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Proud Boys - © Foto: APA/AFP/Maranie R. Staab
Politik

Rassismus in den USA: „Mehr als nur ein Spiel“

1945 1960 1980 2000 2020

Der Kölner Nordamerikahistoriker Norbert Finzsch über die Ausgliederung der Schwarzen aus der Gesellschaft und das mögliche Ende der Republik Vereinigte Staaten von Amerika.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Kölner Nordamerikahistoriker Norbert Finzsch über die Ausgliederung der Schwarzen aus der Gesellschaft und das mögliche Ende der Republik Vereinigte Staaten von Amerika.

Norbert Finzsch ist Historiker mit Schwerpunkt Nordamerika an der Universität Köln. 1983/1984 war er Stipendiat des American Council of Learned Societies in Berkeley. Er arbeitet unter anderem über die Geschichte und Gegenwart der schwarzen Minderheit in den USA.

DIE FURCHE: Vor allem im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste kam es zum Sturm auf Denkmäler und historische Symbole. Inwieweit ist die Geschichte der USA eher entzweiend als einend? Und wie kam es dazu, dass sie in diesem jetzigen Konflikt so zum Thema wird?
Norbert Finzsch: Die Geschichte trennt Lager, die schon seit langer Zeit gespalten sind. Diese Trennung geht auf den amerikanischen Bürgerkrieg zurück. Da ist der besiegte Süden, der die Zeit nach dem Bürgerkrieg als Besatzungszeit empfunden hat, und da ist der Norden, der den Süden abgeschrieben hat als rückständig, rassistisch und als armen Nachbarn. Nach dem Bürgerkrieg hat man versucht, diese Trennung zu überwinden, aber auch das mit katastrophalen Folgen: Denn die African Americans sind auf der Strecke geblieben. Als der Norden Truppen im Süden stationiert hatte, wurde zwar durch das Freedmen’s Bureau darauf geachtet, dass die Gleichstellung auch umgesetzt wurde – aber äußerst stümperhaft. Letztlich hat das dazu geführt, dass die Rassentrennung einzementiert wurde. Es wird bis heute nicht darüber geredet, was für ein gewalttätiger und brutaler Prozess es gewesen ist, die Afroamerikaner aus der amerikanischen Gesellschaft auszugliedern.