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Landwirt sucht Bäuerin

1945 1960 1980 2000 2020

Nachhaltiges Denken ist vielfach verlorengegangen - nicht nur im Umgang mit der Natur, sondern auch in menschlichen Beziehungen. Besonders gravierend ist das für Bauern, wenn es um die Hofübergabe geht.

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Nachhaltiges Denken ist vielfach verlorengegangen - nicht nur im Umgang mit der Natur, sondern auch in menschlichen Beziehungen. Besonders gravierend ist das für Bauern, wenn es um die Hofübergabe geht.

Wer im persönlichen Leben nicht nachhaltig denkt und handelt, muß die Folgen davon vor allem im eigenen Leben und zusammen mit den Menschen, die im anvertraut sind, tragen. Beim nichtnachhaltigen Umgang mit der Natur liegt der Fall anders. Da ist meist die gesamten Gesellschaft irgendwie betroffen. Nicht selten sind es erst die nachfolgenden Generationen. Von den Bauern als große Naturnutzer wird aus diesem Grund nachhaltiges Handeln gefordert. Das setzt auch nachhaltiges Denken und Handeln in den menschlichen Beziehungen voraus.

Heute weitverbreitete Formen des Zusammenlebens von Mann und Frau besitzen nicht von vorneherein den Charakter der Nachhaltigkeit. Konkret gesagt: Man zieht und lebt einmal zusammen, schaut und prüft, ob's geht. Wenn's nicht geht, trennt man sich wieder. Solche Denk- und Handlungsweisen stoßen beim auf Nachhaltigkeit orientierten "Unternehmen Bauernhof" schon aus rechtlichen Gründen, die für einen Hof existenzgefährdende Folgen haben können, auf größte Schwierigkeiten.

Bäuerliche Ehepaare arbeiten meist gemeinsam für dieses "bäuerliche Unternehmen". Wenn da eine Beziehung zerbricht: Wie soll man die Leistung des ausscheidenden Partners finanziell bewerten? Wie kann der Hof eine Abfertigung verkraften? Wem werden die Kinder zugesprochen - wenn etwa die Frau mit einem Sohn weggeht, der zurückbleibende Bauer ihn aber als Hofübernehmer behalten möchte? Probleme über Probleme. Sie sind eine, wenn auch nicht die wichtigste Ursache, daß sich heute Bauern und Bäuerinnen zum Teil etwas schwerer tun, einen Ehmepartner zu finden.

In der weiteren Folge kann es nicht einmal der übrigen Gesellschaft egal sein, wie sich diese "bäuerlichen Unternehmen" auf Grund der in ihnen herrschenden menschlichen und ehelichen Lebenssituationen weiterentwickeln.

Und die Nachfolge?

Äußeres Gesicht und Charakter der österreichischen Kulturlandschaft sind neben der attraktiven Naturkulisse von der Größe und der vielseitigen bäuerlichen Landwirtschaft bestimmt. Sie prägen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Solche schöne Landschaftsbilder sind auf der Welt gar nicht so weit verbreitet - nicht einmal in den Alpen, wenn man an Teile der italienischen und französischen Südalpen denkt.

Was würde es nun bedeuten, wenn sich die heutigen Symptome verstärken, wenn also Bauern und Bäuerinnen sich immer schwerer tun, einen Lebenspartner zu finden und daher keinen Hofnachfolger mehr haben?

In gut mechanisierungsfähigen Lagen würde es bedeuten: Noch mehr Bauern geben auf, Höfe und bewirtschaftete Flächen werden noch größer, die Bewirtschaftung noch mehr vereinheitlicht und die Landschaft in der Folge noch eintöniger, noch weniger attraktiv. Für die verbleibenden größeren Bauern ergäbe sich der Zwang - um die Arbeitsbelastung in Grenzen zu halten - einseitiger und damit auch weniger ökologisch, also auch weniger nachhaltig, zu wirtschaften.

Im Berggebiet würde das Aufgeben der Höfe eine Zunahme der Waldflächen bedeuten. Wer möchte aber schon gerne in Waldtälern Urlaub machen? Außerdem würden die Dörfer immer stärker ihren bisherigen Charakter verlieren, sind es doch die Bauern, die im ländlichen Raum - wenn auch nicht mehr zahlenmäßig - ein gewisses wirtschaftliches und kulturelles "Grundelement" darstellen.Viele Orte würden auch bevölkerungsmäßig ausgedünnt mit allen Folgen für die dörfliche Infrastruktur.

Die Zukunft unserer allseits geschätzten österreichischen Kultur- und damit Erholungslandschaft hängt somit ebenso sehr von einer genügend großen Zahl intakter und engagierter bäuerlicher Familien ab wie von der Gestaltung der Agrarpolitik.

