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Mehr Schulautonomie gefordert

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Die aktuelle TALIS-Studie zu Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer und zum Lernumfeld an Österreichs Schulen legt weitere Schwachstellen des Schulsystems offen: Teils ohnmächtige Schulleiter, ein Klima der Disziplinlosigkeit und Probleme bei der Fortbildung.

Einige Ergebnisse der TALIS-Studie haben so manchen Experten überrascht: So geben jene Direktorinnen und Direktoren, die im Rahmen der Studie befragt wurden, an, dass Disziplinlosigkeit von Lehrern ein fast genauso großes Problem ist wie Fehlverhalten bei Schülern. Für Ferdinand Eder, Erziehungswissenschaftler an der Universität Salzburg, ein unerwartetes Ergebnis: „Da ist der Verdacht nahe liegend, dass es an diesen Schulen eine Schulkultur gibt, die es auch den Lehrpersonen leicht macht, sich undiszipliniert zu verhalten,“ sagt der Experte im Rahmen der Präsentation der Studie am vergangenen Montag. Demnach beeinträchtigt an 21 Prozent der 248 untersuchten Schulen die Abwesenheit von Lehrern den Unterrichtsablauf. Für Eder kann dieses „Lehrerschwänzen“ auch die Belastungen der Pädagogen und ein mögliches Burn-out ausdrücken.

Wenn Lehrer zu spät kommen

Dieser Punkt ist nur einer der Ergebnisse der TALIS-Studie, die im Jahr 2008 erstmals gleichzeitig in 23 OECD-Staaten durchgeführt wurde. TALIS steht für „Teaching and Learning International Survey“. In Österreich wurden hierzu 248 Schulleiter von Hauptschulen und Gymnasien sowie 4300 Lehrerinnen und Lehrer zu Arbeitsbedingungen und Lernumfeld befragt. Erste Ergebnisse wurden bereits im Juni vergangenen Jahres präsentiert. Kürzlich folgte die Vorstellung der vertiefenden Analyse durch das BIFIE, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens.

Die Disziplinlosigkeit von manchen Lehrern und Schülern ist für Ferdinand Eder ein weiteres Argument dafür, die Eignung künftiger Lehramtsanwärter zu überprüfen und Schulleitern mehr Sanktionsmöglichkeiten in die Hand zu geben. Es gehe um die Vorbildwirkung der Pädagogen und ein Zusammenwirken aller Lehrer im Sinne eines guten Schulklimas.

Die Studie zeigt noch einen weiteren Bereich auf, wo Verbesserungen notwendig sind: die Lehrer-Fortbildung. Zwar besuchten 97 Prozent der befragten Lehrer in den letzten 18 Monaten eine Fortbildungsveranstaltung. Doch könnten Direktoren die Fortbildung ihrer Lehrer nicht planen und Pädagogen würden oft nicht das richtige Angebot vorfinden, kritisiert Studienautor Johannes Mayr vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung an der Universität Klagenfurt. Er plädiert für ein Leitbild an einer Schule, nach dem die pädagogischen Schwerpunkte und die Fortbildung festgelegt werden.

Beide Bereiche – Probleme mit der Disziplin einiger Lehrer und Schüler sowie mit dem Nutzen so mancher Fortbildungsseminare – legen eine weitere Schwachstelle offen: die mangelnde Autonomie der Schulen und der eingeschränkte Handlungsspielraum der Schulleiterinnen und -leiter, wie auch Michael Schratz, Bildungswissenschaftler an der Uni Innsbruck betont: „Schulleiterinnen und Schulleiter haben wenig Entscheidungsmacht und fühlen sich zum Teil ohnmächtig.“

Für Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) zeigen die Ergebnisse die Wichtigkeit der „Vorbildfunktion der Pädagogen und der gelebten Werte an den Schulen“. Sie sieht sich auch bestärkt darin, dass der Weg hin zu einer selbstständigen Schule wichtig sei. So ihre erste Reaktion auf die vertiefende Analyse der TALIS-Studie gegenüber der FURCHE. Die Ministerin gibt an, die nun ausgewerteten Ergebnisse noch genauer studieren zu wollen, bevor sie Schlüsse daraus ableitet und Vorhaben ankündigt.

Bei der Präsentation der ersten Ergebnisse vor einem Jahr hatte Schmied bereits die Absicht betont, mehr Verantwortung an den Schulstandort zu verlegen. „Ein Direktor soll an der Zusammensetzung des Lehrerteams mitwirken können. Auch brauchen wir mittleres Management an größeren Schulen“, so Ministerin Claudia Schmied im Juni 2009. Die Umsetzung lässt aber noch auf sich warten.

Den grünen Bildungssprecher Harald Walser, selbst langjähriger AHS-Direktor, schockierten die Ergebnisse der TALIS-Studie, wie er im FURCHE-Gespräch betont, vor allem die von Schulleitern angegebene Disziplinlosigkeit mancher Lehrer, die er selbst von seiner Erfahrung her nicht kenne. Aber die Probleme gebe es und sie würden mit der Schulstruktur zusammenhängen. „Direktoren sind für alles und nichts zuständig, Verantwortung wird ständig delegiert.“

„Zuständig für alles und nichts“

Für Walser ein Grund mehr, endlich die Schulautonomie zu stärken, nicht nur mit dem Vorteil, dann selber gestalten zu können, sondern auch mit notwendigen Sanktionsmöglichkeiten.

Auch Walser befürwortet, dass Schulen sich Schwerpunkte bilden können und die Fortbildung danach gestalten. Zudem fordert er die Einführung eines mittleren Managements an Schulen, also Bereichsleiter, die für bestimmte Themen zuständig sind.

