Stronach - © Foto: Starpix / picturedesk.com
Politik

Stronach: „Finanzwirtschaft kann man nicht essen“

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Frank Stronach über sein Treffen mit Heinz-Christian Strache, warum der Kapitalismus ungerecht ist und warum Unternehmer nicht unbedingt gute Politiker sind.

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Frank Stronach über sein Treffen mit Heinz-Christian Strache, warum der Kapitalismus ungerecht ist und warum Unternehmer nicht unbedingt gute Politiker sind.

Die Nachricht schlug Wellen: Stronach traf Strache, der im Clinch mit der FPÖ möglicherweise nach Unterstützern für eine eigene Liste sucht. Im Interview nimmt Stronach dazu Stellung – und kritisiert den Finanzkapitalismus.

DIE FURCHE: Herr Stronach, Sie haben nach Ihrem Treffen mit Heinz-Christian Strache ein Medien­statement veröffentlicht. Trotzdem die Nachfrage: Worum gingʼs?
Frank Stronach: Ich bin politisch nicht tätig und habe keine politischen Ambitionen mehr. Aber ich habe viele Erfahrungen als Unternehmer. Und wann immer ich Österreich helfen kann, tue ich das gerne auf konstruktivem Weg. Dabei führe ich mit jeder Partei, jedem Politiker, der möchte, ein Gespräch. Und ich sage zu allen das Gleiche: Es geht um die Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft in einem Land nicht funktioniert, dann funktioniert gar nichts.

DIE FURCHE: Haben Sie sich auch mit FPÖ-Funktionären getroffen, wie das in Medien zu lesen war?
Stronach: Es ist bei mir grundsätzlich so: Wenn jemand mich anruft und meine Zeit in Österreich es zulässt, mit jemandem zu sprechen, dann fein. Ich gehe niemandem aus dem Weg. Wenn ich Österreich dienen kann, tue ich das gerne. Und zwar mit meinen Erfahrungen aus der Wirtschaft.

DIE FURCHE: Können Sie sich vorstellen, ein politisches Projekt in Österreich auch wieder finanziell zu unterstützen?
Stronach: Dieses Thema ist abgehakt.

DIE FURCHE: Nie politische Entzugserscheinungen?
Stronach: Nein. Ich sehe das recht sachlich. Ich glaube, wir alle sind manchmal unzufrieden mit der Politik und sagen: Hoffentlich tut da jemand etwas. Ich bereue nicht, dass ich etwas getan habe. Und ich habe sehr viel daraus gelernt. Würde ich es nochmals tun, würde ich manches ein bisschen anders machen.

DIE FURCHE: Was würden Sie denn anders machen?
Stronach: Ich hätte meine Vorschläge oft ein wenig sachter rüberbringen sollen. Ich habe zu oft wie ein klassischer Politiker gesprochen und gesagt: Die anderen sind schuld. Aber das führt zu nichts. Einer meiner Vorschläge war, dass ein Viertel der Parlamentarier Bürgervertreter sein sollten. Denn die Politik ist in ihrem eigenen System gefangen, das nicht mehr funktioniert: Immer mehr Menschen nehmen aus dem System, immer weniger geben etwas hinein. Die Wirtschaft wird von drei Kräften getrieben: Gute Manager. Fleißige Arbeiter. Und Investoren. Alle drei Gruppen haben ein Recht auf das, was aus ihrer Arbeit entsteht. Die Arbeiter haben also ein moralisches Recht auf einen Teil des Profits.

Die Nachricht schlug Wellen: Stronach traf Strache, der im Clinch mit der FPÖ möglicherweise nach Unterstützern für eine eigene Liste sucht. Im Interview nimmt Stronach dazu Stellung – und kritisiert den Finanzkapitalismus.

DIE FURCHE: Herr Stronach, Sie haben nach Ihrem Treffen mit Heinz-Christian Strache ein Medien­statement veröffentlicht. Trotzdem die Nachfrage: Worum gingʼs?
Frank Stronach: Ich bin politisch nicht tätig und habe keine politischen Ambitionen mehr. Aber ich habe viele Erfahrungen als Unternehmer. Und wann immer ich Österreich helfen kann, tue ich das gerne auf konstruktivem Weg. Dabei führe ich mit jeder Partei, jedem Politiker, der möchte, ein Gespräch. Und ich sage zu allen das Gleiche: Es geht um die Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft in einem Land nicht funktioniert, dann funktioniert gar nichts.

DIE FURCHE: Haben Sie sich auch mit FPÖ-Funktionären getroffen, wie das in Medien zu lesen war?
Stronach: Es ist bei mir grundsätzlich so: Wenn jemand mich anruft und meine Zeit in Österreich es zulässt, mit jemandem zu sprechen, dann fein. Ich gehe niemandem aus dem Weg. Wenn ich Österreich dienen kann, tue ich das gerne. Und zwar mit meinen Erfahrungen aus der Wirtschaft.

DIE FURCHE: Können Sie sich vorstellen, ein politisches Projekt in Österreich auch wieder finanziell zu unterstützen?
Stronach: Dieses Thema ist abgehakt.

DIE FURCHE: Nie politische Entzugserscheinungen?
Stronach: Nein. Ich sehe das recht sachlich. Ich glaube, wir alle sind manchmal unzufrieden mit der Politik und sagen: Hoffentlich tut da jemand etwas. Ich bereue nicht, dass ich etwas getan habe. Und ich habe sehr viel daraus gelernt. Würde ich es nochmals tun, würde ich manches ein bisschen anders machen.

DIE FURCHE: Was würden Sie denn anders machen?
Stronach: Ich hätte meine Vorschläge oft ein wenig sachter rüberbringen sollen. Ich habe zu oft wie ein klassischer Politiker gesprochen und gesagt: Die anderen sind schuld. Aber das führt zu nichts. Einer meiner Vorschläge war, dass ein Viertel der Parlamentarier Bürgervertreter sein sollten. Denn die Politik ist in ihrem eigenen System gefangen, das nicht mehr funktioniert: Immer mehr Menschen nehmen aus dem System, immer weniger geben etwas hinein. Die Wirtschaft wird von drei Kräften getrieben: Gute Manager. Fleißige Arbeiter. Und Investoren. Alle drei Gruppen haben ein Recht auf das, was aus ihrer Arbeit entsteht. Die Arbeiter haben also ein moralisches Recht auf einen Teil des Profits.

Die freie ­Wirtschaft hat heute ein riesiges Problem: Immer mehr ­Kapital wird von immer ­weniger Menschen besessen.

DIE FURCHE:In der Realität bauen Unternehmen dagegen sogar oft Arbeitsplätze ab, um höhere Gewinne zu erzielen, wie jüngst Unicredit und Red Bull zeigten.
Stronach: Die USA sind durch ihr freies Wirtschaftssystem groß geworden. Aber die freie Wirtschaft hat ein riesiges Problem: Immer mehr Kapital wird von immer weniger Menschen besessen. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, das habe ich nie vergessen. Deshalb ist für mich wichtig: Was kann ich tun, um den Lebensstandard der Menschen zu verbessern, Armut zu bekämpfen? Die Verteilung ist heute ungerecht. Der Kapitalismus hat es verabsäumt, auch den Arbeitern zu ermöglichen, Kapitalisten zu sein.

DIE FURCHE: Wie könnte der Wohlstand gerechter verteilt werden?
Stronach: Es bräuchte ein Gesetz, das die Arbeiter zu zehn oder 20 Prozent ihrer Löhne an Unternehmensgewinnen beteiligt. Das hat den Erfolg der Magna ausgemacht. Und: Wenn es in einem Unternehmen nicht korrekt zugeht, wenn es unfaire Strukturen, Diskriminierung oder Korruption gibt, dann macht das die Menschen unzufrieden. Und Unzufriedenheit ist ansteckend.

DIE FURCHE: Sie hatten während Ihrer Zeit in der Politik viele Konflikte mit Medien und fühlten sich oft „schlecht behandelt“. Sehen Sie das heute auch noch so?
Stronach: Nein, und es hat mich auch damals nicht wirklich gestört. Ich weiß, wer ich bin, meine Freunde wissen, wer ich bin. Manches war auch von mir selbst vielleicht übertrieben. Zu Armin Wolf habe ich etwa gesagt: Schau, du bist ein Staatsangestellter (lacht). Aber manchmal wurden meine Worte zusammengestückelt und meine Aussagen nicht korrekt wiedergegeben.

DIE FURCHE: Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer. Aber sind erfolgreiche Unternehmer auch gute Politiker?
Stronach: Nicht unbedingt. Man lernt immer etwas dazu. Und meine Lehre über das politische System ist vor allem: Es sind nicht nur die anderen – wir alle sind ein bisschen schuld daran, dass das System ist, wie es ist.

DIE FURCHE: Ist bei Unternehmern, die zu Politikern werden, nicht oft das Problem, dass sie auch eine politische Partei ein bisschen wie eine Firma führen wollen? Dass im politischen Feld aber andere Faktoren wichtig sind?
Stronach: Ich wollte ja nicht selbst ins Parlament, sondern ein politisches Projekt unterstützen: Ich habe aber letztlich nicht die richtigen Leute dafür gefunden. Mein persönliches Handicap war auch, dass ich mir in der englischen Sprache leichter getan hätte. Ich habe oft nicht die richtigen Worte gefunden.

