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Liebes-Geständnisse gegen Frank Stronach

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Seit Stronachs Partei-Ambitionen fallen die Umfragewerte der FPÖ. Straches Reaktion darauf: Er inszeniert sein privates Glück in der Öffentlichkeit.

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Seit Stronachs Partei-Ambitionen fallen die Umfragewerte der FPÖ. Straches Reaktion darauf: Er inszeniert sein privates Glück in der Öffentlichkeit.

Für ein Hochglanzmagazin posiert sie auf einer Vespa, im weißen Mini-Kleid, mit passenden Highheels und fliegenden Haaren. Eine Woche später lacht sie aus der nächsten bunten Beilage, wieder im Designerkleid, diesmal in den Armen von "ihrem Christian". Sie ist Andrea Eigner (27), Lebengefährten von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Seit sechs Jahren sind die beiden ein Paar. Bisher war das in der Öffentlichkeit aber kein Thema. "Man muss H.C. Strache als Politiker und als Privatperson ganz einfach vollkommen trennen", sagt seine Lebensgefährtin im NEWS-Interview. Am Gegenteil scheint er gerade zu arbeiten.

Seit Anfang Juli füttert der Parteiobmann Freunde und Feinde nämlich mit Häppchen aus seinem Privatleben. Auf Facebook veröffentlicht er im Wochenrhythmus verliebte Bilder von Sonntagsausflügen und Urlaubsfotos aus Ibiza. Und in Interviews spricht er über Kinderwunsch und Heiratspläne.

Reaktion auf Aus für Monopol

"Strache hat damit eine Grenze überschritten, die er bisher sorgsam eingehalten hat", fällt auch Politikforscher Peter Filzmaier auf. "Mit personal stories kann man punkten, aber es ist eine sehr persönliche Entscheidung, ob man das will. Ich würde davon abraten: Wer dem Boulevard die Schlafzimmertür öffnet, wird ihn nicht mehr los." Auch Herbert Kickl, FPÖ-Generalsekretär und Mastermind der Parteikommunikation, will dem Obmann nicht zu den privaten Bekenntnissen geraten haben: "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Die Interviews des Obmanns und seiner Partnerin sind eine private Angelegenheit. Ich fühle mich nicht bemüßigt, das zu kommentieren oder es in eine Kommunikationsstrategie einzubauen", sagt er.

Trotzdem ist es auffallend, dass die öffentlichen Liebesgeständnisse und Glücksbekundungen just zu einer Zeit stattfinden, in der die Umfragewerte der FPÖ so schlecht sind, wie schon lange nicht mehr. In jeder Erhebung liegen die Freiheitlichen derzeit mit rund zwanzig Prozent wieder auf Platz drei hinter der SPÖ (29 bis 30 Prozent) und der ÖVP (22 bis 26 Prozent).

Das Hauptproblem der FPÖ, analysiert Filzmaier, liege bei den neuen politischen Bewegungen: "Bisher sind enttäuschte Wähler und Proteststimmen automatisch bei der FPÖ gelandet." Jetzt gibt es auch Frank Stronach und die Piraten. Die Freiheitlichen haben damit ein Monopol verloren.

In der FPÖ selbst will man davon nichts wissen. Auch in der Vergangenheit seien neuen politischen Engagements immer gigantische Potenziale vorausgesagt worden, die dann nicht erreicht wurden, meint Kickl. Und überhaupt: "Umfragen haben grundsätzlich keine Relevanz. Dabei frage ich mich immer: Wer gibt sie in Auftrag? Politische Mitbewerber oder Medien, die vielleicht zu anderen Parteien aber keinesfalls zu uns in einem Naheverhältnis stehen."

Doppeltes Dilemma für die FPÖ

Das Klagen über die Benachteiligung durch Medien und Meinungsforschungsinstitute ist ein bekannter FPÖ-Zug, der die Partei - wenn sie ihre Ansage, bei der Nationalratswahl 2013 ein Drittel der Stimmen und damit den ersten Platz einzufahren, ernst meint - in ein Dilemma bringt: "Für eine Partei, die in die Regierung will, ist das unpassend", meint Filzmaier-Durch die ehrgeizige Zielsetzung hoffe die FPÖ auf den Bandwagon-Effekt, der Wähler dazu bringt, auf einen vermeintlich erfolgreicheren Zug aufzuspringen. Ob das klappt, ist aber fraglich: Wenn die Umfragewerte zu weit auseinanderliegen, lässt sich ein Duell mit Werner Faymann nur schwer inszenieren.

Bis zum Wahltag können sich die freilich noch stark ändern. Die derzeitigen Zahlen sind nicht mehr als eine Momentaufnahme. Und die Partei von Frank Stronach, auch das darf nicht vergessen werden, gibt es formal noch gar nicht. Trotzdem wappnet sich die FPÖ gegen neue Konkurrenten.

Im Politthriller "Wag the Dog" wird im Wahlkampf ein Krieg angezettelt, um vom Privatleben abzulenken. Setzt die FPÖ derzeit auf die gegenteilige Strategie?"So weit würde ich nicht gehen", meint Filzmaier. "Und: In dem Film musste die Inszenierung nur vierzehn Tage halten. Bis zur nächsten Wahl sind es aber rund vierzehn Monate." Gibt es dafür genug Privatleben? Einen Partner haben viele. Aber: Eine Homestory ist noch ausständig, und -wenn die Planung stimmt - gehen sich vor der Wahl noch eine Hochzeit und ein Baby aus. Dann dürfte zumindest das private Glück perfekt sein.

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