Robot Hotel - © Foto: Getty Images / Oleksandr Rupeta / NurPhoto

Kontaktlose Gesellschaft

1945 1960 1980 2000 2020

Die Corona-Krise forciert technologische Trends: Telemedizin, Roboterisierung, unpersönliche Zustellung. Das heißt aber auch: menschliche Nähe wird seltener werden. Eine Vorschau.

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Die Corona-Krise forciert technologische Trends: Telemedizin, Roboterisierung, unpersönliche Zustellung. Das heißt aber auch: menschliche Nähe wird seltener werden. Eine Vorschau.

Die Corona-Krise macht alles anders. Wo man einander früher um den Hals fiel und innig umarmte, hält man heute einen Mindestabstand von 1,5 oder besser zwei Metern. In Bäckerei- und Supermarktfilialen werden im Kassenbereich Plexiglasscheiben eingezogen, die man sonst nur von Bankschaltern oder Krankenhäusern kannte. Und in Geschäften zahlen selbst die Deutschen, deren Liebe zum Bargeld unverbrüchlich schien, immer häufiger mit Kreditkarte oder kontaktlos per App. Denn: Bargeld ist unhygienisch.

Bakterienkulturen wurden auf Geldscheinen nachgewiesen. Banknoten sind wahre Keimschleudern. Ob das Coronavirus auch über das Medium von Geldscheinen verbreitet werden kann, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Unstreitig ist, dass man sich damit jede Menge anderer Bakterien und Viren einfangen kann. Die Corona-Krise könnte den Trend zum bargeldlosen Bezahlen befeuern.

Auch der Telemedizin, die trotz der mannigfaltigen technologischen Möglichkeiten ein Schattendasein fristete, könnte die Pandemie zum Durchbruch verhelfen. Statt mit Grippesymptomen in die Arztpraxis zu gehen und eine Ansteckung von Patienten und Personal zu riskieren, konsultiert der Patient den Arzt per Video-Chat. Die Nachfrage nach Online-Sprechstunden und Fernbehandlungen ist in den vergangenen Wochen weltweit explodiert. In der Telegesellschaft kann man an jedem Ort der Welt Konferenzen, Sprechstunden oder Unterrichtseinheiten abhalten, ohne physisch präsent zu sein. Ein Modell für die Zukunft.

Und noch eine Entwicklung könnte die Corona-Pandemie beschleunigen: die Roboterisierung. In China sind tausende Putzroboter pausenlos im Einsatz, um in ­Krankenhäusern und auf Straßen Desinfektionsmittel zu versprühen und Keime mit UV-Licht zu töten. In den Provinzen kreisen Drohnen, die mit einer KI-gestützten Kamera die Atemschutzmaskenpflicht in der Bevölkerung kontrollieren. Und in Wuhan hat ein vollautomatisiertes Krankenhaus eröffnet, wo Roboter rund um die Uhr Arzneimittel an Patienten verteilen und die in Wearables erfassten Gesundheitsdaten wie Herzschlag und Blutwerte auslesen. Die autonomen Pflegeroboter sollen sogar Tänze aufführen und die gelangweilten Patienten bespaßen. Der medizinische Fortschritt zeigt sich in der Corona-Krise deutlich: Roboter hus­ten und niesen nicht und brauchen auch keine Atemschutzmasken.

Auch Lieferdienste setzen in der Krise verstärkt auf Drohnen und Roboter. Kontakte zu minimieren ist das Gebot der Stunde. Die Fast-Food-Kette Domino’s hat vor wenigen Wochen einen „Zero contact delivery“-Dienst eingeführt, eine Option, bei der das Essen ohne physischen Kontakt geliefert wird. Der Pizzabote stellt die Ware vor der Türe ab und klingelt, der Kunde zahlt elektronisch per Kreditkarte oder App. So wird das Essen an die Haustür geliefert, ohne dass sich der Lieferbote und Kunde begegnen müssen.

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