Matthias Strolz - © Foto: APA / Roland Schlager
Politik

Strolz: „Die Politik wird platter und plumper“

1945 1960 1980 2000 2020

NEOS-Parteigründer Matthias Strolz hat vor über einem Jahr die heimische Spitzenpolitik verlassen. Wie er Österreichs politische Zukunft nach der Nationalratswahl sieht und wovor er persönlich Angst hat.

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NEOS-Parteigründer Matthias Strolz hat vor über einem Jahr die heimische Spitzenpolitik verlassen. Wie er Österreichs politische Zukunft nach der Nationalratswahl sieht und wovor er persönlich Angst hat.

Im FURCHE-Interview spricht Matthias­ Strolz über seine Zweifel an einer tragfähigen Regierungskoalition, professionelle Inszenierung, die über Erneuerung hinwegtäuscht, den täglich inszenierten Wahlkampf in der Medien­demokratie, eigene Ersetzbarkeit und seine Träume von Diktator Kim Jong-un.

DIE FURCHE: Herr Strolz, die Nationalratswahl ist geschlagen, Sondierungsgespräche in Richtung einer neuen Regierung laufen. Wie beurteilen Sie die Lage?
Matthias Strolz: Ich habe eine große Skepsis, ob es zu einer tragfähigen Regierungs-Konstellation kommen kann. Damals im Parlament habe ich erlebt, wie die Polarisierung gewachsen ist. Das Misstrauen sitzt wechselseitig sehr tief. Hier tragfähige Brücken zu bauen, ist keine einfache Aufgabe. Österreich befindet sich in einer Übergangsphase und hat sich einfach noch nicht ganz gefunden. Diese Phasen sind per Definition instabil, weil wir von einem Zustand in einen anderen kommen müssen. Meine Prognose wäre, dass nicht davon auszugehen ist, dass das eine fünfjährige Regierung wird – egal in welcher Konstellation.

DIE FURCHE: Mehr Tragfähigkeit und Entpolarisierung durch Bauen von Brücken – wie soll das funktionieren?
Strolz: Mein Wunsch fürs Land war, so skurril das klingt – natürlich wünsche ich NEOS alles Gute – dass sich ÖVP und SPÖ neu erfinden. Und zwar neu im vatikanischen Sinne, an Haupt und Gliedern. Das ist in beiden Fällen aber bis dato nicht geschehen. In einem Fall offensichtlich nicht, und im zweiten täuscht eine sehr professionelle Inszenierung darüber hinweg, dass eine Erneuerung nicht geschehen ist. Das ist potenziell verhängnisvoll für das Land: Man denke mal an eine ÖVP ohne Kurz, dann wird es düster. Hier hat Kurz noch eine Aufgabe zu erledigen, auch wenn sie beim ersten Mal hinschauen nicht
erkennbar ist.