Digital In Arbeit
Politik

Liberale Sternschnuppe

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Rücktritte, Parteiausschlüsse, Finanzprobleme und Intrigen - das ist üblicherweise der Anfang vom Ende einer Partei. Was das Liberale Forum in Wien derzeit seinen Wählern präsentiert, ist ein ziemlich kleinkariertes Trauerspiel. Die Auflösung des LIF ist traurig für die Demokratie, die von der Vielfalt der Meinungen lebt, und ernüchternd für alle, die Heide Schmidt vor sieben Jahren publizistische Rosen streuten - wohl auch in der Hoffnung, Jörg Haiders Aufstieg zu bremsen. Diese Hoffnung, die ihr Mentor Heinz Fischer in sie gesetzt hatte, hat Heide Schmidt bei aller Eloquenz und Telegenität nicht erfüllt. Zyniker meinten ja schon 1993, die österreichische Gesellschaft sei kein Nährboden für liberale Ideen, besonders nicht zu einer Zeit, wo weltweit "liberal" mit "neoliberal" gleichgesetzt werde.

Heide Schmidt versuchte diesem Dilemma auszuweichen, indem sie den Wirtschaftsliberalismus ausklammerte, ihre Partei links von der SPÖ positionierte und damit in direkte Konkurrenz zu den Grünen rückte. Die ideologische Fehlentscheidung nahm ihr von Anfang an die Chance, moderne bürgerliche Wähler zu gewinnen und sich als Alternative zur FPÖ - liberal, aber ohne braune Flecken - aufzubauen. Dazu kam Schmidts permanenter Ehrgeiz, in der großen Koalition den überflüssigen dritten Partner zu spielen, was sie als Opposition unglaubwürdig machte.

Die Grabenkämpfe zwischen der Wiener LIF-Gruppe und dem Bundesforum offenbarten die zweite Schwäche der Parteigründerin. Allzuoft brachte sie Menschen in politische Funktionen, deren herausragendste Eigenschaft Bewunderung für Heide Schmidt war. Die häufigen Angebote der LIF-Chefin an Medienstars, vor allem aus dem ORF, zeigten auch, dass Heide Schmidt durchaus bereit war, ihre Opfer auf dem Altar der Mediengesellschaft zu bringen. Dass sie sich in ihrer letzten Wahlkampfphase auf einen offenen Konflikt mit der "Krone" einließ, war nur noch der Mut der Verzweiflung angsichts der drohenden Niederlage. So schnell das Liberale Forum seinen Aufstieg schaffte, so schnell droht es derzeit abzustürzen. Der neue Komet am Parteihimmel scheint sich als Sternschnuppe zu erweisen, die schneller als erwartet verglüht.

Trautl Brandstaller ist ORF-Journalistin und Dokumentarfilmerin.

Rücktritte, Parteiausschlüsse, Finanzprobleme und Intrigen - das ist üblicherweise der Anfang vom Ende einer Partei. Was das Liberale Forum in Wien derzeit seinen Wählern präsentiert, ist ein ziemlich kleinkariertes Trauerspiel. Die Auflösung des LIF ist traurig für die Demokratie, die von der Vielfalt der Meinungen lebt, und ernüchternd für alle, die Heide Schmidt vor sieben Jahren publizistische Rosen streuten - wohl auch in der Hoffnung, Jörg Haiders Aufstieg zu bremsen. Diese Hoffnung, die ihr Mentor Heinz Fischer in sie gesetzt hatte, hat Heide Schmidt bei aller Eloquenz und Telegenität nicht erfüllt. Zyniker meinten ja schon 1993, die österreichische Gesellschaft sei kein Nährboden für liberale Ideen, besonders nicht zu einer Zeit, wo weltweit "liberal" mit "neoliberal" gleichgesetzt werde.

Heide Schmidt versuchte diesem Dilemma auszuweichen, indem sie den Wirtschaftsliberalismus ausklammerte, ihre Partei links von der SPÖ positionierte und damit in direkte Konkurrenz zu den Grünen rückte. Die ideologische Fehlentscheidung nahm ihr von Anfang an die Chance, moderne bürgerliche Wähler zu gewinnen und sich als Alternative zur FPÖ - liberal, aber ohne braune Flecken - aufzubauen. Dazu kam Schmidts permanenter Ehrgeiz, in der großen Koalition den überflüssigen dritten Partner zu spielen, was sie als Opposition unglaubwürdig machte.

Die Grabenkämpfe zwischen der Wiener LIF-Gruppe und dem Bundesforum offenbarten die zweite Schwäche der Parteigründerin. Allzuoft brachte sie Menschen in politische Funktionen, deren herausragendste Eigenschaft Bewunderung für Heide Schmidt war. Die häufigen Angebote der LIF-Chefin an Medienstars, vor allem aus dem ORF, zeigten auch, dass Heide Schmidt durchaus bereit war, ihre Opfer auf dem Altar der Mediengesellschaft zu bringen. Dass sie sich in ihrer letzten Wahlkampfphase auf einen offenen Konflikt mit der "Krone" einließ, war nur noch der Mut der Verzweiflung angsichts der drohenden Niederlage. So schnell das Liberale Forum seinen Aufstieg schaffte, so schnell droht es derzeit abzustürzen. Der neue Komet am Parteihimmel scheint sich als Sternschnuppe zu erweisen, die schneller als erwartet verglüht.

Trautl Brandstaller ist ORF-Journalistin und Dokumentarfilmerin.