#Wahlen2019

Die FURCHE-Wahlinterviews

Köstinger - © Foto: Tosca Santangelo
Politik

Köstinger: „Die Leute haben das Streiten satt“

1945 1960 1980 2000 2020

Elisabeth Köstinger, Ex-Umweltministerin und Zweite auf der ÖVP-Bundesliste, über CO2-Steuern, Parteispenden und blaue „Einzelfälle“.

1945 1960 1980 2000 2020

Elisabeth Köstinger, Ex-Umweltministerin und Zweite auf der ÖVP-Bundesliste, über CO2-Steuern, Parteispenden und blaue „Einzelfälle“.

Die „Vollpension“ in Wien-Margareten ist voll an diesem Tag. Kuchen nach Omas Rezept und generationenübergreifendes Arbeiten: Dieses Konzept kommt an. Auch bei Elisabeth Köstinger, die diesen Treffpunkt vorgeschlagen hat: Die Zweitplatzierte auf der ÖVP-Bundesliste (hinter Sebastian Kurz, der für ein Interview nicht zur Verfügung stand) sowie VP-Spitzenkandidatin in Kärnten war schließlich unter Türkis-Blau Ministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus. Doch was haben sie und die ÖVP im Bereich Klimaschutz – dem Thema dieses Wahlkampfs – erreicht bzw. noch vor? Wie „sauber“ ist die Volkspartei? Und wie regierungsfähig die FPÖ? Ein Gespräch im Rahmen der FURCHE-Interviewreihe zur Nationalratswahl.

DIE FURCHE: Frau Köstinger, wenn wir schon in einem Mehrgenerationencafé sitzen, möchte ich mit „Fridays for Future“ beginnen. Sie haben Ihre Sympathien für die jungen Menschen ausgedrückt, die für ihre Zukunft demonstrieren – doch dort verwahrt man sich dagegen und wirft Ihnen vor, viel zu wenig im Bereich Klimaschutz getan zu haben. Was antworten Sie den Jungen?
Elisabeth Köstinger: Dass wir die Weichen in die richtige Richtung gestellt haben. Wir haben eine Klima-Energie-Strategie erarbeitet, ein Verbot von Ölzheizungen geschafft und Prämien, wenn man auf erneuerbare Energie umsteigt; wir haben das letzte Kohlekraftwerk Österreichs geschlossen und ein E-Mobilitäts-Paket ins Leben gerufen. Mir war bei alledem aber wichtig, es mit den Menschen und nicht gegen sie zu machen. Wir alle haben die Bilder aus Frankreich verfolgt, wo diese CO2-Steuer das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Da war das Unverständnis: Warum soll ich als Einzelner, der ich oft auf das Auto angewiesen bin, mehr zahlen, wenn die großen Verschmutzer in der Luft oder auf dem Meer weitermachen wie bisher?

DIE FURCHE: Aber muss die Politik nicht gerade deswegen die großen Verschmutzer zur Kassa bitten und wegen des Gefühls „ich als Einzelner“ Vorgaben für alle machen? In Schweden wurde schon 1991 die CO2-Steuer eingeführt – ohne Bevölkerungsaufstand –, und die Treibhausgase sind seitdem um ein Viertel zurückgegangen, während sie in Österreich um zwei Prozent gestiegen sind.
Köstinger: Aber Schweden hat rund 35 Prozent Atomkraft im Energiemix, außerdem leben dort 88 Prozent der Bevölkerung in der Stadt. Es macht einen Unterschied, ob ich im urbanen Bereich ein öffentliches Verkehrsnetz ausbaue oder auch den ländlichen Raum bewirtschafte. Wir wissen, dass eine CO2-Steuer eine massive Beeinträchtigung der ländlichen Räume wäre. Dort gibt es weite Wege und man ist viel auf den Individualverkehr angewiesen.