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"In größerer Freiheit", für größeren Frieden

Wir werden ohne Sicherheit keine Entwicklung erzeugen, ohne Entwicklung keine Sicherheit, und ohne dem einen oder dem anderen keinen Respekt für Menschenrechte. Solange das nicht berücksichtigt wird, wird es keinen Erfolg geben", zeigte sich 2005 der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan in seinem bekannten Bericht "In größerer Freiheit" überzeugt. Der Tod von Kofi Annan im 80. Lebensjahr hinterlässt eine Lücke auf den weltpolitischen Bühnen der Menschlichkeit und Menschenrechte, auf denen er sich zu Lebzeiten vorausblickend bewegte. Geboren 1938 in der damaligen britischen Kolonie Goldküste, dem heutigen Ghana, besuchte der aus der Oberschicht des Landes stammende Annan angesehene Schulen und Universitäten und absolvierte später weiterführende Studien in den USA und in der Schweiz. Auf seinen beruflichen Eintritt in die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen 1962 folgte eine steile diplomatische Karriere. Seinen beruflichen Höhepunkt wird er rund dreißig Jahre später erreichen. Zuvor tat er sich während seiner Amtszeit als beigeordneter Generalsekretär als erfolgreicher Verhandler bei der Freilassung von Geiseln aus dem Westen während des Zweiten Golfkrieges hervor. Als eine der erschütterndsten Erfahrungen in seinem Berufsleben bezeichnete er in seinen Memoiren "Ein Leben in Krieg und Frieden" die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem Völkermord in Ruanda, der rund 800.000 Menschenleben forderte. 1996 wurde er von der UN-Generalversammlung in jenen Posten gewählt, von dem es heißt, es sei "der schwierigste Job der Welt". Als erster UN-Generalsekretär aus Afrika durchlief er zwei Amtszeiten und wurde von Ban Ki-moon abgelöst. Er war an den Reformen der UNO 2003 mitbeteiligt, für die er 101 Vorschläge für eine sichere und gerechtere Welt vorbrachte. Seine unnachgiebigen und engagierten Bemühungen für Frieden und eine bessere Welt brachten ihm gemeinsam mit den Vereinten Nationen im Jahr 2001 den Friedensnobelpreis ein. Nachdem er 2012 sein Amt als Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien wegen mangelnder Unterstützung nach einem halben Jahr wieder verließ, wirkte er jedoch weiterhin als Botschafter des Friedens. Als engagierter Kämpfer für Menschenrechte wurde er mit zahlreichen Ehrendoktorwürden und Preisen geehrt. Seine wichtigste Auszeichnung im Einsatz für Menschenrechte war indessen, stets "für den Frieden zu sein".

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