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Stelldichein für Energiespar-Freaks

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Ein Rundgang durch die Energiesparmesse Wels eröffnet den Blick auf einen expandierenden Markt mit vielfältigen Angeboten.

Man findet sie leicht, die Energiesparmesse in Wels. Überall rote Hinweisschilder, die den Weg weisen. Dass er jetzt nahe dran ist, erkennt der Besucher spätestens an der endlosen Autokolonne, die sich im Schneckentempo auf den Parkplatz zubewegt oder steht. Offensichtlich ist der Verkehr aus den Sparplänen der Energiespar-Fans ausgenommen.

Ein Blick auf die am späten Vormittag ins Messe-Areal strömende Menge macht deutlich: Energiesparen scheint Männersache zu sein. Es überwiegt Publikum aus Oberösterreich, dem man anmerkt, dass es nicht primär gekommen ist, um sich bei den vielen kulinarischen Angeboten oder an den Ständen der burgenländischen und Kamptaler Weinbauern einen netten Tag zu vergönnen.

"Auf dieser Messe gibt es ein besonders interessiertes Publikum", meint auch Karl Fürstenberg vom "Oberösterreichischen Energiesparverband". Das Interesse nehme von Jahr zu Jahr zu. "Heute ist Fachbesuchertag. Da ist der Andrang noch nicht so groß. Aber morgen haben wir 30 Berater am Stand, die den ganzen Tag über Auskunft geben werden."

Auch für die Aussteller ist die Messe nicht nur eine Pflichtübung, um sich der Branche zu präsentieren. "Man muss zwar, gerade als kleines Unternehmen, anwesend sein, damit die Konkurrenz registriert: die gibt es auch!", räumt Thomas Eggetsberger vom Fensterhersteller "Entholzer" aus Marchtrenk in Oberösterreich ein. Aber das Wesentliche sei der Kontakt zur Kundschaft. "Für uns ist das die einzige Messe, auf der wir ausstellen. Sie ist für Häuselbauer oder Leute, die renovieren. Die haben wirklich Interesse an den Produkten. 90 Prozent der Kunden, die auf uns zukommen, wollen in ihrem Haus die Fenster wechseln. Da haben wir dann viele Adressen, die wir verwerten können."

Tatsächlich: Bei der Welser Energiesparmesse geht es primär um Bauen und Heizen. Und da spielt Energiesparen eine wichtige Rolle. Der Spargedanke selbst ist aber nicht das alles dominierende Anliegen. Im Vordergrund der Überlegungen stehe der Umstieg auf neue Energieträger. "Heute geht es vor allem um den Klimaschutz", stellt Berater Fürstenberg fest, "um das Weggehen von fossilen Energieträgern." Dieses Anliegen sei längst dem Hobby-Bereich entwachsen.

Die Photovoltaik boomt

In vielen Sektoren scheint das Geschäft gut zu gehen. Von einem richtigen Boom bei der Photovoltaik (PV), der direkten Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht, spricht Johann Schwab, Installateur aus Bayern, der zum ersten Mal in Wels ausstellt. Diesen enormen Aufschwung hätten die sehr guten Förderbedingungen für Erneuerbare Energie in Deutschland ausgelöst. Für ihn sei heute das Hauptproblem: "Woher nehme ich die Module? Die Hersteller sind zum Teil total ausverkauft." Der größte Produzent habe Lieferfristen bis Jänner 2005.

Die Hauptinteressenten an der Installation von PV-Anlagen seien die Landwirte. Sie haben Stromerzeugung als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. "Da werden mittlerweile immer größere Anlagen montiert, weil sich das wirklich rechnet." Immer mehr Installateure hätten sich auf die Montage von Solaranlagen umgestellt. Mit zehn Mitarbeitern und einer Vielzahl von Aushilfskräften sei er das größte einschlägige Unternehmen im Landkreis.

Einen ähnlichen Boom - ebenfalls durch besonders gute Förderung hervorgerufen - habe es Ende des Vorjahres auch in Österreich gegeben, erinnert sich Roman Krumphuber aus Kirchdorf. Mit der Zurücknahme der Förderung habe sich das Interesse aber derzeit auf ein vernünftiges Niveau eingependelt. Das Geschäft mit der PV stehe und falle mit der Förderung.

Gute Zuwächse seien hingegen auf dem Markt der thermischen Solaranlagen, also der Erzeugung von Warmwasser mittels Sonnenenergie, zu verzeichnen.

