nach einem Programm zu arbeiten, das ich der Diözese vorstelle. Ich habe in meinem ersten Fastenhirtenbrief als Motto gestellt „Ich hätte gern lebendige, hellwache Gemeinden". Dieses Motto wurde von vielen Pfarrgemeinden und Gruppen angenommen. Es geht jetzt darum, weiterzubauen: Worin äußert sich eine lebendige, hellwache Gemeinde? Wir möchten nun einen zweiten Schritt setzen, indem wir sagen: Lebendige Gemeinde äußert sich vor allem in der Feier der Eucharistie, des Gemeindegottesdienstes. In Zusammenarbeit mit meinem Pastoralamt bin ich dabei, etwas auszuarbeiten, wie dieser Gottesdienst lebendig werden kann. Wenn dieser Schritt gelingt, dann möchte ich eine weitere Stufe: Wo äußert sich lebendige Gemeinde in der Dia-konia, im Miteinander-Leben, was können wir in Richtung geschwisterliche Kirche tun?

Die Schwächen: Das Volk der Burgenländer ist sehr traditionsver-bunden, was ich nicht negativ sehen möchte, aber es geht darum, sie ein wenig herauszuholen aus dem Versorgt-Werden, aus dem „Pfarrer, sprich, wir folgen dir", daß sie selbst auch mittun, kritisch werden und so Bewegung hineinkommt. Eine Schwäche sehe ich auch darin, daß der Kern in unseren Gemeinden sehr klein ist. Hier möchte ich es soweit bringen, daß sich dieser Kern nicht selbst genügt und abkapselt, sondern die aposto ische Ausrichtung hat, hinaus in die Gemeinde, in die Randgruppen.

DIEFURCIIE: Macht die Gottesdienstsprache in zweisprachigen Gemeinden im Burgenland Probleme? IliY: Seit der Liturgiereform ist das ein Problem. Immer weniger gibt es die „reinen" sprachlichen Gemeinden, es ist fast überall schon gemischt, sodaß es Mehrheiten und Minderheiten gibt. Unser Bemühen geht - hier orientiere ich mich am Ergebnis einer Besprechung in Bri-xen mit europäischen Bischöfen, die mehrere Volksgruppen im Land haben zu einem mehrsprachigen Gottesdienst. Also nicht: am ersten

Sonntag im Monat ist deutscher Gottesdienst, die anderen drei ist kroatischer Gottesdienst; sondern gemischt, damit sich nicht eine Gruppe an dem Sonntag ausgeschlossen

DIEFURCHE: Wird es in Ihrer Diözese bald eine Art Diözesanforum oder einen „Tag des Burgenlandes" geben? IBY: ES ist interessant, daß sich diese Frage mit an mich schon gerichteten Anfragen deckt. Wir hatten in unserer Diözese als letztes den Diözesan-tag 1990. Ich möchte in der Richtung etwas machen, ich weiß nur noch nicht, in welcher Form. Da brauche ich noch etwas Zeit.

DIEFURCHE: Fühlen Sie sich mit Ihren Aufgaben in der Österreichischen Bi-schofskonfei^enz derzeit ausgelastet’ IRY: Ich fühle mich ausgelastet mit meiner Diözese und bin daher froh, daß ich keine großen Referate in der Bischofskonferenz übertragen erhalten habe. Ich fühle mich aber mit den Aufgaben, die ich habe - Katholischer Laienrat Österreichs, katholische Verbände und Bauorden sehr verbunden und glaube, daß ich eine Stütze für diese Institutionen sein kann. Gerade das Gebiet der katholischen Verbände ist aber so vielfältig, daß ich oft nur mit den Spitzen zu-sammenkorrmien kann und kaum Zeit bleibt, an die Basis zu steigen.

DIEFURCHE: Sie gelten als starker Befürworter eines Beitrittes Österreichs zur EU. Warum?

IRY: Ich sehe in der Frage des Beitritts Österreichs zur EU die Zukunft unseres Landes und bin hier geprägt von meinem Heimatland, für das ich hier eine Chance und eine Herausforderung sehe, eine Umstellung durchzumachen. Das wird sich sicher im wirtschafthchen Bereich auswirken, aber ich kann mir vorstellen, daß in einer Europäischen Union noch mehr erreicht werden kann. Deswegen setze ich mich positiv für ein Teilen zwischen Reich und Arm ein und würde es begrüßen wenn die EU auch durch die Länder des Ostens erweitert werden und hier ein Ausgleich zwischen West-und Osteuropa geschehen könnte. Das würde sicher auch dem Geist des Christentums entsprechen. Ich sehe in der EU auch das Bemühen, daß verschiedene Völker, verschiedene Religionen friedvoll miteinander leben, und ich sehe verstärkt auch die Aufgabe der Bewahrung und Förderung der Schöpfung, die ganze Umweltfrage. Ganz abgesehen von dem Auftrag, den die Kirche hat: die Werte unseres Glaubens in die Europäische Union hineinzubringen.

DIEFURCHE: Das soll man aber nicht als Empfehlung, sondern als persönliche Meinung verstehen..

IBY: Hier decke ich mich mit der Bischofskonferenz, keine Empfehlung für diese Volksbefragung zu geben, aber ich sage klar und deutlich meine Einstellung dazu, und ich glaube, das ist für manche eine Orientierungshilfe.

DIEFURCHE: Erwarten Sie, daß der Papst 1996 wieder im Burgenland Station macht’ Sollte es, unabhängig davon oder damit verbunden, wieder einmal einen Katholikentag geben^ IBY: Ich verstehe es, wenn die näch"-ste Papstreise nicht wieder ins Burgenland führen kann. Sehr freuen würden wir uns aber, wenn es 1996 zur Seligsprechung des Arztes Ladislaus Batthyäny-Strattmann kommen könnte. Der Prozeß ist bei uns fast abgeschlossen. Durch den Papstbesuch ist es unvermeidlich, daß es zu Großveranstaltungen kommt. Das

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