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Reform in kleinen Schritten

M ehr als 233.600 Kinder besuchten im Vorjahr einen Kindergarten oder eine Krippe in Österreich - zu höchst unterschiedlichen Bedingungen. Denn während die Betreuung für Wiener und oberösterreichische Eltern gratis ist, müssen niederösterreichische und Tiroler Familien zumindest für den Nachmittag zahlen. Im Burgenland wird der Kindergarten bezuschusst, in der Steiermark und Kärnten wurde die Unterstützung wieder vollständig gestrichen. Und in Salzburg und Vorarlberg gab es noch nie einen Gratis-Kindergarten. Unterschiede gibt es auch bei den Öffnungs- und Ferienzeiten. Und bei der Qualität der Betreuung: Denn auch wenn SP-Bildungsministerin Claudia Schmied wie vor zwei Jahren einen ambitionierten Bildungsrahmenplan aufsetzt, der eine bundesweit gültige Anleitung zur Förderung der Kinder geben soll - die Umsetzung der Empfehlungen liegt nicht mehr in ihrer Hand. Denn: Die Kindergärten sind Ländersache und der zuständigen Ministerin sind bei Bildungsanliegen vor dem Schuleintritt die Hände gebunden.

Österreichweit für alle Kinder gleich ist das kostenlose Kindergartenjahr für alle Fünfjährigen. 70 Millionen zahlt der Bund dafür pro Jahr an die Länder aus dem Budget von VP-Familienminister Reinhold Mitterlehner. Der sieht - genau wie SP-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek - den Kindergarten vor allem unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Quantitative Verbesserung bei Betreuungsplätzen

Quantitativ gibt es auch Verbesserungen: In den vergangenen drei Jahren wurden österreichweit 24.000 neue Betreuungsplätze geschaffen, in den nächsten vier Jahren sollen weitere 20.000 dazukommen. Bedarf gibt es vor allem an Plätzen für sehr junge Kinder. 91 Prozent der über-3-Jährigen gehen in den Kindergarten, bei den jüngeren sind es aber nur 17 Prozent. Die "Barcelona-Ziele“ sehen aber einen Versorgungsgrad von 33 Prozent vor. Der wird voraussichtlich erst 2020 erreicht werden. Auf sich warten lassen dürfte auch die akademische Ausbildung für Kindergartenpädagoginnen. Obwohl Bildungsministerin Schmied sie forciert, wird die Implementierung noch bis zu zehn Jahre dauern. Noch vor den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik wird eine andere Schulform abgeschafft: Die Hauptschule. Die Regierung hat vergangene Woche beschlossen, dass alle Hauptschulen bis zum Schuljahr 2015/2016 zu Neuen Mittelschulen werden und auch mehr Geld und mehr Lehrer bekommen. Die Koalition feiert das als einen großen Wurf, aber Schmied will noch mehr: Sie pocht nach wie vor auf eine gemeinsame Unterstufe für alle - und damit das Ende des Gymnasiums. (dol)

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