Ausgereifte Technik

Auf diesem Sektor habe sein Unternehmen, das 35 Mitarbeiter beschäftigt, mittlerweile ein großes Know-How erworben. Die Technik der Solarthermie sei heute sehr ausgereift und wenig störungsanfällig. "Man kann damit rechnen, dass diese Anlagen 30 bis 40 Jahre funktionsfähig sein werden."

Johann Schweng, ebenfalls Installateur, hat sich auf einen anderen Bereich spezialisiert, auf Lüftungssysteme. Sie seien eine notwendige Einrichtung in super gedämmten Häusern, insbesondere in den Passivhäusern, die mit null Energiekosten über das Jahr kommen: Heizung, Warmwasser und Raumlüftung werden in diesen Häusern nur mit der Energie betrieben, die eine am Dach installierte PV-Anlage liefert.

Wie solche Lüftungen funktionieren? "Man transportiert die schlechte Luft (insbesondere aus Küche, Klo und Bad) als Abluft weg. Die in dieser Abluft enthaltene Energie (etwa 25 Grad) nützt ein sehr effizienter Wärmetauscher, um die frische Luft aus dem Freien aufzuwärmen. Ich bekomme also frische und warme Luft in die Räume." Innerhalb von zwei Stunden werde so die Luft im Haus ausgetauscht, ohne dass dies unangenehm als Luftzug bemerkbar würde. "Da die Häuser heute wärmetechnisch immer besser gebaut werden, wächst die Nachfrage laufend." Seit drei Jahren hat sich Schweng, Installateur mit 20 Mitarbeitern im niederösterreichischen Bernhardsthal auf Lüftungssysteme spezialisiert und ist gut mit dieser Entscheidung für eine zukunftsträchtige Technologie gefahren.

Dämmen mit Schafwolle

Dämmung ist klarerweise einer der Schwerpunkt auf der Welser Messe. Eine Unzahl großer und kleiner Aussteller sind da anzutreffen: Dämmen mit Steinfasern, Zellulose (alten Zeitungen), ja sogar mit Schafwolle. Angesprochen darauf, ob nicht nur Bio-Freaks sich den Luxus einer Schafwoll-Dämmung leisten - sie ist um 30 bis 50 Prozent teurer als Konkurrenzprodukte - antwortet Joachim Tumfart, Produzent aus Traberg: "Es gibt ja nicht nur Fanatiker, die sich in die Bio- und Öko-Richtung orientieren. Für solche Leute sind wir ein guter Ansprechpartner."

Die Schafwolle habe bemerkenswerte Vorteile: Sie sei von Natur aus optimal für den Kälteschutz aufgebaut und außerdem imstande, viel Feuchtigkeit aufzunehmen, ohne an Dämmwirkung zu verlieren. "Und sie gibt die Feuchtigkeit selbstständig wieder ab." Übrigens sei die Verwendung von Schafwolle zur Dämmung kein Spleen der Öko-Welle. Bei der Renovierung von 300 Jahre alten Häusern in Salzburg habe man gut erhaltene Schafwolle unter dem Verputz gefunden.

Das Angebot in den vielen Hallen ist unüberblickbar und vielfältig. Im ersten Moment weckt der Stand von "Blue Sky Wetteranalysen" aus Attnang-Puchheim Erstaunen. Wetterfrösche auf einer Energiesparmesse? "Klar", lacht Klaus Reingruber, "wenn jemand ein Passivhaus bauen oder Solartechnik einsetzen will, interessiert ihn, mit wievielen Nebel- und Sonnentagen er rechnen muss. Und wer eine Windanlage errichtet, kommt auch nicht ohne entsprechende Information aus."

Chancen auf gute Jobs

Alternative Energieversorgung stellt sich in Wels also als interessanter Markt dar. Das bestätigen unisono auch Patrick Reinthaler und Rainer Leitner, Studenten der Fachhochschule Wieselburg, die für einschlägige Berufe ausbildet. "Unsere ersten Absolventen im Sommer 2003 haben alle gute Jobs gefunden. Die meisten bleiben bei dem Unternehmen, in dem sie ihr Praxis-Jahr verbracht haben."

Auf dem Weg zum Ausgang nimmt der Besucher noch erstaunt eine Einladung zu einem Ferrari-Wochenende und das Angebot von Chi-Massage zur Kenntnis. Sie passen ebenso gut zum Energiesparen wie die majestätisch aus einer Nische blickende Statue eines Löwen. Aber vielleicht bewacht dieser wenigstens ein zünftiges Passivhaus.

