Welche (Gesamt-)Schule die Parteien wollen

Es war und ist das Prestigeprojekt von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ): die "Neue Mittelschule“, die, anders als die bisherige Hauptschule, keine Leistungsgruppen kennt, sondern dank Team-Teaching und Individualisierung jedes einzelne Kind in den Blick nehmen soll. Tatsächlich kam es dank vermehrter Ressourcen an den ehemaligen Hauptschulstandorten zu Verbesserungen (für die Bundes-ÖVP von vornherein der eigentliche Sinn des Unterfangens). Vom hehren Ziel, damit einen wesentlichen Schritt in Richtung gemeinsamer Schule aller Zehn- bis Vierzehnjährigen zu setzen, wie es beim Start dieses neuen Schultyps vor fünf Jahren propagiert wurde, ist man freilich weit entfernt. So sind von den bald 691 NMS-Standorten lediglich elf (!) frühere Gymnasien. Wie Günter Haider, ehemaliger Chef des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), und der grüne Bildungssprecher Harald Walser Ende Juni dieses Jahres vorrechneten, sei der Anteil der Kinder an den AHS-Unterstufen seit Einführung der NMS sogar gewachsen und werde bei gleichbleibender Entwicklung von derzeit 33 Prozent auf 42 Prozent im Jahr 2030 ansteigen. Die beiden plädieren deshalb für einen Stopp des Ausbaus - und eine seriöse Evaluierung.

Claudia Schmied und die SPÖ halten indes an ihren Ausbau-Plänen fest. Langfristig jedoch fordert man (wie auch die Grünen) die Abschaffung der AHS-Unterstufe, um eine tatsächliche gemeinsame Schule mit leistungsorientierter Binnendifferenzierung in der Sekundarstufe zu realisieren. Auch der Ausbau von Ganztagsschulen (mit einer Verschränkung von Unterricht und Freizeit) soll weiter forciert werden.

Durch die Volkspartei geht in diesen Fragen indes ein Riss: Während die Bundes-ÖVP nach dem Motto "Mut zur Elite“ bzw. "Leistung & Vielfalt“ für eine Beibehaltung des zweigliedrigen Schulsystems - und damit der AHS-Unterstufe neben Hauptschule bzw. NMS - plädiert, haben die Landeshauptleute von Vorarlberg, Tirol und Salzburg längst Pilotprojekte oder Modellregionen mit Gesamtschulcharakter angekündigt.

Bundes-VP contra "Westachse“

Um die "leidige Diskussion über die Gesamtschule zu beenden“, will Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer die Langform des Gymnasiums nur noch "für spezielle Bildungsbiografien“ erhalten, etwa in Form eines Europagymnasiums mit fünf Fremdsprachen. Realgymnasien würden jedoch im Endausbau "keine Unterstufe mehr brauchen; dort reicht die Neue Mittelschule aus“. Auch die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin und VP-Spitzenkandidatin Brigitte Jank kann sich eine gemeinsame Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen vorstellen. Wenn dies ein Wunsch der Bevölkerung sei, "dann sei’s drum“.

Und was ist mit den anderen wahlwerbenden Parteien? Während sich die FPÖ eindeutig gegen eine gemeinsame Schule im Sekundarbereich ausspricht, plädiert das BZÖ klar dafür. Auch das Team Stronach hat sich in Person von Klubobmann Robert Lugar für "einen einzigen Schultyp“ mit starker, innerer Leistungsdifferenzierung ausgesprochen. NEOS und Piraten favorisieren kein bestimmtes Modell, sondern fordern vor allem mehr Schulautonomie bzw. Schulen als "echte Lern- und Lebensräume“. Was das konkret heißt? Man darf gespannt sein. (dh)

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