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Politik

Gesucht: neue Weltordnung

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wer erinnert sich noch an die "neue Weltordnung", die George Bush, der Vater des heutigen US-Präsidenten, im Golfkrieg herbeibomben wollte? Statt einer neuen Weltordnung entstand seit 1991 eine "neue Weltunordnung", die sich durch das immer weitere Auseinanderklaffen der Schere zwischen reichen und armen Ländern auszeichnet.

Führende wirtschaftliche und politische Zirkel hatten in den Jahren seit dem Zusammenbruch des Kommunismus die Idee vertreten, Liberalisierung und Globalisierung könnten jede Form von Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit überflüssig machen. Die prozentuellen Anteile am Bruttonationalprodukt, die die Länder des Nordens für den Süden ausgaben, sanken auf Null. Der Nord-Süd-Dialog war auf allen Ebenen eingeschlafen. Die mahnenden Worte des Papstes "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer" blieben ohne Resonanz.

Die Verelendung weiter Teile Afrikas und Asiens, die die USA und Europa ignorierten, ist aber der wichtigste Nährboden für Radikalisierung und Terror. Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben die "Dritte Welt" ins Bewusstsein der "Ersten Welt" zurückgebracht - in der brutalsten Form, die überhaupt denkbar ist.

So wichtig es ist, den Terror zu bekämpfen - die militärische Ebene wird nicht ausreichen. So wichtig es ist, den "Dialog der Kulturen" statt des "Kampfes der Kulturen" zu predigen, ohne Änderung der Weltökonomie kann der Westen dem Terror nicht beikommen. Um die Wurzeln des Terrors zu bekämpfen, braucht es eine neue Weltordnung, die für eine globale Umverteilung zwischen reichen und verarmten Ländern sorgt. Und diese Umverteilung kann nicht nur Sache der Kirchen und karitativer Organisationen sein.

Die westlichen entwickelten Länder, vor allem die USA, aber auch die EU müssen ihr eigenes Wirtschaftssystem, den "Washington Consensus", die Summe der neoliberalen Spielregeln, die zur krassen globalen Ungerechtigkeit geführt haben, revidieren.

Trautl Brandstaller war lange ORF-Journalistin und Dokumentarfilmerin.

Wer erinnert sich noch an die "neue Weltordnung", die George Bush, der Vater des heutigen US-Präsidenten, im Golfkrieg herbeibomben wollte? Statt einer neuen Weltordnung entstand seit 1991 eine "neue Weltunordnung", die sich durch das immer weitere Auseinanderklaffen der Schere zwischen reichen und armen Ländern auszeichnet.

Führende wirtschaftliche und politische Zirkel hatten in den Jahren seit dem Zusammenbruch des Kommunismus die Idee vertreten, Liberalisierung und Globalisierung könnten jede Form von Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit überflüssig machen. Die prozentuellen Anteile am Bruttonationalprodukt, die die Länder des Nordens für den Süden ausgaben, sanken auf Null. Der Nord-Süd-Dialog war auf allen Ebenen eingeschlafen. Die mahnenden Worte des Papstes "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer" blieben ohne Resonanz.

Die Verelendung weiter Teile Afrikas und Asiens, die die USA und Europa ignorierten, ist aber der wichtigste Nährboden für Radikalisierung und Terror. Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben die "Dritte Welt" ins Bewusstsein der "Ersten Welt" zurückgebracht - in der brutalsten Form, die überhaupt denkbar ist.

So wichtig es ist, den Terror zu bekämpfen - die militärische Ebene wird nicht ausreichen. So wichtig es ist, den "Dialog der Kulturen" statt des "Kampfes der Kulturen" zu predigen, ohne Änderung der Weltökonomie kann der Westen dem Terror nicht beikommen. Um die Wurzeln des Terrors zu bekämpfen, braucht es eine neue Weltordnung, die für eine globale Umverteilung zwischen reichen und verarmten Ländern sorgt. Und diese Umverteilung kann nicht nur Sache der Kirchen und karitativer Organisationen sein.

Die westlichen entwickelten Länder, vor allem die USA, aber auch die EU müssen ihr eigenes Wirtschaftssystem, den "Washington Consensus", die Summe der neoliberalen Spielregeln, die zur krassen globalen Ungerechtigkeit geführt haben, revidieren.

Trautl Brandstaller war lange ORF-Journalistin und Dokumentarfilmerin.