Digital In Arbeit
Politik

Riskante Ballspiele am Golf

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wie verfahren die Situation ist, zeigt eine Videosimulation auf dem saudischen al-Arabija-Kanal, die einen saudischen Flieger im erfolgreichen Luftkampf zeigt. Er schießt eine Passagiermaschine Katars ab.

Manchmal ist die Weltpolitik viel einfacher, als sie sonst zu sein vorgibt. Erschreckend einfacher als erwartet. Ein ganz aktuelles Beispiel: die Politik, die derzeit von einem großen Teil der arabischen Länder gegen ein kleines, sehr sehr reiches Land betrieben wird: Gegen Katar. Seit 100 Tagen regnet es Sanktionen gegen das Emirat am Golf. Und hätten seine Feinde in der arabischen Welt die Möglichkeit eine besonders bösartige Strafe zu verhängen, es wäre wohl die Verbannung in das sattsam bekannte "Reich des Bösen": Zu Nordkorea, zum Iran, und ganz sicher zum Teufel. Eventuelle Weiterungen der arabischen Krise in den österreichischen Wahlkampf mit seltsamen Verbindungen zum Antiradikalen-Netzwerk des VP-Kandidaten Efgani Dönmez inklusive. Doch das ist eine andere, aufzuklärende Nebengeschichte.

Wie es um die eigentlich wichtigen diplomatischen Bemühungen in diesem Konflikt steht, konnte man dieser Tage auf dem Sender al-Arabija sehen, der die Sichtweise seines Eigentümers, des saudischen Königshauses ziemlich drastisch auf den Punkt brachte. In einer Videosimulation wurde ein saudisches Jagdflugzeug im Luftkampf gezeigt, und zwar im erfolgreichen Luftkampf. Doch was der Pilot da mit gezielten Schüssen vom Himmel holte, war kein feindliches Kampfflugzeug, sondern eine Linienmaschine von Qatar Airways.

Hacker und Sanktionen

Zur Erinnerung der Anlassfall für all den demonstrativen Vernichtungswillen: Im Februar drangen Hacker in das System der staatlichen Nachrichtenagentur des Emirats Katar ein und veröffentlichten eine fingierte Meldung, in der der Emir von Katar freundliche Worte für den arabischen Erzfeind, den Iran, fand. Die Hacker waren nach zwei Wochen identifiziert und verhaftet. Doch da interessierte die Aufklärung des Falles niemanden mehr (außer den Kataris).

Denn die arabischen Länder unter Führung Saudi-Arabiens hatten ein weitreichendes Embargo gegen das Emirat verhängt und zwar wegen dessen angeblicher "Kooperation mit dem internationalen Terror". Das reichste Land der Welt fand sich plötzlich abgeschnitten. Inzwischen mussten seine Diplomaten und Bürger umliegende Staaten plus Ägypten und Libyen verlassen. Selbst die wertvollen Rennkamele der katarischen Reichen, die in Saudi-Arabien trainiert werden, wurden im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Viele der Tiere sollen nach Angaben den Heimweg nach Katar nicht überlebt haben. Sogar spezielle Gesetze gibt es in den Nachbarstaaten gegen jeden, der es wagt, Katar positiv zu erwähnen. 136.000 Dollar zahlt man dafür beispielsweise in Dubai mit einer zusätzlichen Strafdrohung von 15 Jahren Haft.

Nun ist aber ausgerechnet das, was die Saudis sanktionieren wollten, durch die Sanktionen tatsächlich eingetreten. Zum einen gibt es nun eine viel engere Kooperation Katars mit dem Iran. Zum anderen zeigt sich, dass die Verbindungen des Emirats mit Terroristen und Radikalislamisten offenbar auch als Verhandlungsverbindungen der Großmächte mit diesen Gruppen genutzt wird. Das Ansinnen der Kataris, das Büro der afghanischen Taliban zu schließen, wurde jedenfalls vom US-Außenministerium verhindert, wie al-Jazeera berichtete.

Risse im Koalitionsgebälk

Die vergangenen Monate zeigten auch die tiefen Risse im Vertrauensverhältnis zwischen den USA und den Saudis. Jüngstes Anzeichen: die in der vergangenen Woche abgeschlossenen Waffendeals zwischen Riad und Russland.

Gerade am vergangenen Wochenende zeigte sich allerdings eine ganz neue Erklärung für den Konflikt. Ein Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate sprach nämlich vor wenigen Tagen in Twitter Klartext. Die Krise wäre zu lösen, wenn Katar auf die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2022 verzichten würde. Demnach ging es also nicht um den Iran, die dubiosen Verbindungen zwischen Katar und terroristischen Islamisten, die Muslimbrüder und ihre Ränke, oder gar die Wirtschaftsmacht des Emirats. Nein, alles egal. Es geht um Sport und Neid. Und damit wären wir wieder am Anfang. Beim Kinderspiel der Politik um einen runden Lederfetzen im gefährlichsten Teil der Welt.