Ein Rundgang durch die Energiesparmesse Wels eröffnet den Blick auf einen expandierenden Markt mit vielfältigen Angeboten.

Man findet sie leicht, die Energiesparmesse in Wels. Überall rote Hinweisschilder, die den Weg weisen. Dass er jetzt nahe dran ist, erkennt der Besucher spätestens an der endlosen Autokolonne, die sich im Schneckentempo auf den Parkplatz zubewegt oder steht. Offensichtlich ist der Verkehr aus den Sparplänen der Energiespar-Fans ausgenommen.

Ein Blick auf die am späten Vormittag ins Messe-Areal strömende Menge macht deutlich: Energiesparen scheint Männersache zu sein. Es überwiegt Publikum aus Oberösterreich, dem man anmerkt, dass es nicht primär gekommen ist, um sich bei den vielen kulinarischen Angeboten oder an den Ständen der burgenländischen und Kamptaler Weinbauern einen netten Tag zu vergönnen.

"Auf dieser Messe gibt es ein besonders interessiertes Publikum", meint auch Karl Fürstenberg vom "Oberösterreichischen Energiesparverband". Das Interesse nehme von Jahr zu Jahr zu. "Heute ist Fachbesuchertag. Da ist der Andrang noch nicht so groß. Aber morgen haben wir 30 Berater am Stand, die den ganzen Tag über Auskunft geben werden."

Auch für die Aussteller ist die Messe nicht nur eine Pflichtübung, um sich der Branche zu präsentieren. "Man muss zwar, gerade als kleines Unternehmen, anwesend sein, damit die Konkurrenz registriert: die gibt es auch!", räumt Thomas Eggetsberger vom Fensterhersteller "Entholzer" aus Marchtrenk in Oberösterreich ein. Aber das Wesentliche sei der Kontakt zur Kundschaft. "Für uns ist das die einzige Messe, auf der wir ausstellen. Sie ist für Häuselbauer oder Leute, die renovieren. Die haben wirklich Interesse an den Produkten. 90 Prozent der Kunden, die auf uns zukommen, wollen in ihrem Haus die Fenster wechseln. Da haben wir dann viele Adressen, die wir verwerten können."

Tatsächlich: Bei der Welser Energiesparmesse geht es primär um Bauen und Heizen. Und da spielt Energiesparen eine wichtige Rolle. Der Spargedanke selbst ist aber nicht das alles dominierende Anliegen. Im Vordergrund der Überlegungen stehe der Umstieg auf neue Energieträger. "Heute geht es vor allem um den Klimaschutz", stellt Berater Fürstenberg fest, "um das Weggehen von fossilen Energieträgern." Dieses Anliegen sei längst dem Hobby-Bereich entwachsen.

Die Photovoltaik boomt

In vielen Sektoren scheint das Geschäft gut zu gehen. Von einem richtigen Boom bei der Photovoltaik (PV), der direkten Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht, spricht Johann Schwab, Installateur aus Bayern, der zum ersten Mal in Wels ausstellt. Diesen enormen Aufschwung hätten die sehr guten Förderbedingungen für Erneuerbare Energie in Deutschland ausgelöst. Für ihn sei heute das Hauptproblem: "Woher nehme ich die Module? Die Hersteller sind zum Teil total ausverkauft." Der größte Produzent habe Lieferfristen bis Jänner 2005.

Die Hauptinteressenten an der Installation von PV-Anlagen seien die Landwirte. Sie haben Stromerzeugung als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. "Da werden mittlerweile immer größere Anlagen montiert, weil sich das wirklich rechnet." Immer mehr Installateure hätten sich auf die Montage von Solaranlagen umgestellt. Mit zehn Mitarbeitern und einer Vielzahl von Aushilfskräften sei er das größte einschlägige Unternehmen im Landkreis.

Einen ähnlichen Boom - ebenfalls durch besonders gute Förderung hervorgerufen - habe es Ende des Vorjahres auch in Österreich gegeben, erinnert sich Roman Krumphuber aus Kirchdorf. Mit der Zurücknahme der Förderung habe sich das Interesse aber derzeit auf ein vernünftiges Niveau eingependelt. Das Geschäft mit der PV stehe und falle mit der Förderung.

Gute Zuwächse seien hingegen auf dem Markt der thermischen Solaranlagen, also der Erzeugung von Warmwasser mittels Sonnenenergie, zu verzeichnen.

