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Politik

Familiennachzug ist moralische Selbstverständlichkeit

1945 1960 1980 2000 2020
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Nachdem im Jahre 1999 die Quotenverordnung noch mit 8.770 Personen festgesetzt war, wurde diese für 2000 und 2001 auf 8.518 Menschen gesenkt. Für 2002 wird diese Zahl auf Betreiben der FPÖ abermals auf 8.280 reduziert; von einem Abbau des "Rückstaus" bei der Familienzusammenführung ist also längst keine Rede mehr. Damit ignoriert diese Partei nicht nur Tausende Einzelschicksale, sondern fügt mittel- und längerfristig Österreich Schaden zu:

* Nichts ist der Integration dienlicher als die Familie. Angesichts rund 11.500 unerledigter Anträge auf Familiennachzug würde eine geringe Erhöhung ohnehin nur zu einer leichten Entspannung führen. Fachkräfte gegen Familienangehörige aufzurechnen ist unmenschlich! Die in und für Österreich arbeitenden Väter, Mütter, Ehepartner haben das moralische Recht auf ihre Familie!

* Wer jetzt die Integration jener Kinder, die in den kommenden Jahrzehnten die Lücken am Arbeitsmarkt schließen sollen, verhindert, nimmt bewusst in Kauf, dass sich längerfristig wesentlich größere Anforderungen an die Integration stellen und Pensionsleistungen deutlich gekürzt werden müssen.

Für mich als Christdemokrat - dieser Begriff ist eine ethische Kategorie - ist die Gleichheit aller Menschen an Würde und Wesen, egal welcher Sprache, Hautfarbe oder Religion, ein unverrückbarer Grundsatz. Das Konzept des Nationalstaates, das ein Produkt des 19. Jahrhunderts ist und seinen tragischen Höhepunkt im "ethnischen Reinheitswahn" Mitte des 20. Jahrhunderts fand, hat im Zeitalter der Globalisierung endgültig ausgedient.

Der Zuzug muss sich nach den Möglichkeiten des Arbeitsmarktes richten. Es ist ein Akt verantwortungsvoller Politik, den potenziellen Einwanderern klare Vorstellungen über ihre Chancen in Österreich zu vermitteln. Dies ist aber nicht vom Recht auf Familienleben zu trennen!

Eine großzügige Familienzusammenführung (Kernfamilie, bestehend aus Ehegatten und Kindern) und den Abbau des "Rückstaus" an unerledigten Anträgen innerhalb eines Jahres wäre für mich ein Akt moralischer Selbstverständlichkeit.

Der Autor ist Historiker, stv. Bezirksparteiobmann und Bezirksrat der ÖVP in Wien-Leopoldstadt sowie Mitbegründer der "Initiative Christdemokratie".