Wo liegen nun diesbezüglich die Probleme und Aufgaben? Die Ursachen der wichtigsten Probleme bei der Partnerfindung sind folgende: n Mangelnde Gelegenheit, mit möglichen künftigen Ehepartnern in Kontakt zu kommen: Der gemeinsame Arbeitsplatz ist heute im allgemeinen der Ort, an dem man seinen Ehepartner kennenlernt. Viele Bauern und Bäuerinnen kommen aber aus bekannten Gründen wenig von zuhause weg. Ab einem bestimmten Alter scheiden für sie auch die für Begegnungen wichtigen Jugendveranstaltungen aus. Partnersuchende Frauen ab einem bestimmten Alter haben es noch schwerer, in direkten zwanglosen Kontakt mit partnersuchenden Männer zu kommen.

Ab einem bestimmten Alter (etwa ab 30) werden die Partnersuchenden (aus den eingangs genannten Gründen) zunehmend vorsichtiger und kritischer. Die Sorge, daß Partnerschaften wieder zerbrechen könnten, werden größer.

Partnersuchende Bauern nehmen meist ihre eigene Mutter zum Maßstab, wenn es um ihre Frau geht. Ihre Rolle als Bäuerin auf diese Art zu spielen, wollen aber viele junge Frauen heute nicht mehr, was noch lange nicht heißt, daß sie deshalb keine guten Bäuerinnen werden können. Viele heiratswillige Bauern müssen sich daher auch die Frage stellen: Wie will ich es mit der ehelichen Partnerschaft halten? Und vor allem: Will ich in erster Linie eine Ehegattin als Lebenspartnerin oder eine Arbeitskraft? Wem ersteres wichtiger ist, wird wohl leichter eine Frau finden.

Der Mensch ist wichtig * Nicht selten geben manche, die Schwierigkeiten bei der Partnersuche haben, den heutigen wirtschaftlichen Problemen in der Landwirtschaft die Schuld. Diese können zwar auch eine gewisse Rolle spielen, genügend Beispiele beweisen aber immer wieder, daß die menschlichen Qualitäten des künftigen Ehepartners für die Partnerentscheidung - zumindest bei einem bedeutenden Teil der Frauen - noch weitaus wichtiger sind. Wer sich bei einem Ehepartner menschlich für ein Leben lang gut aufgehoben fühlt, nimmt vieles in Kauf. Einkommensprobleme und Unsicherheit, was die Zukunft anbelangt, gibt es außerdem anderswo auch. Im Gegenteil: Die Landwirtschaft kann sogar eine gewisse Grundsicherheit für das Leben anbieten.

Welche Aufgaben stellen sich also?

  • Entscheidend ist zunächst, daß man sich in der Landwirtschaft auch der Vorteile, die ein Leben auf einem Bauernhof bietet, wieder stärker selbst bewußt wird und sodann auch in der Lage ist, dies auch anderen, in unserem Fall vor allem Frauen im außerlandwirtschaftlichen Bereich, bewußt zu machen.
  • Wenn heute ganz allgemein so viele Ehen zerbrechen, ist dies doch ein Zeichen, daß es an menschlichen Qualitäten, die für das gute Zusammenleben von Ehepartnern entscheidend sind, mangelt. Dem Bemühen von Partnersuchenden, ein liebenswürdiger Mensch zu werden, also einer, der es wert ist, geliebt zu werden, müßte daher eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Im Klartext heißt dies: Arbeit an sich selbst, Persönlichkeitsbildung. Je mehr ein Mensch auch Persönlichkeit ist, umso anziehender ist er für andere.
  • Eine ganz wichtige Rolle kommt auf einem Bauernhof, wo man zumindest in die unmittelbare Nähe der Schwiegereltern, wenn nicht direkt in deren Familie, einheiratet (was heute nicht empfohlen werden kann), dieser älteren Generation zu. Die Eltern können wesentlich zum guten Gelingen einer jungen Ehe beitragen und sie stehen diesbezüglich vor einer fast so großen menschlichen Herausforderung wie das junge Paar.
  • Daß auch die äußeren Bedingungen - etwa ensprechende Wohnverhältnisse -, aber auch verschiedene wirtschaftliche und rechtliche Fragen Aussicht auf eine gute Regelung haben müssen, ist für eine Partnerentscheidung auch nicht unwichtig.In einem Umfeld, in dem es schwierig ist, einen Partner näher kennezulernen, ist es schließlich auch eine Aufgabe, Formen der Begegnung zu schaffen. Das Angebot im untenstehenden Kasten ist eine möglichen Hilfe.

Der Autor ist Leiter des Studienzentrums für Agrarökologie an der Universität Innsbruck.

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