Ausgereifte Technik

Auf diesem Sektor habe sein Unternehmen, das 35 Mitarbeiter beschäftigt, mittlerweile ein großes Know-How erworben. Die Technik der Solarthermie sei heute sehr ausgereift und wenig störungsanfällig. "Man kann damit rechnen, dass diese Anlagen 30 bis 40 Jahre funktionsfähig sein werden."

Johann Schweng, ebenfalls Installateur, hat sich auf einen anderen Bereich spezialisiert, auf Lüftungssysteme. Sie seien eine notwendige Einrichtung in super gedämmten Häusern, insbesondere in den Passivhäusern, die mit null Energiekosten über das Jahr kommen: Heizung, Warmwasser und Raumlüftung werden in diesen Häusern nur mit der Energie betrieben, die eine am Dach installierte PV-Anlage liefert.

Wie solche Lüftungen funktionieren? "Man transportiert die schlechte Luft (insbesondere aus Küche, Klo und Bad) als Abluft weg. Die in dieser Abluft enthaltene Energie (etwa 25 Grad) nützt ein sehr effizienter Wärmetauscher, um die frische Luft aus dem Freien aufzuwärmen. Ich bekomme also frische und warme Luft in die Räume." Innerhalb von zwei Stunden werde so die Luft im Haus ausgetauscht, ohne dass dies unangenehm als Luftzug bemerkbar würde. "Da die Häuser heute wärmetechnisch immer besser gebaut werden, wächst die Nachfrage laufend." Seit drei Jahren hat sich Schweng, Installateur mit 20 Mitarbeitern im niederösterreichischen Bernhardsthal auf Lüftungssysteme spezialisiert und ist gut mit dieser Entscheidung für eine zukunftsträchtige Technologie gefahren.

Dämmen mit Schafwolle

Dämmung ist klarerweise einer der Schwerpunkt auf der Welser Messe. Eine Unzahl großer und kleiner Aussteller sind da anzutreffen: Dämmen mit Steinfasern, Zellulose (alten Zeitungen), ja sogar mit Schafwolle. Angesprochen darauf, ob nicht nur Bio-Freaks sich den Luxus einer Schafwoll-Dämmung leisten - sie ist um 30 bis 50 Prozent teurer als Konkurrenzprodukte - antwortet Joachim Tumfart, Produzent aus Traberg: "Es gibt ja nicht nur Fanatiker, die sich in die Bio- und Öko-Richtung orientieren. Für solche Leute sind wir ein guter Ansprechpartner."

Die Schafwolle habe bemerkenswerte Vorteile: Sie sei von Natur aus optimal für den Kälteschutz aufgebaut und außerdem imstande, viel Feuchtigkeit aufzunehmen, ohne an Dämmwirkung zu verlieren. "Und sie gibt die Feuchtigkeit selbstständig wieder ab." Übrigens sei die Verwendung von Schafwolle zur Dämmung kein Spleen der Öko-Welle. Bei der Renovierung von 300 Jahre alten Häusern in Salzburg habe man gut erhaltene Schafwolle unter dem Verputz gefunden.

Das Angebot in den vielen Hallen ist unüberblickbar und vielfältig. Im ersten Moment weckt der Stand von "Blue Sky Wetteranalysen" aus Attnang-Puchheim Erstaunen. Wetterfrösche auf einer Energiesparmesse? "Klar", lacht Klaus Reingruber, "wenn jemand ein Passivhaus bauen oder Solartechnik einsetzen will, interessiert ihn, mit wievielen Nebel- und Sonnentagen er rechnen muss. Und wer eine Windanlage errichtet, kommt auch nicht ohne entsprechende Information aus."

Chancen auf gute Jobs

Alternative Energieversorgung stellt sich in Wels also als interessanter Markt dar. Das bestätigen unisono auch Patrick Reinthaler und Rainer Leitner, Studenten der Fachhochschule Wieselburg, die für einschlägige Berufe ausbildet. "Unsere ersten Absolventen im Sommer 2003 haben alle gute Jobs gefunden. Die meisten bleiben bei dem Unternehmen, in dem sie ihr Praxis-Jahr verbracht haben."

Auf dem Weg zum Ausgang nimmt der Besucher noch erstaunt eine Einladung zu einem Ferrari-Wochenende und das Angebot von Chi-Massage zur Kenntnis. Sie passen ebenso gut zum Energiesparen wie die majestätisch aus einer Nische blickende Statue eines Löwen. Aber vielleicht bewacht dieser wenigstens ein zünftiges Passivhaus.