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Treue ist keine Ehre mehr

Kein guter Anfang für Hilmar Kabas, den neuen Obmann der alten fpö: Sein Appell an die freiheitlichen Abgeordneten im Parlament, "der Partei die Treue zu halten", blieb ungehört. Aus der großen Mehrheit der Alt-fpö-ler sind Neu-bzö-ler geworden. Doch Kabas hätte es wissen müssen: Treue ist kein Wert und noch weniger eine Ehre, wenn es ums eigene politische Überleben geht. Und jetzt, wo der Kapitän als erster das sinkende Schiff verlassen hat, kann es niemand den Unter- und Unter-Unter-Kapitänen groß Übel nehmen, wenn auch sie die blauen Segel streichen.

Auf zu neuen Ufern, lautet die bzö-Devise, und auch wenn sie nicht wissen wohin, denkt sich nicht nur der G'schupfte Ferdl, sind sie dafür schneller dort. Und schnell müssen die Geschwister Haider und die anderen Orangen sein, wollen sie nicht untergehen. Die Gefahr kommt dabei nicht von ihren früheren Parteifreunden: Der junge Haider-Herausforderer Heinz-Christian Strache schaut mit einem Mal sehr alt aus - und die Mölzers und Stadlers und die anderen bewusst Ewiggestrigen werden weiterhin ihre nationalen Wurzeln pflegen und damit am Boden bleiben und in einer Zitterpartie um den Einzug in den Nationalrat rittern.

Wirklich gefährlich für Orange ist nur Schwarz. Haubner, Gorbach und Co. werden in der Regierung auch in Orange nicht mehr zur Geltung kommen als bisher - doch ein Aufmucken spielt es jetzt auf keinen Fall. Der Bundeskanzler ruft sonst Neuwahlen aus, während die bzö-Führung noch damit beschäftigt ist, das Klopapier für die neuen Büros zu bestellen. Und auch bei der inhaltlichen Positionierung des bzö werden sich die Orangen am meisten an den Schwarzen reiben. Denn was werden die Orangen einmal sein wollen, jetzt wo sie nichts mehr sind? Soziale Liberale werden sie sein wollen - aber will das nicht schon der Bundeskanzler sein?

wolfgang.machreich@furche.at

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