Wie verfahren die Situation ist, zeigt eine Videosimulation auf dem saudischen al-Arabija-Kanal, die einen saudischen Flieger im erfolgreichen Luftkampf zeigt. Er schießt eine Passagiermaschine Katars ab.

Manchmal ist die Weltpolitik viel einfacher, als sie sonst zu sein vorgibt. Erschreckend einfacher als erwartet. Ein ganz aktuelles Beispiel: die Politik, die derzeit von einem großen Teil der arabischen Länder gegen ein kleines, sehr sehr reiches Land betrieben wird: Gegen Katar. Seit 100 Tagen regnet es Sanktionen gegen das Emirat am Golf. Und hätten seine Feinde in der arabischen Welt die Möglichkeit eine besonders bösartige Strafe zu verhängen, es wäre wohl die Verbannung in das sattsam bekannte "Reich des Bösen": Zu Nordkorea, zum Iran, und ganz sicher zum Teufel. Eventuelle Weiterungen der arabischen Krise in den österreichischen Wahlkampf mit seltsamen Verbindungen zum Antiradikalen-Netzwerk des VP-Kandidaten Efgani Dönmez inklusive. Doch das ist eine andere, aufzuklärende Nebengeschichte.

Wie es um die eigentlich wichtigen diplomatischen Bemühungen in diesem Konflikt steht, konnte man dieser Tage auf dem Sender al-Arabija sehen, der die Sichtweise seines Eigentümers, des saudischen Königshauses ziemlich drastisch auf den Punkt brachte. In einer Videosimulation wurde ein saudisches Jagdflugzeug im Luftkampf gezeigt, und zwar im erfolgreichen Luftkampf. Doch was der Pilot da mit gezielten Schüssen vom Himmel holte, war kein feindliches Kampfflugzeug, sondern eine Linienmaschine von Qatar Airways.

Hacker und Sanktionen

Zur Erinnerung der Anlassfall für all den demonstrativen Vernichtungswillen: Im Februar drangen Hacker in das System der staatlichen Nachrichtenagentur des Emirats Katar ein und veröffentlichten eine fingierte Meldung, in der der Emir von Katar freundliche Worte für den arabischen Erzfeind, den Iran, fand. Die Hacker waren nach zwei Wochen identifiziert und verhaftet. Doch da interessierte die Aufklärung des Falles niemanden mehr (außer den Kataris).

Denn die arabischen Länder unter Führung Saudi-Arabiens hatten ein weitreichendes Embargo gegen das Emirat verhängt und zwar wegen dessen angeblicher "Kooperation mit dem internationalen Terror". Das reichste Land der Welt fand sich plötzlich abgeschnitten. Inzwischen mussten seine Diplomaten und Bürger umliegende Staaten plus Ägypten und Libyen verlassen. Selbst die wertvollen Rennkamele der katarischen Reichen, die in Saudi-Arabien trainiert werden, wurden im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Viele der Tiere sollen nach Angaben den Heimweg nach Katar nicht überlebt haben. Sogar spezielle Gesetze gibt es in den Nachbarstaaten gegen jeden, der es wagt, Katar positiv zu erwähnen. 136.000 Dollar zahlt man dafür beispielsweise in Dubai mit einer zusätzlichen Strafdrohung von 15 Jahren Haft.

Nun ist aber ausgerechnet das, was die Saudis sanktionieren wollten, durch die Sanktionen tatsächlich eingetreten. Zum einen gibt es nun eine viel engere Kooperation Katars mit dem Iran. Zum anderen zeigt sich, dass die Verbindungen des Emirats mit Terroristen und Radikalislamisten offenbar auch als Verhandlungsverbindungen der Großmächte mit diesen Gruppen genutzt wird. Das Ansinnen der Kataris, das Büro der afghanischen Taliban zu schließen, wurde jedenfalls vom US-Außenministerium verhindert, wie al-Jazeera berichtete.

Risse im Koalitionsgebälk

Die vergangenen Monate zeigten auch die tiefen Risse im Vertrauensverhältnis zwischen den USA und den Saudis. Jüngstes Anzeichen: die in der vergangenen Woche abgeschlossenen Waffendeals zwischen Riad und Russland.

Gerade am vergangenen Wochenende zeigte sich allerdings eine ganz neue Erklärung für den Konflikt. Ein Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate sprach nämlich vor wenigen Tagen in Twitter Klartext. Die Krise wäre zu lösen, wenn Katar auf die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2022 verzichten würde. Demnach ging es also nicht um den Iran, die dubiosen Verbindungen zwischen Katar und terroristischen Islamisten, die Muslimbrüder und ihre Ränke, oder gar die Wirtschaftsmacht des Emirats. Nein, alles egal. Es geht um Sport und Neid. Und damit wären wir wieder am Anfang. Beim Kinderspiel der Politik um einen runden Lederfetzen im gefährlichsten Teil der Welt.