Sobotka - © Foto: APA / Roland Schlager

Sobotka: Der Präsident, schillernd in der Galerie

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Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka polarisiert wie niemand anderer vor ihm. Wie tickt der Mann – und was heißt das für das zweithöchste Amt der Republik?

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Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka polarisiert wie niemand anderer vor ihm. Wie tickt der Mann – und was heißt das für das zweithöchste Amt der Republik?

Wer im Team mit Wolfgang Sobotka Tischfußball spielt, hat es nicht leicht. Fängt man einen Torschuss nicht ab, wechselt Sobotka einen sofort aus und dreht selbst die Verteidigung- und Torwartstangen am Wuzler. Vergibt man dann vorn eine Torchance, schiebt einen Sobotka umgehend zurück in die Abwehr. Wer gegen Wolfgang Sobotka Tischfußball spielt, hat es aber auch nicht leicht. Selbst eine entspannte Wuzlerei, so erlebt in seiner Zeit als Innenminister nach einer Diskussionsrunde beim Europäischen Forum Alpbach, nimmt er sehr ernst.

Den Eindruck von Sobotka als einer Art „Monsieur 100.000 Volt“ der österreichischen Politik bestätigt Bürgermeister Werner Krammer, ÖVP-Kollege und Nachnachfolger von Sobotka als Bürgermeister von Waidhofen an der Ybbs: „Der Wolfgang Sobotka ist ganz einfach ein Macher, dem sicher die Dinge manchmal zu langsam gehen, das liegt einfach in seinem Naturell.“ Gefragt nach einem Erlebnis, das Sobotkas Zugang zur Politik beschreibt, erzählt Krammer einen „typischen Sobotka“: Eine seiner ersten Aktionen als Bürgermeister der Statuarstadt im Mostviertel sei gewesen, einen Tag lang mit der Müllabfuhr mitzufahren. „Damit er sieht, wie das tatsächlich abläuft, damit er weiß, wovon er redet“, zollt Krammer seinem Vorgänger Respekt. „Das hat vor ihm noch nie ein Bürgermeister gemacht.“

Gleiches lässt sich über seine Amtsführung als Präsident des Nationalrats sagen: „Sobotka wird als die bisher schillerndste Person in die Ahnengalerie der Nationalratspräsidenten eingehen“, antwortet der Innsbrucker Politikwissenschafter Ferdinand Karlhofer auf die Frage nach seiner Einordnung Sobotkas: „Es hat in der Zweiten Republik keine Persönlichkeit in dieser Funktion gegeben, die in einem solchen Maß mit Parteilichkeit verbunden wurde und medial auch als solche präsent war. Der Nationalratspräsident wurde grundsätzlich – so wie das Amt des Bundespräsidenten – immer mit einer über den Parteien stehenden Haltung verbunden. Das ist bei Sobotka nicht erkennbar.“

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