Die aktuelle TALIS-Studie zu Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer und zum Lernumfeld an Österreichs Schulen legt weitere Schwachstellen des Schulsystems offen: Teils ohnmächtige Schulleiter, ein Klima der Disziplinlosigkeit und Probleme bei der Fortbildung.

Einige Ergebnisse der TALIS-Studie haben so manchen Experten überrascht: So geben jene Direktorinnen und Direktoren, die im Rahmen der Studie befragt wurden, an, dass Disziplinlosigkeit von Lehrern ein fast genauso großes Problem ist wie Fehlverhalten bei Schülern. Für Ferdinand Eder, Erziehungswissenschaftler an der Universität Salzburg, ein unerwartetes Ergebnis: „Da ist der Verdacht nahe liegend, dass es an diesen Schulen eine Schulkultur gibt, die es auch den Lehrpersonen leicht macht, sich undiszipliniert zu verhalten,“ sagt der Experte im Rahmen der Präsentation der Studie am vergangenen Montag. Demnach beeinträchtigt an 21 Prozent der 248 untersuchten Schulen die Abwesenheit von Lehrern den Unterrichtsablauf. Für Eder kann dieses „Lehrerschwänzen“ auch die Belastungen der Pädagogen und ein mögliches Burn-out ausdrücken.

Wenn Lehrer zu spät kommen

Dieser Punkt ist nur einer der Ergebnisse der TALIS-Studie, die im Jahr 2008 erstmals gleichzeitig in 23 OECD-Staaten durchgeführt wurde. TALIS steht für „Teaching and Learning International Survey“. In Österreich wurden hierzu 248 Schulleiter von Hauptschulen und Gymnasien sowie 4300 Lehrerinnen und Lehrer zu Arbeitsbedingungen und Lernumfeld befragt. Erste Ergebnisse wurden bereits im Juni vergangenen Jahres präsentiert. Kürzlich folgte die Vorstellung der vertiefenden Analyse durch das BIFIE, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens.

Die Disziplinlosigkeit von manchen Lehrern und Schülern ist für Ferdinand Eder ein weiteres Argument dafür, die Eignung künftiger Lehramtsanwärter zu überprüfen und Schulleitern mehr Sanktionsmöglichkeiten in die Hand zu geben. Es gehe um die Vorbildwirkung der Pädagogen und ein Zusammenwirken aller Lehrer im Sinne eines guten Schulklimas.

Die Studie zeigt noch einen weiteren Bereich auf, wo Verbesserungen notwendig sind: die Lehrer-Fortbildung. Zwar besuchten 97 Prozent der befragten Lehrer in den letzten 18 Monaten eine Fortbildungsveranstaltung. Doch könnten Direktoren die Fortbildung ihrer Lehrer nicht planen und Pädagogen würden oft nicht das richtige Angebot vorfinden, kritisiert Studienautor Johannes Mayr vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung an der Universität Klagenfurt. Er plädiert für ein Leitbild an einer Schule, nach dem die pädagogischen Schwerpunkte und die Fortbildung festgelegt werden.

Beide Bereiche – Probleme mit der Disziplin einiger Lehrer und Schüler sowie mit dem Nutzen so mancher Fortbildungsseminare – legen eine weitere Schwachstelle offen: die mangelnde Autonomie der Schulen und der eingeschränkte Handlungsspielraum der Schulleiterinnen und -leiter, wie auch Michael Schratz, Bildungswissenschaftler an der Uni Innsbruck betont: „Schulleiterinnen und Schulleiter haben wenig Entscheidungsmacht und fühlen sich zum Teil ohnmächtig.“

Für Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) zeigen die Ergebnisse die Wichtigkeit der „Vorbildfunktion der Pädagogen und der gelebten Werte an den Schulen“. Sie sieht sich auch bestärkt darin, dass der Weg hin zu einer selbstständigen Schule wichtig sei. So ihre erste Reaktion auf die vertiefende Analyse der TALIS-Studie gegenüber der FURCHE. Die Ministerin gibt an, die nun ausgewerteten Ergebnisse noch genauer studieren zu wollen, bevor sie Schlüsse daraus ableitet und Vorhaben ankündigt.

Bei der Präsentation der ersten Ergebnisse vor einem Jahr hatte Schmied bereits die Absicht betont, mehr Verantwortung an den Schulstandort zu verlegen. „Ein Direktor soll an der Zusammensetzung des Lehrerteams mitwirken können. Auch brauchen wir mittleres Management an größeren Schulen“, so Ministerin Claudia Schmied im Juni 2009. Die Umsetzung lässt aber noch auf sich warten.

Den grünen Bildungssprecher Harald Walser, selbst langjähriger AHS-Direktor, schockierten die Ergebnisse der TALIS-Studie, wie er im FURCHE-Gespräch betont, vor allem die von Schulleitern angegebene Disziplinlosigkeit mancher Lehrer, die er selbst von seiner Erfahrung her nicht kenne. Aber die Probleme gebe es und sie würden mit der Schulstruktur zusammenhängen. „Direktoren sind für alles und nichts zuständig, Verantwortung wird ständig delegiert.“

„Zuständig für alles und nichts“

Für Walser ein Grund mehr, endlich die Schulautonomie zu stärken, nicht nur mit dem Vorteil, dann selber gestalten zu können, sondern auch mit notwendigen Sanktionsmöglichkeiten.

Auch Walser befürwortet, dass Schulen sich Schwerpunkte bilden können und die Fortbildung danach gestalten. Zudem fordert er die Einführung eines mittleren Managements an Schulen, also Bereichsleiter, die für bestimmte Themen zuständig sind.