Digital In Arbeit

Geld oder Leber

Nicht alles kann man für Geld kaufen, lautet eine alte Weisheit. Diese Erfahrung muss zunächst auch Rolf Rauchensteiner machen, der 76-jährige Patriarch eines auf Nazi-Geld basierenden Familienimperiums. Der Mann ist stinkreich, hat Politiker, wie den Wiener Bürgermeister, dank schmutziger Geheimnisse in der Hand, lässt einen Profikiller für sich arbeiten und erkennt doch die Grenzen seines Einflusses, als er den Tod vor Augen hat. Nur eine Lebertransplantation kann ihn retten. Aber weder politische Beziehungen noch Bestechung können ihm zu dem begehrten Organ verhelfen. Auch sein vermeintlicher Freund und Leibarzt zeigt sich machtlos. Nicht zuletzt, weil er mit Rauchensteiners Frau Liane eine Affäre hat. Das tödliche Virus haben sie ihm injiziert, um ihn aus dem Weg zu räumen. Auch die Kinder zeigen sich wenig hilfreich. Der eine hält sich eine teure Geliebte und verzockt sein Geld beim illegalen Glücksspiel, der andere sucht sein Glück als Aussteiger in Afrika und die dritte kompensiert ihre Gefühlskälte durch schnellen Sex und Manipulation ihrer Liebhaber. Die Creme der österreichischen Schauspiel-und Kabarettszene zeigt in der Serie "Altes Geld" - nur geringfügig überzeichnet -was Geld aus den Menschen macht. Auch das drohende Ende des Patriarchen vermag die entfremdete Familie nicht wieder zusammenzubringen. Derjenige soll das immense Vermögen erben, der eine Spenderleber herbeischafft. Es beginnt ein Rennen gegen die Zeit und ein Kampf jeder gegen jeden. Drehbuchautor, Regisseur und Co-Produzent David Schalko ist in Döbling aufgewachsen. Er musste daher gar nicht viel in einschlägigen Kreisen recherchieren. "Das kennt man alles", sagt er. Zwar habe ihm keine konkrete Familie als Vorbild gedient, doch Familien, die in der dritten Generation von Nazi-Geld leben, gebe es einige. Moral von der Geschicht gibt es am Ende der achtteiligen Serie keine. "Moral ist etwas für die Mittelschicht", meint Schalko, dem es darum ging, zu zeigen, "wo sich die reiche Gesellschaft hinbewegt"."Altes Geld" zeige eine Welt, "in der das Verbrechen bereits zur Staatsraison erhoben wurde, Empathie mit menschlicher Schwäche gleichgesetzt wird, die Perversion letzter Ausdruck der inneren Verzweiflung ist und Gier mit Wille verwechselt wird". Das alte Sprichwort "Geld allein macht nicht glücklich!" mag jene trösten, die keines haben. "Altes Geld" hinterlässt die Gewissheit, dass es alle korrumpiert: Die, die es haben, und die, die es haben wollen.

Die Serie "Altes Geld" ist derzeit nur über das Bezahlprogramm Flimmit oder als DVD zu sehen. Ins reguläre ORF-Programm kommt sie erst im Herbst.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau