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"Freies Burma nützt China"

Harn Yawnghwe, Direktor des oppositionellen Burma-Büros in Brüssel.

Die Furche: Herr Yawnghwe, die Diktatur in Nordkorea steht weltweit am Pranger, das Regime in Burma wird international geschont - warum?

Harn Yawnghwe: Nordkorea ist bekannt, weil es Atomwaffen hat und damit zu einem Problem für die usa wurde. Burma ist keine Nuklearmacht, aber es hat dasselbe repressive Regime.

Die Furche: Fühlt sich das Regime in Burma so sicher, dass es keine nukleare Aufrüstung betreibt?

Yawnghwe: Wenn die Militärs könnten, würden sie es machen, aber sie haben nicht dieselben Kapazitäten wie die Nordkoreaner.

Die Furche: Wie lange wird sich das Regime noch halten können?

Yawnghwe: Die Militärs machen viel, was ihren eigenen Sturz verursachen wird: ihre katastrophale Wirtschaftspolitik, ihr Umgang mit den ethnischen Gruppen, ihr Umgang mit der Internationalen Gemeinschaft, ihr Umgang mit Aung San Suu Kyi ...

Die Furche: Wie wichtig ist Aung San Suu Kyi für den Umsturz?

Yawnghwe: Wenn es zum Wechsel kommt, brauchen wir eine Führergestalt, in die das Volk Vertrauen hat. Aung San Suu Kyi kann diese Rolle ausfüllen.

Die Furche: Vergleichbar mit Nelson Mandela in Südafrika.

Yawnghwe: Vieles, was nach dem Wechsel notwendig ist, wird nicht populär sein, aber mit jemanden, der die Menschen inspiriert, ist der Übergang möglich.

Die Furche: Wird China das zulassen, wo es doch sehr stark vom Regime in Yangon profitiert.

Yawnghwe: China bezieht viele Rohstoffe aus Burma, aber das ist nur ein kurzfristiger Vorteil, doch China denkt langfristig. China braucht zur wirtschaftlichen Entwicklung seines Westen einen Meereszugang, und die Häfen in Burma sind dafür ideal. China wird jede Regierung in Burma unterstützen, die ihm die nötige Infrastruktur: Straßen, Eisenbahnen, Häfen zur Verfügung stellt - aber dieses Regime schafft das nicht und wird deswegen immer mehr zum Problem für China.

Die Furche: Kann das zur paradoxen Situation führen, dass das kommunistische Peking eine demokratische Regierung in Yangon unterstützt?

Yawnghwe: Absolut möglich. Ein demokratisches Burma kann China viel nützlicher sein.

Das Gespräch führte Wolfgang Machreich.

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