DIE FURCHE: Auch die Ziele von Privatwirtschaft und Politik unterscheiden sich: Bei einem Unternehmen geht es letztlich darum, bestmögliche Zahlen zu erwirtschaften. In der Politik um das Management zwischen Interessengruppen. Ist das nicht ein Problem für Unternehmer in der Politik?
Stronach: Das Grundziel unterscheidet sich eigentlich nicht: Wie kann ein Land erfolgreich und konkurrenzfähig sein? Ein Land braucht gute Schulen, eine Firma gute Lehrwerkstätten. Das Problem westlicher Länder ist, dass sie sich immer mehr von der Realwirtschaft entfernen, wo tatsächlich Produkte geschaffen werden, und immer mehr die Finanzwirtschaft dominiert. Deren Gewinne kann man aber nicht essen.

DIE FURCHE: Was halten Sie von Donald Trump?
Stronach: Er ist, wer er ist. Und er wurde auch für seine Ausdrucksweise gewählt. Inhaltlich sagt er: Mit all den Handelsverträgen unterstützen wir die ganze Welt – das muss aufhören. Es muss ausgeglichener werden. Und er hat dieses System aufgebrochen.

DIE FURCHE: Dass er Entscheidungen mit globaler Relevanz aus dem Bauch heraus trifft, dass er etwa US-Truppen in Syrien von heute auf morgen abzieht oder dass er politische Gegner diskreditiert und versucht Journalisten einzuschüchtern, stört Sie nicht?
Stronach: Trump ist schon intelligent, sonst könnte er diesen Job nicht machen. Er bekämpft überbordende Bürokratie und das ist gut. Wie er mit politischen Gegnern umgeht, ist manchmal ein Fehler. Wir können die Probleme nur zusammen lösen.

DIE FURCHE: Das Team Stronach bekam für seine Parteiakademie ab 2014 rund eine Mio. Euro Förderung pro Jahr. 2017 waren noch ca. 876.000 Euro übrig, wie die „Wiener Zeitung“ recherchiert hat. Was mit diesem Geld passierte, wurde nie wirklich offengelegt. War das nicht eine schlechte Optik, weil das ja Geld vom Staat war, letztlich also Steuergeld?
Stronach: Ich habe natürlich ein großes Projekt aufgebaut, dabei immer darauf geachtet, dass alles den Gesetzen entspricht. Aber letztendlich habe ich mein eigenes Geld hineingesteckt. Ich habe nichts vom Staat genommen.

DIE FURCHE: Jetzt hat allerdings die Rechercheplattform „Addendum“ vorgerechnet, dass das Team Stronach bis 2017 11,6 Mio. Euro an Darlehen an Sie zurückgezahlt hat – aus Mitteln der Parteienförderung. Insgesamt kostete das Team Stronach die Republik demnach 18,5 Mio. Euro mehr, als Sie selbst eingezahlt haben.
Stronach: Ich habe mit dem Team Stronach keinen Profit gemacht. Ich habe sehr viel eigenes Geld reingesteckt. Und ich glaube, ich habe damit das Denken schon auch ein wenig geändert. Ich war nicht in jeden der politischen Prozesse involviert. Aber ich habe mithilfe mehrerer Rechtsanwälte genau darauf geachtet, dass rechtlich alles korrekt abläuft.

DIE FURCHE: Sie sind seit einigen Jahren Rinderzüchter in Florida und bauen gerade einen Bio-Supermarkt auf. Wie weit sind die Pläne?
Stronach: Ich möchte Lebensmittel ohne Chemikalien verkaufen. Möglichst ohne Zwischenhändler, denn die machen die Produkte fast unerschwinglich. Um die Qualität von Bio-Produkten zu gewährleisten, braucht es Transparenz, die Herkunft muss genau nachvollziehbar sein. Fleisch werde ich aus eigener Produktion verkaufen. Den ersten Supermarkt eröffne ich im Jänner. Dann wird es ein wenig Feinabstimmung geben – und möglicherweise zwei oder drei weitere Filialen.

Stronach - © Foto: Starpix / picturedesk.com

Frank Stronach

Frank Stronach ist ein österreichisch-kanadischer Industrieller, Milliardär und ehemaliger Politiker. Er war Parteiobmann des von ihm gegründeten Teams Stronach.

Frank Stronach ist ein österreichisch-kanadischer Industrieller, Milliardär und ehemaliger Politiker. Er war Parteiobmann des von ihm gegründeten Teams Stronach.